Wenn du im Hochsommer mit dem Wohnmobil oder dem ausgebauten Kastenwagen über die Rügenbrücke fährst, teilst du dir die Insel mit zehntausenden anderen Urlaubern. Die Campingplätze sind bis auf den letzten Quadratmeter ausgebucht, die Schlangen vor den Brötchenwagen lang und die Stellplätze oft eng. Doch sobald die großen Ferien vorbei sind – im Frühjahr von April bis Juni oder im Herbst ab September – atmet die Insel auf. Camping auf Rügen in der Nebensaison ist kein Kompromiss für Sparfüchse, sondern für mich die ehrlichste Art, die Inselnatur zu spüren. Wenn der Morgennebel über den Bodden zieht und du die Schiebetür deines Campers öffnest, hast du die Ostsee oft fast für dich allein.
Die Nebensaison bietet dir eine Flexibilität, die im Juli und August unvorstellbar ist. Du musst deine Route nicht Monate im Voraus festlegen, sondern kannst dich vom Wetter und deiner Laune treiben lassen. Mal eine Nacht direkt hinter den Dünen der Schaabe, mal im windgeschützten Binnenland – die Insel zeigt dir jetzt ihr wahres Gesicht, ohne die touristische Maske der Hochsaison.
Die Vorzüge des leeren Kalenders: Platz, Preise und Natur
Der offensichtlichste Vorteil sind die Kapazitäten. In den Monaten Mai oder Oktober findest du auf fast jedem Platz auch ohne Reservierung ein schönes Fleckchen. Das bedeutet weniger „Rangier-Stress“ und mehr Privatsphäre. Zudem sinken die Übernachtungspreise in der Nebensaison oft um 30 bis 50 Prozent gegenüber der Hauptreisezeit. Das gesparte Geld investierst du besser in ein ordentliches Abendessen in einem der lokalen Fischrestaurants.
Inhaltlich bietet die Nebensaison Erlebnisse, die du im Sommer schlicht verpasst. Im April und Mai explodiert die Natur: Die Rapsfelder leuchten in einem fast unwirklichen Gelb und die Buchenwälder im Nationalpark Jasmund zeigen ihr erstes, zartes Grün. Im September und Oktober hingegen gehört der Himmel den Kranichen. Wenn du deinen Stellplatz im Westen der Insel wählst, hörst du abends vom Camper aus das Trompeten der Vögel, die in den flachen Boddengewässern ihre Schlafplätze suchen. Für detaillierte Informationen zu den verschiedenen Plätzen und den grundlegenden Kosten empfehle ich dir unseren Überblick zum Camping auf Rügen.


Für wen ist der Camping-Herbst und -Frühling ideal?
Camping in der Nebensaison erfordert eine andere Einstellung als der klassische Badeurlaub. Wenn du die Stille suchst, wirst du diese Zeit lieben. Vor allem drei Zielgruppen profitieren massiv vom Rügen-Urlaub außerhalb der Ferienzeiten:
- Hundehalter: Das ist der wichtigste Punkt. Ab dem 1. Oktober (bis zum 30. April) werden die strengen Strandregeln aufgehoben. Dein Hund darf dann an fast alle Strandabschnitte, nicht nur an die oft abgelegenen Hundestrände. Ein langer Spaziergang am leeren Strand von Binz oder Sellin ist für Mensch und Tier in dieser Zeit pure Freiheit.
- Aktivurlauber & Wanderer: Bei milden 15 bis 18 Grad wandert es sich deutlich angenehmer als in der stehenden Hitze des Augusts. Die Wege durch die Granitz oder entlang der Kreideküste sind leerer, und du musst dir die Aussichtspunkte nicht mit hunderten anderen teilen.
- Fotografen: Das Licht in der Nebensaison ist weicher und die Schatten sind länger. Die „Blaue Stunde“ an der Seebrücke Sellin oder der Sonnenaufgang am Kap Arkona sind im Herbst deutlich dramatischer als im flirrenden Sommerlicht.
Standortwahl: Windschutz und Infrastruktur
Wenn du im April oder Oktober campst, spielt die Lage deines Stellplatzes eine größere Rolle als im Sommer. Der Seewind kann in dieser Zeit empfindlich kalt sein. Während Plätze direkt hinter der Düne im Sommer wegen der Brise begehrt sind, suchst du in der Nebensaison eher Plätze mit natürlichem Windschutz durch Wälder oder Hecken.
Ein Beispiel für einen Platz, der das ganze Jahr über durch seine Lage besticht, ist der Campingpark in Göhren. Er liegt direkt hinter der Düne am Nordstrand, bietet aber durch den dichten Küstenwald ausreichend Schutz, wenn der Wind auf Nordost dreht. Zudem ist die sanitäre Ausstattung hier auf einem Niveau, das auch an kühlen Tagen für Komfort sorgt.
Praktische Vorbereitung: Wärme und Feuchtigkeit
Unterschätze niemals die Feuchtigkeit an der Küste. Auch wenn die Tage im Mai schon sonnig sind, kühlt es nachts massiv ab. Ein Campingurlaub ohne funktionierende Standheizung oder zumindest einen kleinen Keramikheizlüfter (sofern Landstrom vorhanden ist) kann im Oktober schnell ungemütlich werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Belüftung: Durch den Temperaturunterschied zwischen innen und außen bildet sich im Camper viel Kondenswasser. Investiere in gute Isoliermatten für die Fenster – sie halten im Frühjahr die Wärme im Fahrzeug und verhindern das Beschlagen der Scheiben.
Für Liebhaber des rauen Nordens ist der Platz in Drewoldke auf der Halbinsel Wittow eine exzellente Wahl. Hier stehst du direkt an der Steilküste. Der Wind weht hier oben auf Wittow fast immer, aber das Erlebnis, morgens den Blick über die offene Ostsee Richtung Kap Arkona schweifen zu lassen, entschädigt für die eine oder andere steife Brise.
Infrastruktur-Check: Was hat im Oktober noch offen?
Ein kritischer Punkt beim Camping in der Nebensaison ist die Versorgung vor Ort. Während auf den großen Plätzen die Kioske und Restaurants oft bis Ende Oktober geöffnet haben, schließen kleinere Plätze oder Versorgungsstationen im Binnenland bereits Mitte September. Prüfe vor deiner Anreise unbedingt, ob der gewählte Platz noch vollen Service bietet. In den großen Orten wie Sassnitz oder Bergen ist die Versorgung natürlich ganzjährig gesichert, aber auf den abgelegenen Halbinseln wie Mönchgut oder Wittow kehrt im November fast vollständige Ruhe ein.
Camping bietet dir die maximale Freiheit, die verschiedenen Regionen Rügens flexibel zu erkunden. Besonders die Halbinsel Mönchgut im Südosten und die Region um Glowe im Norden sind ideale Basislager für Camper, die Natur und Meer kombinieren wollen:
→ Halbinsel Mönchgut entdecken → Glowe & Schaabe → Insel Rügen
Fragen zum Camping in der Nebensaison
Muss ich Campingplätze auf Rügen im Mai oder September reservieren?
In der Nebensaison ist eine langfristige Reservierung auf den meisten Plätzen nicht zwingend erforderlich, da die Kapazitäten deutlich entspannter sind als im Hochsommer. Dennoch empfiehlt es sich, vor allem bei beliebten Plätzen direkt an der Küste, zwei bis drei Tage vor der Anreise kurz anzurufen oder online zu prüfen, ob der gewünschte Bereich (z.B. erste Reihe am Meer) noch verfügbar ist.
Dürfen Hunde im Herbst überall mit an den Strand?
Ab dem 1. Oktober heben fast alle Gemeinden auf Rügen die strikte Trennung in Hundestrände und normale Badestrände für die Wintersaison auf. Bis zum 30. April darfst du mit deinem Hund an fast allen Strandabschnitten spazieren gehen, wobei du vor Ort dennoch auf die Beschilderung zur Leinenpflicht achten solltest, die in einigen Naturschutzgebieten weiterhin besteht.
Haben die Campingplätze auf Rügen im Winter geöffnet?
Nur eine Handvoll Campingplätze auf Rügen bietet echtes Wintercamping an, während der Großteil der Plätze von November bis Ende März geschlossen bleibt. Wenn du zwischen Dezember und Februar anreisen möchtest, solltest du gezielt nach Plätzen suchen, die über beheizte Sanitäranlagen verfügen und ganzjährig Stellplätze für autarke Wohnmobile vorhalten.
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