Wenn du an der Hafenmauer in Lauterbach stehst und deinen Blick über den Greifswalder Bodden schweifen lässt, siehst du in knapp drei Kilometern Entfernung einen dichten, grünen Hügel aus dem Wasser ragen. Die Insel Vilm wirkt von hier drüben unscheinbar, doch sie hütet einen Wald, der auf dem gesamten europäischen Festland so kaum noch existiert. Während sich auf Rügen im Hochsommer Tausende Besucher an den Promenaden drängen, herrscht auf Vilm absolute Stille. Du kannst dir kein Ticket am Schalter kaufen und spontan übersetzen. Der Zugang ist streng limitiert, und genau das macht dieses Eiland zu einem der wertvollsten Rückzugsorte für die Natur.
Vom Urlaubsort der Mächtigen zum Forschungslabor
Dass der Wald auf Vilm heute so ursprünglich wachsen darf, verdankt die Insel paradoxerweise der Politik. Bereits 1936 wurde Vilm unter Naturschutz gestellt. In der DDR-Zeit wurde das kleine Eiland dann komplett für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Ministerrat der DDR ließ hier Ferienhäuser für hochrangige Politiker errichten; auch Erich Honecker verbrachte auf Vilm seine Urlaube. Was für die Bevölkerung ein Ärgernis war, erwies sich für die Natur als Segen: Die Wälder blieben über Jahrzehnte von jeglicher forstwirtschaftlichen Nutzung verschont. Bäume durften wachsen, stürzen und verrotten, ohne dass ein Mensch eingriff.
Heute gehört die Insel zum Biosphärenreservat Südost-Rügen und beherbergt eine Außenstelle des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Wissenschaftler aus aller Welt tagen in den ehemaligen Gästehäusern, während der alte Buchen- und Eichenbestand rundherum seiner natürlichen Entwicklung überlassen bleibt.
Die Ticket-Realität: Wie du überhaupt auf die Insel kommst
Auf Vilm gibt es keinen freien Tourismus. Maximal 60 Besucher dürfen die Insel pro Tag betreten, und das auch nur von März bis Oktober und ausschließlich im Rahmen einer offiziell geführten Exkursion. Die Überfahrt startet im Hafen von Lauterbach, meist mit dem kleinen Ausflugsschiff „MS Julchen“.
Die größte Hürde für einen Besuch ist die Buchung. Wenn du in der Hauptsaison im Juli oder August anreist und am Vortag nach einem Ticket fragst, wirst du fast immer abgewiesen. Die wenigen Plätze sind oft Wochen, manchmal Monate im Voraus ausgebucht. Du musst deine Tickets online oder telefonisch bei der Fahrgastschifffahrt Lenz reservieren. Ein Ausflug, der die Überfahrt und die rund zweieinhalbstündige Führung beinhaltet, kostet für Erwachsene knapp unter 30 Euro. Ein fairer Preis, wenn man bedenkt, welch exklusiven Zugang man erhält.
Was dich auf dem Rundweg durch die Natur erwartet
Sobald du am kleinen Anleger auf Vilm von Bord gehst, übernimmt ein geschulter Guide. Der Rundweg ist etwa drei Kilometer lang und führt dich direkt in das Herz des Waldes. Im Gegensatz zum Nationalpark Jasmund im Norden Rügens, wo die hellen Kreidefelsen das Bild dominieren, ist Vilm dunkler, erdiger und rauer. Du spazierst unter gigantischen, bis zu 600 Jahre alten Eichen hindurch. Totholz liegt kreuz und quer, überzogen mit seltenen Moosen und Pilzen. Es riecht intensiv nach feuchter Erde und Verfall — der Kreislauf der Natur wird hier nicht durch Aufräumarbeiten gestört.
Der Guide erklärt dir die extrem hohe Artenvielfalt: Über 500 Farn- und Blütenpflanzen wachsen auf diesem nicht einmal einen Quadratkilometer großen Flecken Erde. Du darfst während der gesamten Tour den schmalen Pfad nicht verlassen. Wer versucht, abseits der Wege auf Fotomotiv-Jagd zu gehen, wird sofort und unmissverständlich zurückgepfiffen.
Klare Regeln für einen sensiblen Ort
Ein Besuch auf Vilm erfordert von dir Anpassung. Neben dem strengen Wegegebot herrscht absolutes Rauchverbot. Du darfst keine Pflanzen pflücken, keine Steine als Andenken einstecken und das Baden an den unberührten Ufern ist ohnehin strengstens untersagt. Da die Wege naturbelassen sind — mit herausragenden Wurzeln, kleinen Steigungen und sandigen Passagen —, kommst du mit leichten Sandalen nicht weit. Festes, geschlossenes Schuhwerk ist für diese Exkursion ein absolutes Muss.
Ebenfalls wichtig für die Urlaubsplanung: Hunde sind auf Vilm generell verboten. Der Naturschutz hat hier Vorrang, und die heimische Tierwelt, zu der auch scheue Seeadler gehören, darf nicht gestört werden. Wenn du mit deinem Vierbeiner anreist, musst du für die Dauer des Ausflugs leider eine Betreuung organisieren. Informationen zu hundefreundlichen Ausflugszielen auf Rügen findest du stattdessen in unserem Guide für den Urlaub mit Hund.
Das Rahmenprogramm in Putbus und Lauterbach
Da der Ausflug auf die Insel Vilm inklusive Überfahrt etwa drei Stunden dauert, hast du danach noch ausreichend Zeit, die unmittelbare Umgebung zu erkunden. Der Hafen in Lauterbach ist der perfekte Ort, um nach der Führung ein frisches Fischbrötchen direkt vom Kutter zu essen. Anschließend lohnt sich ein Spaziergang ins benachbarte Putbus. Die ehemalige Residenzstadt bildet mit ihren strahlend weißen, klassizistischen Häusern und dem streng geometrisch angelegten „Circus“ einen architektonischen Gegenpol zu der wilden, ungezähmten Natur, die du gerade auf Vilm erlebt hast.
Wichtige Fragen zu deinem Ausflug auf die Insel Vilm
Wie kann ich einen Ausflug auf die Insel Vilm buchen?
Da die tägliche Besucherzahl auf maximal 60 Personen begrenzt ist, musst du dein Ticket zwingend vorab reservieren. Die Buchung erfolgt über die Fahrgastschifffahrt Lenz, die mit dem Schiff vom Hafen in Lauterbach übersetzt. In der Sommer-Hauptsaison solltest du deinen Platz mehrere Wochen im Voraus buchen, da spontane Anfragen fast immer abgelehnt werden.
Dürfen Hunde mit auf die Insel Vilm?
Nein, das Mitführen von Hunden ist auf der gesamten Insel Vilm strengstens verboten. Es handelt sich um ein hochsensibles Naturreservat (Naturschutzgebiet der höchsten Kategorie), in dem die lokale Tier- und Pflanzenwelt absoluten Vorrang hat und nicht durch Haustiere gestört werden darf.
Kann ich die Insel auf eigene Faust erkunden?
Ein selbstständiges Erkunden der Insel ist gesetzlich untersagt. Jeder Besucher darf das Eiland nur im Rahmen der offiziellen, geführten Exkursionen betreten. Während des etwa zweieinhalbstündigen Rundgangs darfst du dich zudem nicht von der Gruppe entfernen und den markierten Pfad zu keinem Zeitpunkt verlassen.
Ist der Rundweg für Rollstühle oder Kinderwagen geeignet?
Der Pfad auf Vilm ist ein reiner Naturweg. Es gibt dort herausragende Wurzeln, sandige Abschnitte und kleine Steigungen. Der Weg ist weder befestigt noch asphaltiert, weshalb er für Rollstühle, Rollatoren oder klassische Kinderwagen nicht geeignet ist. Wenn du Kleinkinder mitnehmen möchtest, solltest du auf eine gute Rückentrage ausweichen.
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