Das musikalische Profil der Insel Rügen im Frühjahr wird maßgeblich durch den Kulturaustausch mit den Anrainerstaaten der Ostsee geprägt. Am Samstag, den 9. Mai 2026, bündelt das Theater Vorpommern diese internationale Zusammenarbeit in einem einmaligen Konzertformat: den „Nordic Sounds“. Die Veranstaltung findet im historischen Theater Putbus statt und bringt Musiker aus Schweden, Finnland und Deutschland auf einer Bühne zusammen.
Das Konzept der Nordic Sounds hebt sich von regulären philharmonischen Konzerten ab. Es handelt sich um ein spartenübergreifendes Projekt, das klassische Kammermusik, skandinavische Chorwerke, traditionellen finnischen Tango und moderne Jazz-Fusion miteinander verknüpft. Die Besonderheit liegt in der Konstellation der Künstler: Die Ensembles wurden speziell für dieses Programm zusammengestellt und vereinen internationale Gäste mit lokalen Instrumentalisten aus Bergen auf Rügen und Greifswald.
Das musikalische Programm: Von Schweden bis nach Finnland
Das Programm des Abends ist in verschiedene musikalische Blöcke unterteilt, die jeweils spezifische nordeuropäische Stilrichtungen und Instrumentengruppen in den Fokus rücken. Die Bandbreite reicht von solistischen Gitarrenstücken über klassische Bläserquintette bis hin zu groß besetzten Jazz-Arrangements.
Lund’s Bläserquintett aus Schweden
Den klassischen schwedischen Schwerpunkt bildet Lund’s Bläserquintett. Das Ensemble besteht aus Anja Liabäck (Querflöte), Hanna Lövgren (Oboe), Jon Lundberg (Klarinette), Karin Brodin (Horn) und Jeanette Eliasson (Bassklarinette). Die Kombination dieser fünf Holz- und Blechblasinstrumente erfordert eine hohe klangliche Präzision. Die Bassklarinette verleiht dem Quintett ein besonders tiefes und warmes Fundament, das typisch für die nordische Bläsertradition ist, die oft von weiten, melancholischen Landschaftsbildern inspiriert wird.
Der finnische Tango: Moll-Akkorde und Melancholie
Ein zentraler Bestandteil des Abends ist die Präsentation des finnischen Tangos. Im Gegensatz zum feurigen argentinischen Tango zeichnet sich die finnische Variante durch einen starken Fokus auf Moll-Tonarten, ein langsameres Tempo und eine grundlegende Melancholie aus. Das Duo aus dem finnischen Pianisten Esa Ylönen und der schwedischen Flötistin Anja Liabäck interpretiert diese Stücke, die von Mikko Helenius speziell für diese Besetzung arrangiert wurden.
Zusätzlich bringt das Duo Ella Tepponen (Jazz-Gesang) und Esa Ylönen (Klavier) direkt aus der südfinnischen Hafenstadt Kotka nordischen Jazz-Gesang nach Rügen. Die Verbindung von klassischer Klavierbegleitung und jazziger Stimmführung zeigt die moderne Entwicklung der finnischen Musikszene auf.
Klassische Romantik und Solowerke
Das Programm integriert neben den skandinavischen Werken auch zentraleuropäische Kompositionen, die durch die internationalen Ensembles neu interpretiert werden. Der deutsche Gitarrist Torsten Jahnke präsentiert solistisch eine Sonatine des österreichischen Komponisten Anton Diabelli, die als anspruchsvolles Werk der klassischen Gitarrenliteratur gilt.
Ein weiteres Highlight der Kammermusik ist das Trio bestehend aus dem schwedischen Hornisten Joakim Casagrande, dem deutschen Klarinettisten Carsten Witt und dem Pianisten Alexander Girod. Sie führen die „Serenade“ von Robert Kahn auf. Kahn, ein deutscher Komponist der Spätromantik, schuf Werke, die sich durch dichte Harmonik und fließende Melodielinien auszeichnen – Eigenschaften, die durch den weichen Klang von Horn und Klarinette besonders hervorgehoben werden.
Zusätzlich widmet sich das Duo Esa Ylönen und Carsten Witt (am Saxophon) dem finnischen Komponisten Uuno Klami. Sie spielen seine „Berceuse“ (Wiegenlied). Klami stammte ebenfalls aus Kotka und ließ in seine Werke oft maritime Einflüsse einfließen, was thematisch perfekt zur Hafen- und Inselstruktur Rügens passt.
Chorprojekt und Rügener Jazz-Fusion
Die vokale Ebene des Abends wird durch ein spezielles Chorprojekt abgedeckt. Die Sängerinnen Mechthild Kornow und Sabine Lange präsentieren gemeinsam mit sechs Studentinnen Werke des norwegischen Komponisten Edvard Grieg sowie zeitgenössische Chormusik von John Rutter. Die Akustik des Putbusser Theaters, das ursprünglich für das gesprochene Wort und kleine Ensembles konzipiert wurde, bietet für diese reinen Gesangsstimmen eine exzellente Resonanz.
Den Abschluss und dynamischen Höhepunkt bildet ein lokales Fusion-Projekt, das Musiker aus Bergen auf Rügen und Greifswald vereint. Unter der musikalischen Leitung von Cornelius Jelen, der das Schlagzeug spielt und die Arrangements verantwortet, agiert ein Sextett. Hans Jürgen Kampa und Wolfgang Zimmerling an den Saxophonen, Martina Fenzel an der Querflöte, Lukas Müller am Bass und Alexander Girod am Klavier präsentieren frische Jazz-Fusion. Dieses Genre verbindet die Improvisationsfreiheit des Jazz mit den Rhythmen und Instrumentierungen anderer Musikstile und zeigt, dass die regionale Musikszene auf Rügen tief in professionellen Strukturen verankert ist.
Der Veranstaltungsort: Das Theater Putbus
Die Wahl des Veranstaltungsortes ist bei einem Projekt wie den Nordic Sounds von entscheidender Bedeutung. Das Theater Putbus, das zwischen 1819 und 1821 im klassizistischen Stil erbaut wurde, gehört zu den schönsten historischen Theatern Norddeutschlands. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten Ende der 1990er Jahre verfügt der Saal heute über eine moderne technische Ausstattung, behält jedoch die intime Atmosphäre eines Residenztheaters.
Mit rund 240 Sitzplätzen ermöglicht das Theater eine enorme Nähe zwischen den Musikern auf der Bühne und dem Publikum. Besonders bei filigranen Instrumentierungen, wie dem Solo-Gitarrenspiel von Torsten Jahnke oder dem finnischen Tango, geht in diesem Raum keine akustische Nuance verloren. Die Ränge und die Deckengestaltung des Saals sorgen für eine direkte Schallreflexion, wodurch auf elektronische Verstärkung (abseits des Jazz-Gesangs und des E-Basses) weitgehend verzichtet werden kann.
Kulturelle Relevanz für die Insel Rügen
Veranstaltungen wie die Nordic Sounds sind für den Kulturkalender der Insel Rügen essenziell, um das Angebot im Rügen im Frühling jenseits des reinen Naturtourismus zu profilieren. Die Insel blickt auf eine fast 200-jährige Zugehörigkeit zum Königreich Schweden (Schwedisch-Pommern von 1648 bis 1815) zurück. Ein musikalischer Austausch mit schwedischen Künstlern wie Lund’s Bläserquintett oder Joakim Casagrande ist somit nicht nur ein Konzert, sondern auch die Pflege einer historischen Achse im Ostseeraum.
Wer seinen Urlaub im Mai plant, findet in diesem Programm eine hochwertige Alternative zu den klassischen Strandaktivitäten. Die Veranstaltung reiht sich nahtlos in die Bestrebungen der Region ein, Kunst & Kultur auf internationalem Niveau im ländlichen Raum zu etablieren.
Logistik und Ticketinformationen
Das Konzert findet am Samstag, den 9. Mai 2026, um 19:30 Uhr statt. Besucher sollten für die Anreise nach Putbus ausreichend Zeit einplanen. Kostenfreie Parkmöglichkeiten befinden sich am Rande des Schlossparks, von wo aus das Theater in etwa zehn Gehminuten erreichbar ist. Auch am Circus Putbus stehen gebührenpflichtige Parkplätze zur Verfügung.
Tickets für die Veranstaltung können direkt über die Website des Theater Vorpommern, an den Vorverkaufskassen in Stralsund und Greifswald sowie direkt an der Theaterkasse in Putbus (Dienstag bis Freitag 10–13 Uhr und 16–18 Uhr) erworben werden. Da die Kapazität des Theaters auf rund 240 Plätze limitiert ist und das Konzert aufgrund der einmaligen Besetzung eine hohe Anziehungskraft auf Einheimische und Urlauber ausübt, ist eine frühzeitige Reservierung ratsam.
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Häufige Fragen zu den Nordic Sounds auf Rügen
Wann und wo finden die Nordic Sounds 2026 statt?
Das Konzert Nordic Sounds findet am Samstag, den 9. Mai 2026, um 19:30 Uhr im historischen Theater Putbus auf der Insel Rügen statt. Der Ort liegt im Süden der Insel und ist von den großen Seebädern wie Binz in etwa 20 Minuten mit dem Auto erreichbar.
Welche Musikrichtungen werden bei dem Konzert gespielt?
Das Programm der Nordic Sounds ist spartenübergreifend konzipiert. Es umfasst klassische Bläsermusik aus Schweden, melancholischen finnischen Tango, romantische Solo-Werke für Gitarre und Klavier sowie moderne Jazz-Fusion von regionalen Musikern aus Mecklenburg-Vorpommern.
Wo kann ich in der Nähe des Theaters Putbus parken?
Die Stadt Putbus bietet in der unmittelbaren Umgebung des Theaters Parkmöglichkeiten am historischen Circus (teils gebührenpflichtig). Weitere, oft kostenfreie Parkflächen befinden sich in der Kastanienallee oder an den Rändern des Schlossparks, nur wenige Gehminuten vom Theater entfernt.
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