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Rügen-Anreise: Brückenzug, Fähren & Stau umgehen

Die Insel Rügen verzeichnet jährlich rund eine Million Gästeankünfte. Diese Anzahl an Urlaubern trifft auf ein Straßennetz, das topografisch durch tiefe Boddengewässer, schmale Landzungen und historische Alleen naturgemäß begrenzt ist. Wer seine Anreise nach Rügen nicht sorgfältig plant, verbringt insbesondere an den Wochenenden oft unnötige Wartezeit im stockenden Verkehr. An den klassischen Bettenwechsel-Tagen gerät der Verkehrsfluss an den bekannten Nadelöhren regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Die logistische Herausforderung besteht darin, die spezifischen Rhythmen der Inselinfrastruktur genau zu kennen – von den festen Schließzeiten der Zugbrücken bis hin zur Taktung der Fährverbindungen, die als strategische Ausweichrouten fungieren. Dieser Leitfaden liefert die notwendigen Parameter für eine reibungslose Navigation über die Insel, bewertet die Tarife der Fährbetriebe und zeigt detailliert, wie sich die typischen Staufallen bei An- und Abreise sowie an Regentagen umfahren lassen.

Das Tor zur Insel: Rügenbrücke und Rügendamm im Detail

Nahezu der gesamte Fahrzeugverkehr auf die Insel fließt durch die Hansestadt Stralsund. Um den Strelasund zu überqueren, stehen Kraftfahrern zwei parallele Bauwerke zur Verfügung, die logistisch völlig unterschiedlich funktionieren. Ein grundlegendes Verständnis dieser beiden Trassen ist für eine verzögerungsfreie Anreise zwingend erforderlich.

Die markante Rügenbrücke (B96) ist die moderne Hochbrücke. Sie bietet eine Durchfahrtshöhe von 42 Metern, weshalb sie den Schiffsverkehr auf dem Strelasund nicht behindert und für Autofahrer dauerhaft ohne Unterbrechungen befahrbar ist. Diese Trasse ist für Fußgänger, Radfahrer und landwirtschaftliche Fahrzeuge jedoch gesperrt. Zudem greifen hier bei schweren Stürmen sofortige Sicherheitsmaßnahmen: Ab Windstärke 8 (ca. 62 km/h) wird die Geschwindigkeit auf 60 km/h reduziert. Bei Orkanböen ab Windstärke 10 wird die Brücke für Pkw mit Anhängern sowie für unbeladene Lkw komplett gesperrt.

Der ältere Rügendamm verläuft parallel und deutlich niedriger über das Wasser. Diese Route wird von Zügen, Radfahrern und regionalem Autoverkehr genutzt. Das entscheidende logistische Nadelöhr ist hier die Ziegelgrabenbrücke, eine integrierte Klappbrücke, die sich für den durchfahrenden Schiffsverkehr öffnet. Wenn sich die Brücke hebt, kommt der Straßen- und Schienenverkehr auf dem Rügendamm vollständig zum Erliegen.

Feste Öffnungszeiten der Ziegelgrabenbrücke

Um die Wartezeiten planbar zu machen, öffnet die Brücke täglich zu fest definierten Zeiten. Für Autofahrer bedeutet dies, die folgenden Uhrzeiten bei der Routenplanung zwingend zu meiden oder entsprechend auf die Hochbrücke auszuweichen. Die regulären Öffnungszeiten sind täglich um:

  • 05:20 Uhr
  • 08:20 Uhr
  • 12:20 Uhr
  • 15:20 Uhr
  • 17:20 Uhr
  • 21:30 Uhr

Die Brückenöffnung dauert jeweils rund 20 Minuten. Der anschließende Rückstau auf der Stralsunder Seite benötigt oft weitere 15 bis 30 Minuten, bis er sich vollständig aufgelöst hat.

Die Glewitzer Fähre: Der logistische Bypass an Anreisetagen

Da sich der Verkehr an den Bettenwechsel-Tagen (vornehmlich samstags zwischen 10:00 Uhr und 15:00 Uhr) auf der B96 vor Stralsund staut, bietet der Süden Rügens eine hervorragende Ausweichroute. Die Glewitzer Fähre verbindet den Festlandort Stahlbrode mit Glewitz auf der Halbinsel Zudar. Diese Route umgeht den Großraum Stralsund komplett.

Betriebszeiten und Taktung

Die Glewitzer Fähre verkehrt im reinen Saisonbetrieb von Anfang April bis Ende Oktober. In der Hauptsaison pendeln meist zwei Schiffe parallel, sodass etwa alle 20 Minuten eine Abfahrt erfolgt. Die reine Überfahrt über den Strelasund dauert lediglich 15 Minuten. Da die Fähren witterungsabhängig sind, wird der Betrieb bei starkem Nebel, schwerem Seegang oder akutem Niedrigwasser aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Tarife und Wirtschaftlichkeit

Die Nutzung der Fähre ist gebührenpflichtig. Ein Pkw bis 5 Meter Länge kostet für die einfache Fahrt rund 6,50 € inklusive des Fahrers. Jeder weitere erwachsene Mitfahrer wird mit etwa 1,80 € berechnet. Wer ein größeres Wohnmobil fährt, muss mit Kosten von rund 10,00 € kalkulieren. Die Tickets werden unkompliziert direkt vor der Auffahrt am Kassenhäuschen gelöst. Die Investition lohnt sich besonders an verkehrsreichen Samstagen, um sich stundenlanges Stop-and-Go zu ersparen.

Halbinsel Wittow: Die Wittower Fähre als Abkürzung

Wer sein Urlaubsziel im Norden der Insel hat, etwa in den Gemeinden Wiek, Dranske oder Putgarten, stößt auf eine weitere geografische Besonderheit. Die Halbinsel Wittow ist auf dem Landweg nur über eine einzige Straße erreichbar: Die schmale Landzunge der Schaabe. Die Fahrt von Bergen über Sagard bis auf das Wittower Kernland bedeutet einen weiten Bogen von knapp 40 Kilometern.

Die Wittower Fähre schließt diese Lücke direkt über den Bodden zwischen den Ortsteilen Trent (Süden) und Woldenitz (Norden). Im Gegensatz zur Glewitzer Fähre ist diese Verbindung an 365 Tagen im Jahr geöffnet und dient auch dem alltäglichen Schul- und Berufsverkehr der Insulaner. Die Fährfahrt dauert nur etwa 5 bis 8 Minuten und erspart Kraftfahrern einen Umweg von rund 30 Kilometern.

Die Fährzeiten sind dicht getaktet: In den Sommermonaten pendeln die Schiffe nahezu pausenlos. Ein Pkw kostet hier für die Überfahrt rund 6,50 €. Für Gespanne oder lange Camper steigen die Tarife entsprechend. Wer während seines Aufenthalts häufiger übersetzen möchte (beispielsweise um Ausflugsziele im Zentrum zu erreichen), sollte beim Kassierer direkt nach einer Mehrfahrtenkarte fragen, um die Kosten pro Überfahrt zu senken.

Weitere Übersichten zu den aktuellen Taktungen findest du in unserem Ratgeber Fahrpläne 2026: Rügen per Schiff und Fähre erkunden.

Die Hauptschlagadern B96 und B196

Sobald man die Rügenbrücke passiert hat, teilt sich der Verkehr auf die zwei zentralen Bundesstraßen der Insel auf. Die B96 führt als Hauptachse direkt durch die Mitte der Insel über Bergen weiter nach Norden in Richtung Sagard und Sassnitz. Die B196 zweigt in Richtung der stark frequentierten Ostseebäder (Binz, Sellin, Baabe, Göhren) ab.

Die B96 wurde in den vergangenen Jahren großzügig dreispurig (im sogenannten 2+1-System) ausgebaut. Dies ermöglicht ein sicheres Überholen von langsamen landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Ab Bergen verengt sich die Straße jedoch wieder auf eine reguläre Fahrspur pro Richtung. Wer an einem Samstag in den Inselnorden (etwa zu einer Ferienwohnung in Sagard) anreist, sollte die Engstelle bei Lietzow einkalkulieren. Hier verläuft die Straße auf einem schmalen Damm zwischen zwei Bodden, Ausweichmöglichkeiten existieren nicht. Es empfiehlt sich dringend, diese Passage an Wechseltagen vor 11:00 Uhr oder erst am späten Nachmittag ab 16:00 Uhr zu passieren.

Die B196 in den Südosten der Insel führt oft durch wunderschöne, aber enge historische Alleen. Das Überholen ist hier auf weiten Strecken verboten und aufgrund der massiven Bäume direkt am Straßenrand lebensgefährlich. Die logistische Regel für diese Strecke lautet: Entschleunigung einplanen. Ein einzelner Reisebus oder ein langsames Wohnmobil gibt hier zwangsläufig das Tempo für die gesamte Fahrzeugkolonne vor.

Schietwetter-Logistik: Wenn die Insel nach Stralsund fährt

Eine der größten verkehrstechnischen Herausforderungen auf Rügen entsteht nicht durch An- oder Abreisen, sondern durch das Wetter. Wenn sich an einem Vormittag in der Hauptsaison abzeichnet, dass es dauerhaft regnen wird, greift ein vorhersehbares Muster: Tausende Familien entscheiden sich zeitgleich für einen Ausflug in das Ozeaneum nach Stralsund.

Dieses Phänomen führt unweigerlich zu einem massiven Stau in Richtung Festland, oft beginnend ab der Ortschaft Samtens. Der Rückweg am späten Nachmittag zwischen 15:00 Uhr und 17:00 Uhr staut sich dann entsprechend in der Gegenrichtung vor der Rügenbrücke. Wer an solchen Tagen Ausflüge plant, sollte das Festland meiden und auf lokale Ziele auf der Insel setzen. Andernfalls verbringt man bei starkem Regen bis zu 90 Minuten im reinen Stop-and-Go-Verkehr auf der B96. Eine hervorragende und staufreie Alternative ist in solchen Fällen die Fahrt mit den Zügen der Deutschen Bahn (RE9) oder der ODEG, die Stralsund von Bergen oder Binz aus völlig unabhängig von der Verkehrslage erreichen.

Häufige Fragen zu den Verkehrswegen

Kann ich die Rügenbrücke mit dem Fahrrad überqueren?

Nein, die moderne Hochbrücke ist als Kraftfahrstraße klassifiziert und für Fußgänger sowie Radfahrer strikt gesperrt. Wer mit dem Zweirad auf die Insel möchte, muss zwingend den tieferliegenden Rügendamm nutzen, auf dem ein gesonderter, befestigter Rad- und Fußweg verläuft.

Welche Fähre ist die bessere Alternative bei Stau?

Wenn sich der Verkehr auf der A20 und der anschließenden B96 in Richtung Stralsund staut, ist die Glewitzer Fähre (ab Stahlbrode) die ideale Ausweichroute. Sie erspart dir die Ortsdurchfahrt Stralsund sowie den Rügendamm und führt dich direkt in den ruhigen Süden der Insel. Von dort gelangst du entspannt über Putbus in die großen Ostseebäder.

Fahren Busse über die Wittower Fähre?

Nein, die regulären Linienbusse der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) setzen nicht mit der Wittower Fähre über. Fußgänger können die Fähre nutzen (Kosten ca. 1,50 € pro Person) und am gegenüberliegenden Ufer in den Anschlussbus der VVR umsteigen. Die Fahrpläne der Buslinien sind auf beiden Seiten exakt auf die Taktung der Fährschiffe abgestimmt.

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