Alles für das Camping dabei? Dann steht dem Start nichts mehr im Wege. Gut vorbereitet (dazu zählt auch eine Regenkombi) kann die Tour an die Ostsee beginnen.

Mein Rügentrip: Vom Sachsenring an die Ostsee

Aber nicht mit dem Auto – sondern dem Motorrad! Sobald die ersten Sonnenstrahlen den Asphalt wärmen und das restliche Salz von den Straßen gewaschen ist, fängt es unweigerlich an, in der Gashand zu kribbeln. Vor einiger Zeit habe ich mir einen ganz besonderen Roadtrip vorgenommen: Eine Fahrt vom absoluten Herz des ostdeutschen Motorsports, dem Sachsenring in Oberlungwitz, bis hinauf an die raue Ostseeküste. Mein klares Ziel war der Naturcampingplatz in Nipmerow auf unserer schönen Insel Rügen.

Diese Strecke ist definitiv kein kurzer Nachmittagsausflug. Es ist eine ausgewachsene Tour, die landschaftlich und fahrerisch enorme Kontraste bietet. Von den hügeligen Ausläufern Sachsens über die schier endlosen Alleen der Mecklenburgischen Seenplatte bis hin zum stetigen, kühlen Wind der Ostsee. In diesem Artikel nehme ich dich mit auf meine Reise und teile meine ganz persönlichen Erfahrungen und Tipps für alle, die eine ähnliche Langstrecke mit dem Motorrad an die Küste planen.

Die erste Etappe: Raus aus Sachsen, rein in die Weite

Wer vom Sachsenring startet, hat zunächst die Qual der Wahl: Schnell Kilometer machen auf der Autobahn oder das pure Cruisen auf der Landstraße genießen. Ich habe mich für eine gesunde Mischung entschieden, um die dichter besiedelten Regionen zügig hinter mir zu lassen und ab Brandenburg auf die deutlich gemütlicheren Nebenstrecken zu wechseln. Spätestens wenn man die Mecklenburgische Seenplatte erreicht, ändert sich der Charakter der Fahrt komplett.

Die kurvigen Strecken des Südens weichen zunehmend langgezogenen Geraden, die dicht von majestätischen alten Bäumen gesäumt sind. Glitzernde Seen blitzen immer wieder rechts und links der Landstraße auf. Hier oben im Norden entschleunigt man als Motorradfahrer fast ganz automatisch. Man muss sich allerdings auch zwingend auf die veränderten Temperaturen einstellen. Auch wenn es in Sachsen bei meiner Abfahrt am Morgen noch angenehm warm war, wurde die Luft mit jedem Kilometer in Richtung Küste spürbar frischer. Der Ostseewind kühlt die Temperaturen stark ab – eine gute, winddichte Textilkombi und wärmere Handschuhe waren auf dieser Etappe absolut Gold wert.

Nach etlichen Kilometern tauchte irgendwann Stralsund auf den Verkehrsschildern auf. Mein Navigationsgerät wollte mich hartnäckig über die neue, gigantische Rügenbrücke leiten. Aus langer Erfahrung weiß ich jedoch: Für Motorradfahrer kann diese fast drei Kilometer lange und sehr hohe Brücke bei starkem Seitenwind extrem ungemütlich und anstrengend werden.

Meine Alternative und gleichzeitig mein absoluter Lieblingstipp für die Anreise: Ich bin rechtzeitig von der Hauptroute abgebogen und habe den kleinen Fährhafen in Stahlbrode angesteuert. Von Frühjahr bis Herbst pendelt hier eine historische Autofähre gemächlich über den Strelasund nach Glewitz auf Rügen. Die kurze Pause auf dem Wasser tat nach der langen Fahrt richtig gut. Für ein paar Euro setzt man völlig entspannt über und landet drüben direkt auf einer wunderschönen, alten Alleenstraße im ruhigen Insel-Süden. Das ist für mich Biker-Romantik pur und ein wesentlich entspannterer Start in den Rügen-Aufenthalt.

Mein Ziel: Naturcamping am Rand des Nationalparks

Auf der Insel angekommen, führte mich mein Weg quer über Rügen bis ganz in den Nordosten. Das Ziel meines Roadtrips war der Naturcampingplatz in Nipmerow, ein idyllischer kleiner Ortsteil oberhalb von Lohme. Nach fast einem ganzen Tag auf der Yamaha FZR gibt es für mich wenig Besseres, als das Zelt direkt am Waldrand aufzuschlagen, den Motor abzustellen und die tiefe Ruhe zu genießen. Der Platz ist unter Motorradfahrern beliebt, weil er weit weg vom Trubel der großen und geschäftigen Seebäder an der Ostküste liegt.

Von Nipmerow aus hatte ich an den Folgetagen die ideale Ausgangsbasis für Erkundungen. In nur wenigen Minuten war ich am Rande des Nationalparks Jasmund. Die kurvigen Straßen durch die dichten Buchenwälder hinunter zur Küste sind ein Traum – auch wenn hier aufgrund des Naturschutzes und der vielen Radfahrer strenge Tempolimits gelten, an die man sich unbedingt halten sollte. Wenn du ebenfalls gerne das Hotel gegen ein Zelt tauscht, findest du weitere Inspiration in meiner Übersicht zum Camping auf Rügen.

Meine Erfahrungen: Tücken auf Rügens Landstraßen

Wenn du selbst eine Tour auf die Insel planst, möchte ich dir zwei Dinge ans Herz legen, auf die ich beim Fahren besonders achten musste. Das erste ist das historische Kopfsteinpflaster. In vielen kleinen Dörfern abseits der neu ausgebauten Hauptachsen rumpelt man plötzlich über alte Steine. Bei Trockenheit ist das nur etwas anstrengend für die Handgelenke, aber wenn sich morgens der feuchte Seenebel über die Straßen legt oder ein kurzer Schauer durchzieht, wird das Pflaster spiegelglatt wie Schmierseife. Fahr hier in den Kurven extrem defensiv.

Die zweite Besonderheit sind unsere weltberühmten Alleen. Das Fahren unter dem geschlossenen Blätterdach ist wunderschön, aber der ständige, flackernde Wechsel zwischen hellem Sonnenlicht und tiefem Schatten ist auf Dauer extrem ermüdend für die Augen. Zudem sammeln sich an den Rändern nach windigen Nächten schnell abgebrochene Äste und rutschiges Laub. Wer hier die Geschwindigkeit anpasst, hat jedoch ein unvergessliches Fahrerlebnis.

Häufige Fragen zu Motorradtouren an die Ostsee (FAQ)

Gibt es auf Rügen kurvenreiche Strecken für Motorradfahrer?

Die extreme Schräglage wie im Mittelgebirge findest du hier nicht. Die absolute Lieblingsstrecke für Biker auf der Insel ist jedoch die schmale, gewundene Waldstraße durch den Nationalpark Jasmund (zwischen Sassnitz und dem Königsstuhl). Hier fährst du durch wunderbare, weiche Kurven im dichten Buchenwald.

Achtung: Achte morgens und abends unbedingt auf Wildwechsel! Es gibt hier viel Damwild, Rotwild und Wildschweine!

Muss ich den Campingplatz in Nipmerow vorher reservieren?

In den frühen Frühlingsmonaten findest du für ein kleines Zelt und ein Motorrad fast immer spontan einen Platz. Wenn dein Trip jedoch genau auf die langen, beliebten Wochenenden um Himmelfahrt oder Pfingsten fällt, ist eine vorherige Reservierung auf dem Naturcampingplatz dringend zu empfehlen, da Rügen zu dieser Zeit stark von Kurzurlaubern frequentiert wird.

Wie lange dauert die Fahrt vom Sachsenring bis Rügen?

Die reine Fahrzeit über die Autobahnen (A9, A19, A20) beträgt etwa fünf bis sechs Stunden für die knapp 500 Kilometer. Wenn du – wie ich auf meinem Trip – primär Landstraßen nutzt und die Überfahrt mit der Glewitzer Fähre einplanst, solltest du mit Pausen einen entspannten, kompletten Fahrtag von acht bis neun Stunden einkalkulieren.

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