Wenn du auf Rügen bist und das Gefühl hast, du brauchst mal eine richtige Pause von allem – dann fahr ganz in den Westen. Versteckt hinter Schilfgürteln und flachen Gewässern liegt eine kleine Schwesterinsel, die selbst viele langjährige Stammgäste noch nie betreten haben: Ummanz. Das Eiland ist gerade einmal knapp 20 Quadratkilometer groß, flach wie ein Pfannkuchen und unglaublich still. Sobald du die schmale, 250 Meter lange Brücke hinter Gingst überquerst, lässt du den klassischen Tourismus komplett hinter dir. Hier gibt es keine Seebrücken, keine weißen Bädervillen und keine überfüllten Promenaden. Stattdessen bestimmen weite Felder, alte Alleen und die Geräusche der Natur den Rhythmus. Ich zeige dir, warum diese fast vergessene Ecke im Westen Rügens ein echtes Highlight für Naturfans ist und an welchen Stellen du die besten Ausblicke hast.
Für wen sich Ummanz lohnt (und für wen absolut nicht)
Ein Ausflug nach Ummanz lohnt sich für Radfahrer, Vogelbeobachter, Kitesurfer und alle, die absolute Abgeschiedenheit suchen. Die flachen, asphaltierten und teils sandigen Wege sind perfekt für ausgedehnte Touren ohne nennenswerte Steigungen. Wenn du hingegen feinen Ostseesand, Strandkörbe oder belebte Cafés zum Nachmittagsbummel suchst, bist du hier definitiv falsch. Ummanz liegt komplett in den Boddengewässern und gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die Ufer bestehen fast ausschließlich aus dichtem Schilf, Wiesen und Naturstränden. Wer Action abseits des Wassersports sucht, wird sich hier schnell langweilen.
Natur-Highlights: Was Ummanz so einzigartig macht
Die Insel mag klein sein, aber sie bietet Naturerlebnisse, die du im trubeligen Osten von Rügen so niemals finden wirst. Hier sind die drei wichtigsten Gründe, warum du die Brücke überqueren solltest:
Suhrendorf: Das Mekka für Wind- und Kitesurfer
Während der Rest der Insel in ländlicher Stille ruht, ist der Ort Suhrendorf an der Westküste von Ummanz ein extrem beliebter Treffpunkt für Wassersportler. Hier liegt eines der größten Stehreviere Deutschlands. Das Wasser des Schaproder Boddens ist hunderte Meter weit nur knie- bis hüfttief. Perfekte Bedingungen, um Kitesurfen oder Windsurfen sicher zu lernen. Vom Strand in Suhrendorf, wo es auch einen hervorragenden Naturcampingplatz gibt, hast du zudem den wohl besten, unverbauten Panoramablick hinüber auf die langgestreckte Insel Hiddensee. Wenn du selbst aufs Brett steigen willst, schau dir vorab unseren Überblick zum Wassersport auf Rügen an.
Kranichrast: Gänsehaut in Tankow
Im Frühjahr und ganz besonders im Herbst wird Ummanz zum internationalen Flughafen der Vogelwelt. Tausende Kraniche nutzen die extrem flachen und fischreichen Boddengewässer als sicheren Schlafplatz. Mein Insider-Tipp: Fahr am späten Nachmittag in den kleinen Ort Tankow im Norden von Ummanz. Dort gibt es eine fantastische Beobachtungsplattform direkt am Wasser. Wenn die Sonne langsam untergeht und riesige Schwärme der Vögel laut trompetend über deinen Kopf hinweg zu ihren Schlafplätzen einfliegen, ist das ein unvergessliches Naturschauspiel. Nimm unbedingt ein gutes Fernglas mit! Weitere Tipps zu diesem Spektakel findest du in meinem Guide zur Kranichzeit.
Haflingerzucht: Die blonde Mähne der Insel
Wenn du über die Insel radelst, fallen dir sofort die vielen blonden Pferde mit dem hellen Langhaar auf. Ummanz ist deutschlandweit bekannt für seine traditionsreiche Haflingerzucht. Die gutmütigen, robusten Tiere stehen hier von Frühjahr bis Herbst auf den weiten, salzigen Boddenwiesen. Für Pferdefreunde und Familien gibt es mehrere Reiterhöfe auf der Insel, die geführte Ausritte durch die flache Landschaft oder entlang der Schilfgürtel anbieten – eine wunderbare Alternative zum klassischen Fahrrad.
Kulturschatz in Waase: Der Antwerpener Schnitzaltar
Gleich hinter der Brücke, im ersten Inselort Waase, steht eine kleine, unscheinbare Backsteinkirche – die St.-Marien-Kirche aus dem 15. Jahrhundert. Lauf hier nicht einfach vorbei! Im Inneren verbirgt sich eine echte Sensation, die man in so einem winzigen Dorf niemals erwarten würde: Ein extrem aufwendig gestalteter, goldener Antwerpener Schnitzaltar aus dem Jahr 1520. Wie dieses Meisterwerk der Holzschnitzkunst aus Flandern auf dieses abgelegene Inselchen kam, ist bis heute nicht restlos geklärt. Man vermutet, dass er nach dem Dreißigjährigen Krieg von Stralsund hierher in Sicherheit gebracht wurde. Die filigranen Figuren und die Detailverliebtheit sind absolut atemberaubend und rechtfertigen für Kulturinteressierte schon allein die Anreise.
Häufige Fragen zu deinem Ausflug nach Ummanz (FAQ)
Gibt es klassische Badestrände auf Ummanz?
Nein, einen klassischen, breiten Sandstrand mit Strandkörben und Eisbude suchst du hier vergebens. Die Küste besteht primär aus ausgedehnten Schilfgürteln und Naturufern. In Suhrendorf gibt es einen kleinen Naturstrandabschnitt, der sich zum Baden im sehr flachen Boddenwasser eignet – perfekt zum Planschen für ganz kleine Kinder, aber nicht für echte Schwimmer.
Brauche ich zwingend ein Auto auf der Insel?
Ummanz lässt sich am allerbesten mit dem Fahrrad erkunden. Die Entfernungen zwischen den winzigen Dörfern (wie Waase, Haide, Markow oder Suhrendorf) sind sehr kurz und die Straßen meist extrem verkehrsarm. Du kannst dein Auto bequem direkt in Gingst oder auf dem Parkplatz direkt hinter der Ummanz-Brücke in Waase abstellen und von dort in die Pedale treten.
Gibt es Einkaufsmöglichkeiten auf der Insel?
Die Infrastruktur ist sehr überschaubar. In Suhrendorf beim Campingplatz gibt es einen kleinen Markt für die Grundversorgung und ein paar Imbisse, in Waase ein Café und eine Fischräucherei. Für den klassischen Wocheneinkauf oder frische Brötchen am Morgen fährst du am besten vorab auf Rügener Seite nach Gingst.
Waren diese Informationen hilfreich?
Danke für dein Feedback!






