Ein Tag am Meer mit kleinen Kindern erfordert logistische Präzision. Wer nur mit einem Handtuch und Sonnencreme an einen wilden Naturstrand fährt, stößt schnell an seine Grenzen. Wenn der Nachwuchs plötzlich auf die Toilette muss, der Hunger nach Pommes laut wird oder die Strömung der Ostsee unterschätzt wird, ist die Erholung für die Eltern meist schlagartig vorbei. Für Familien zählen an der Küste harte Fakten: extrem flaches Wasser, verlässliche Rettungsschwimmer, saubere Sanitäranlagen und eine unkomplizierte Gastronomie direkt am Sand.
Auf Rügen gibt es Dutzende Kilometer Sandstrand, doch nicht jeder Abschnitt ist familiengerecht. Die Steilküsten im Norden bergen Gefahren durch Abbrüche, und an den unbewachten Stränden der Halbinseln kann die Strömung unberechenbar sein. Wer einen entspannten Tag verbringen möchte, braucht Infrastruktur. Hier sind fünf Strände, die genau diese Sicherheit bieten. Eine komplette Übersicht über alle Küstenabschnitte für unterschiedliche Bedürfnisse findest du zudem in unserer Übersicht zu den Stränden auf Rügen.
1. Baabe: Der flachste Einstieg der Insel
Das Ostseebad Baabe ist für viele Familien die unangefochtene Nummer eins an der Ostküste. Der Strand ist hier außergewöhnlich breit und das Wasser fällt extrem flach ab. Du musst teilweise fünfzig Meter in die Ostsee hineingehen, bevor du als Erwachsener schwimmen kannst. Das bedeutet, dass Kleinkinder am Ufer gefahrlos in den sehr flachen Wellen spielen können. Die DLRG überwacht den Hauptstrand in der Saison lückenlos von ihren Wachtürmen aus.
Ein weiterer enormer Pluspunkt für Eltern mit Kinderwagen oder voll beladenem Bollerwagen: Vom Boulevard aus führt eine fest installierte, gummierte Matte direkt über den weichen Sand fast bis an die Wasserkante. Das lästige Schleppen des Equipments entfällt hier komplett. Die öffentlichen, regelmäßig gereinigten Toiletten befinden sich direkt am Hauptzugang, ebenso wie mehrere Imbissstände und Eisverkäufer. Wer nicht in Baabe wohnt, nutzt am besten den Großparkplatz am Ortseingang und fährt die letzten Meter bequem mit der kleinen, kostenfreien Bäderbahn.
2. Sellin Südstrand: Der Schutz vor der Brandung
Sellin ist weltberühmt für seine prachtvolle Seebrücke. Doch für Familien mit sehr kleinen Kindern ist der Strand direkt am Wahrzeichen oft nicht ideal. Dort wird das Wasser relativ schnell tief, und bei starkem auflandigem Wind bricht die Brandung kräftig auf den Strand. Die familienfreundlichere Lösung liegt nur einen kurzen Fußmarsch oder eine Fahrt mit der Bäderbahn entfernt: der Selliner Südstrand.
Dieser Strandabschnitt ist durch die geografische Ausrichtung und die Steilküste leicht geschützt. Die Wellen sind hier meist sanfter und der Wind weniger schneidend. Die Infrastruktur ist voll auf Familien ausgerichtet: Es gibt einen großen, massiven Spielplatz direkt im Sand, sodass keine Langeweile aufkommt. Die Sanitäranlagen im modernen Sozialgebäude sind großzügig dimensioniert und es gibt eine gute Auswahl an bezahlbarer Gastronomie. Die DLRG hat hier eine eigene große Wache und den Strand fest im Blick. Wer mit dem Auto anreist, findet oberhalb des Südstrandes einen großen, bewirtschafteten Parkplatz.
3. Binz: Die geballte Infrastruktur
Das größte Seebad der Insel darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Der Hauptstrand von Binz ist in den Sommermonaten im Juli und August zweifellos sehr voll, aber genau diese Masse bringt eine unvergleichliche Infrastruktur mit sich. Die Wachtürme der DLRG stehen in engen Abständen, und das Wasser wird streng überwacht. Ein wichtiges Detail: Verloren gegangene Kinder werden hier durch ein bewährtes Armband-System, welches du dir kostenlos bei den Rettungsschwimmern abholen kannst, extrem schnell wieder den Eltern zugeordnet.
Direkt hinter dem Strand verläuft die kilometerlange Promenade. Wenn der Hunger kommt, musst du nur wenige Meter über den Sand gehen und hast die Wahl zwischen frischen Fischbrötchen, Pizza oder warmen Waffeln. Die öffentlichen Toilettenanlagen sind zahlreich und sehr gut ausgeschildert. Für Familien, die Action, Strandbespaßung und extrem kurze Wege zur Versorgung schätzen, ist Binz eine absolut solide Wahl. Parken direkt am Wasser ist nahezu unmöglich; nutze die Großparkplätze an den Ortseingängen und plane einen zehnminütigen Fußweg ein.
4. Göhren Nordstrand: Sanfter Sand und ein Schrägaufzug
Göhren hat zwei völlig unterschiedliche Gesichter: den naturbelassenen, teils steinigen Südstrand und den bewachten Nordstrand. Für Familien ist der feinsandige Nordstrand das klare Ziel. Das Wasser fällt hier sanft ab und die Sandqualität eignet sich hervorragend für den Bau von massiven Sandburgen. Die Kurpromenade grenzt direkt an den Strand an, sodass öffentliche Toiletten, Wickelräume und kleine Bistros jederzeit in unter fünf Minuten erreichbar sind.
Ein besonderer Aspekt in Göhren ist die logistische Erreichbarkeit. Da das Ortszentrum auf einem steilen Hügel liegt, wurde ein Schrägaufzug installiert. Mit Kinderwagen fährst du bequem vom Zentrum hinab direkt an den Kurpavillon am Strand. Für Besitzer der Göhrener Kurkarte ist diese Fahrt sogar kostenlos. Wer mit dem Auto von außerhalb anreist, kann sein Fahrzeug auf den ausgedehnten Flächen direkt am Nordstrandbahnhof des Rasenden Rolands abstellen.
5. Glowe: Das Tor zur wilden Schaabe mit Komfort
Die Schaabe ist eine fast zehn Kilometer lange Nehrung im Norden Rügens, die für ihre wilden Naturstrände und die dichten Kiefernwälder bekannt ist. Für Familien mit sehr kleinen Kindern ist der mittlere Teil dieses Naturstrandes jedoch oft zu unerschlossen, da es dort weder Toiletten noch Bewachung gibt. Die Lösung ist, direkt am Eingang der Schaabe im Ort Glowe zu bleiben.
Rund um den Kurplatz und den angrenzenden Hafen von Glowe findest du die perfekte Mischung. Der breite Strand wird hier bewacht, es gibt ordentliche Toilettenanlagen und eine lange Reihe von Verpflegungsständen direkt an der Hauptstraße. Die Kinder können im feinen Sand spielen, während im Hintergrund bereits die Natur beginnt. Es ist hier optisch deutlich naturbelassener als an der prunkvollen Promenade in Binz, aber du musst auf die wichtigsten Komfort-Faktoren nicht verzichten. Der Parkplatz am Ortseingang füllt sich im Hochsommer sehr früh, zeitiges Erscheinen lohnt sich hier.
Die Wahl des richtigen Strandes nimmt spürbar den Stress aus dem Familienurlaub. Um böse Überraschungen bei den Kosten oder den lokalen Regeln vor Ort zu vermeiden, solltest du die grundlegenden Rahmenbedingungen der Insel kennen.
Fragen rund um den perfekten Strandtag
Kostet der Besuch an diesen Stränden auf Rügen Eintritt?
Der physische Zugang zum Strand ist in Deutschland grundsätzlich frei, jedoch erheben alle großen Seebäder auf Rügen eine Kurtaxe (Kurabgabe), die verpflichtend zu zahlen ist. Wenn du deine Kurkarte (die du von deinem Vermieter erhältst) am Strandzugang nicht vorzeigen kannst, musst du an den Automaten oder bei den Kontrolleuren ein kostenpflichtiges Tagesticket erwerben, um die Infrastruktur wie Toiletten und Rettungsschwimmer zu nutzen.
Wann sind die Rettungsschwimmer der DLRG vor Ort?
Die bewachten Familienstrände auf Rügen sind in der Regel von Mitte Mai bis Mitte September durch die Rettungsschwimmer der DLRG besetzt. Die Überwachung findet meist in der Kernzeit zwischen 09:00 Uhr und 18:00 Uhr statt, was immer an den gehissten Flaggen an den Wachtürmen (Rot-Gelb für Bewachung) erkennbar ist.
Dürfen Hunde mit an diese bewachten Familienstrände?
In der Hauptsaison von Mai bis Ende September herrscht an den stark frequentierten, bewachten Familienstränden ein striktes Hundeverbot. Wenn du mit deinem Hund anreist, musst du zwingend die ausgewiesenen Hundestrände ansteuern, die sich meist an den Rändern der Seebäder befinden und oftmals eine etwas einfachere Infrastruktur aufweisen.
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