Urlaub im Wald auf Rügen: Geheimtipps für Natur, Ruhe und Hunde
Die Insel Rügen wird in den Reisekatalogen meist über ihre endlosen Sandstrände und die offene Ostsee definiert. Doch wer die Insel auf diese rein maritimen Aspekte reduziert, verpasst einen ihrer größten landschaftlichen Schätze: die tiefen, unberührten Waldgebiete. Gerade für Urlauber, die abseits der belebten Promenaden nach echter Erholung suchen, bieten die dichten Buchen- und Kiefernwälder einen idealen Rückzugsort.
Besonders in der kühleren Jahreszeit, wenn der Wind an der Westküste und auf den ungeschützten Halbinseln stark weht, entfalten die Wälder ihre schützende Wirkung. Hier spaziert man windgeschützt unter alten Baumkronen, das Laub dämpft jeden Schritt und die Luft ist spürbar klar. Wenn du mit deinem Hund reist und den Fokus auf ausgedehnte Spaziergänge in absoluter Stille legst, musst du deinen Kompass auf ganz bestimmte Regionen der Insel ausrichten. Wir zeigen dir die besten Orte für einen Urlaub direkt am Waldrand.
Die schönsten Wälder auf Rügen – Kartenübersicht
Waldliebe – Die schönsten Wälder Rügens
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Kartendaten © OpenStreetMap
Lohme und Jasmund: Das Paradies für Puristen
Wenn Gäste nach Ruhe und Natur suchen, landen sie bei ihrer Recherche oft im Norden der Insel, beispielsweise in Dranske. Doch die Westküste ist sehr ungeschützt und windanfällig. Die weitaus passendere Alternative für Waldliebhaber ist das alte Fischerdorf Lohme auf der Halbinsel Jasmund. Der kleine Ort liegt direkt an der Abbruchkante der Steilküste und ist unmittelbar vom dichten Laubwald des Nationalparks Jasmund umschlossen.
Die uralten, zum UNESCO-Weltnaturerbe gehörenden Buchenwälder beginnen hier direkt hinter den letzten Häusern. Du trittst aus deiner Ferienwohnung und stehst nach wenigen Metern auf dem berühmten Hochuferweg, der sich schattig und windgeschützt bis zum Königsstuhl zieht. Lohme bietet keinen klassischen Badestrand, was den großen Vorteil hat, dass klassische Sommerurlauber den Ort meiden. Hier findest du eine Natur, die besonders für konzentrierte Wanderungen mit dem Hund prädestiniert ist.






Die Granitz: Verborgene Stille zwischen den Seebädern
Ein weiteres gewaltiges Waldgebiet ist die Granitz im Südosten der Insel. Der rund 1.000 Hektar große, hügelige Laubmischwald trennt die großen Ostseebäder Binz und Sellin voneinander. Wer direkt im Waldgebiet übernachten möchte, sucht sich ein Quartier in dem kleinen Ort Lancken-Granitz.
Von hier aus hast du ein weitläufiges, autofreies Wegenetz direkt vor der Haustür. Du wanderst durch tiefe Senken, vorbei an alten Großsteingräbern bis hinauf zum markanten Jagdschloss Granitz. Der klare Vorteil dieser Region: Du genießt die völlige Isolation des Waldes, bist aber mit dem Auto oder Fahrrad in wenigen Minuten an den Stränden der großen Seebäder, falls du doch einmal die touristische Infrastruktur nutzen möchtest.
Baaber Heide: Kiefernduft und Meeresrauschen
Nicht jeder Wald auf Rügen besteht aus massivem Buchenlaub. Zwischen Baabe und Göhren erstreckt sich die Baaber Heide. Es handelt sich um einen ausgedehnten, flachen Küstenwald, der fast ausschließlich von alten Kiefern dominiert wird. Der Waldboden ist weich, oft mit Moos und Farnen bedeckt, und in der Luft liegt ein beständiger, würziger Duft nach Kiefernnadeln.
Dieses Gebiet ist infrastrukturell sehr gut durch Wanderwege und den parallel verlaufenden Radweg erschlossen. Da der Küstenwald direkt an die Dünen grenzt, kannst du hier die Vorzüge des Waldes perfekt mit einem Abstecher an den feinsandigen Ostseestrand verbinden. Für ältere Hunde oder Urlauber, die steile Anstiege (wie in Jasmund) meiden möchten, ist die flache Baaber Heide die beste Wahl.
Urlaub mit Hund im Wald: Was du beachten musst
Rügen ist für Hundehalter sehr gut aufgestellt, allerdings gibt es in den Waldgebieten klare Spielregeln. Die wichtigste Regel lautet: In allen Nationalparks (Jasmund, Vorpommersche Boddenlandschaft) und Naturschutzgebieten herrscht ausnahmslos eine strikte Leinenpflicht. Die Wälder sind Lebensraum für viele Wildtiere wie Rehe, Wildschweine und Dachse.
Besonders in den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung ist das Wild sehr aktiv. Zudem sind die Buchenwälder an den Küsten stark erosionsgefährdet. Hunde dürfen nicht abseits der markierten Pfade im Unterholz stöbern, um das Abrutschen der Hänge nicht zu beschleunigen. Eine Übersicht zu kompetenten Tierärzten für den Notfall findest du in unserem Ratgeber zum Urlaub mit Hund.
Warum die Nebensaison im Wald am schönsten ist
Wenn sich die Blätter im Oktober gelb und rot färben, entfaltet der Wald seine ganze Atmosphäre. Der Nebel bleibt morgens lange zwischen den Stämmen hängen und die Wege leeren sich spürbar. Wer im November oder im winterlichen Februar anreist, hat die Forstwege meist komplett für sich allein.
Passend zu deiner Reisezeit: Erfahre, warum die kalte Jahreszeit so magisch ist in unserem Guide: Rügen im Winter & in der Nebensaison. Hier liest du auch, welche kleinen Cafés an den Waldrändern nach einem langen Spaziergang auch bei frostigen Temperaturen heißen Sanddornsaft und Kaminwärme anbieten.
Verzichte auf die windanfälligen Küstenstreifen im Westen und wähle dein Quartier direkt in der Nähe der großen Waldgebiete, um die Nebensaison optimal zu nutzen:
→ Lohme (Nationalpark Jasmund) → Lancken-Granitz (Waldgebiet Granitz) → Baabe (Baaber Heide)
Fragen zum Urlaub im Wald auf Rügen
Welche Ausrüstung ist für Waldwanderungen auf Rügen wichtig?
Da viele Wege in den Nationalparks und in der Granitz naturbelassen sind, benötigst du besonders in der feuchten Nebensaison festes, wasserdichtes Schuhwerk mit einem guten Profil. An den steilen Hochufern können die schmalen Pfade durch feuchtes Laub und freiliegende Wurzeln schnell sehr rutschig werden. Auch ein Schutz gegen Zecken ist von Frühjahr bis in den späten Herbst unerlässlich.
Darf ich im Wald auf Rügen Pilze sammeln?
Grundsätzlich ist das Sammeln von Pilzen für den Eigenbedarf (haushaltsübliche Mengen) in den Wäldern gestattet. Es gibt jedoch eine sehr wichtige Einschränkung: In den ausgewiesenen Kernzonen der Nationalparks und in stark geschützten Naturschutzgebieten ist das Verlassen der Wege strengstens verboten. Hier dürfen weder Pilze noch Beeren gesammelt werden.
Sind die Wälder auf der Insel barrierefrei zugänglich?
Das hängt stark vom gewählten Waldgebiet ab. Der Hochuferweg im Nationalpark Jasmund ist durch starke Steigungen und Wurzeln für Rollstühle ungeeignet. Die flache Baaber Heide bietet hingegen sehr gut befestigte Rad- und Wanderwege. Ein völlig barrierefreies Walderlebnis bietet der Baumwipfelpfad im Naturerbe-Zentrum in Prora.
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