Unser Rügen-Spezial:

Ummanz ist ein Paradies für Kitesurfen, auch Kiteboarden genannt.

Insel Ummanz

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Ummanz – Die stille Schwesterinsel und das Naturreservat im Westen Rügens

Die Insel Ummanz ist mit rund 20 Quadratkilometern die viertgrößte Insel Mecklenburg-Vorpommerns und liegt der Westküste Rügens unmittelbar vorgelagert. Sie ist fast vollständig in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft integriert und bietet Ruhe suchenden Naturbeobachtern, Ornithologen und Wassersportlern durch ihre extrem flache Topografie und die weiten Flachwasserzonen ein radikal entschleunigtes Reiseziel abseits der großen Seebäder.

Wer die Region West-Rügen bereist und die landwirtschaftlich geprägten Wege hinter der Gemeinde Gingst fortsetzt, erreicht bei Mursewiek eine bauliche Zäsur. Eine knapp 250 Meter lange Brücke aus den 1950er Jahren überspannt hier den Focker Strom und bildet die einzige feste Landverbindung zur Insel Ummanz. Mit dem Überqueren dieser Brücke betritt man eine landschaftliche und atmosphärische Parallelwelt. Ummanz ist extrem flach; die höchste Erhebung ragt lediglich rund drei Meter über den Meeresspiegel hinaus. Um die Insel vor den herbstlichen Sturmfluten der Boddengewässer zu schützen, ist sie fast vollständig von einem massiven Deichsystem umgeben.

Das Ortsbild der kleinen Inseldörfer (wie Waase, Haide, Freesendorf und Suhrendorf) unterscheidet sich gravierend von der klassischen Bäderarchitektur der Ostküste. Hier gibt es keine Seebrücken, keine mehrstöckigen Hotels und keine Kurpromenaden. Stattdessen prägen alleinstehende Bauernhöfe, weite Pferdeweiden, rohrgedeckte Fischerkaten und dichte Schilfgürtel am Ufer das Bild. Ummanz war über Jahrhunderte ein reines Agrar- und Fischerland, das sich seine ländliche Isolation bis heute weitgehend bewahrt hat.

Insel Ummanz – Kartenübersicht

Kartendaten © OpenStreetMap

Sakralarchitektur von europäischem Rang: Die Pfarrkirche Waase

Das erste Dorf, das Besucher unmittelbar nach dem Überqueren der Brücke erreichen, ist Waase. Es ist das historische Zentrum der Insel und beherbergt eine kunsthistorische Sensation, die in einer solch abgelegenen Landkirche kaum zu vermuten wäre.

Die St.-Marien-Kirche

Die evangelische Pfarrkirche St. Marien ist das älteste Gebäude auf Ummanz. Ihr Bau begann im 15. Jahrhundert. Da die kleine Gemeinde nicht über die finanziellen Mittel für einen massiven, weithin sichtbaren Kirchturm verfügte, begnügte man sich mit einem niedrigen, freistehenden hölzernen Glockenstuhl (Belfried) auf dem Kirchhof. Die Wände des kleinen, einschiffigen Backsteinbaus sind im Inneren mit spätgotischen Wandmalereien (Fresken) verziert, die erst in den 1930er Jahren unter alten Putzschichten wiederentdeckt und freigelegt wurden.

Der Antwerpener Schnitzaltar

Der eigentliche Grund für den kulturhistorischen Ruhm von Waase ist der Flügelaltar im Chorraum. Dieses meisterhafte Triptychon wurde um das Jahr 1520 in den Gilden der Stadt Antwerpen (im heutigen Belgien) aus Eichenholz gefertigt. Er gelangte ursprünglich wohl nach Stralsund und wurde später für die Kirche in Waase erworben. Das Werk zeigt in über 40 detailverliebten, farbig gefassten und vergoldeten Schnitzfiguren Szenen aus der Passionsgeschichte Christi sowie das Martyrium des Thomas Becket. Die anatomische Präzision, die räumliche Tiefe und die intensive Farbkraft machen diesen Schnitzaltar zu einem der bedeutendsten spätgotischen Kunstwerke im gesamten Ostseeraum.

Ornithologie und Naturschutz: Die herbstliche Kranichrast

Die Natur rund um Ummanz wird von den strengen Vorgaben des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft diktiert. Die unberührten Uferzonen, insbesondere die Flachwassergebiete der Udarser Wiek und des Koselower Sees, sind ein Refugium von internationaler Bedeutung für Zugvögel.

Biologische Hintergründe der Rast: Jedes Jahr zwischen September und November wird Ummanz zum Schauplatz eines gewaltigen Naturschauspiels. Zehntausende Kraniche (Grus grus) machen hier auf ihrem Flug von den skandinavischen Brutgebieten in die südeuropäischen Winterquartiere wochenlang Station. Ummanz bietet diesen Großvögeln ideale Bedingungen. Tagsüber finden die Tiere auf den abgeernteten Getreide- und Maisfeldern der Umgebung reichlich Nahrung, um sich Fettreserven für den Weiterflug anzufressen. Abends fliegen sie in riesigen, keilförmigen Formationen an die Küsten von Ummanz. Sie schlafen stehend im knietiefen Wasser der Boddengewässer. Dieses Verhalten dient dem reinen Überlebensschutz: Nähert sich nachts ein Raubtier (wie ein Fuchs oder Waschbär), hören die Kraniche das laute Plätschern im Wasser rechtzeitig und können flüchten.

Die Gemeinde hat am Beobachtungspunkt Tankow (im Norden der Insel) spezielle Aussichtsplattformen errichtet, von denen aus Ornithologen und Naturfreunde den abendlichen Einflug der Vögel störungsfrei beobachten können. Da die Tiere extrem scheu sind, ist ein gutes Fernglas für dieses Erlebnis unerlässlich.

Agrargeschichte und das Erbe des Heilgeistklosters

Die Wirtschaftsgeschichte von Ummanz ist untrennbar mit der benachbarten Hansestadt Stralsund verbunden. Im Jahr 1324 erwarb das Stralsunder Heilgeisthospital (eine wohltätige, städtische Einrichtung) die Insel Ummanz. Über fast sechs Jahrhunderte blieb die Insel im Besitz dieses Spitals.

Diese historische Eigentümerstruktur verhinderte die Entstehung großer, adliger Gutsanlagen auf Ummanz. Stattdessen wurde die Insel in Pachtbauernhöfe aufgeteilt, die landwirtschaftliche Erträge zur Versorgung des Stralsunder Hospitals erwirtschaften mussten. Bis heute ist die Insel von einer kleinbäuerlichen, aber hochspezialisierten Landwirtschaft geprägt. Eine Besonderheit der heutigen Inselökonomie ist die überregional bekannte Zucht von Haflingern. Diese robusten, blondmähnigen Gebirgspferde aus Tirol haben sich dem rauen Ostseeklima hervorragend angepasst. Große Pferdeherden grasen auf den weiten, windigen Salzwiesen rund um die Dörfer und prägen das ländliche Idyll der Insel.

Suhrendorf: Das meteorologische Wassersport-Eldorado

Während der Osten von Ummanz der Ruhe und Naturbeobachtung dient, ist die Westküste der Insel (spezifisch der Ortsteil Suhrendorf) das sportliche Epizentrum der Region. Suhrendorf verfügt über einen der größten und renommiertesten Campingplätze Rügens, der sich direkt am Ufer des Schaproder Boddens erstreckt.

Die Topografie des Stehreviers: Der Grund für den enormen Zulauf an Wind- und Kitesurfern ist die einzigartige Beschaffenheit des Gewässers zwischen Ummanz und der direkt gegenüberliegenden Insel Hiddensee. Der Schaproder Bodden bildet hier das größte zusammenhängende Stehrevier Deutschlands. Das Wasser ist über mehrere Quadratkilometer hinweg maximal brusttief. Für Kitesurfer bietet diese flache Topografie ein extrem hohes Maß an Sicherheit, da sie nach einem Sturz jederzeit im Wasser stehen und ihre Ausrüstung neu ordnen können, ohne in tiefe Strömungen abgetrieben zu werden. Zudem profitiert die Westküste von Suhrendorf von den ungebremsten, stetigen Westwinden, die über die Ostsee und Hiddensee wehen, was eine sehr hohe Windausbeute garantiert.

Logistik für Radfahrer und Wanderer

Ummanz ist verkehrstechnisch eine Sackgasse und daher ein Paradies für sanften Tourismus. Da es keinen Durchgangsverkehr gibt, beschränkt sich das Aufkommen motorisierter Fahrzeuge fast ausschließlich auf Anwohner und Urlaubsgäste der wenigen Pensionen und des Campingplatzes.

Die fast völlige Abwesenheit von Steigungen prädestiniert die Insel für ausgedehnte Touren zum Radfahren. Eine klassische Rundtour führt direkt auf oder unmittelbar hinter dem Deich um die gesamte Insel (ca. 20 Kilometer). Diese Strecke bietet fortwährend wechselnde Ausblicke: Vom Stralsunder Kirchturmpanorama im Süden über die flachen Salzwiesen im Westen bis hin zu den Wäldern bei Trent und Schaprode im Norden. Auch für das ungestörte Wandern bieten die schmalen Feldwege exzellente Bedingungen. Ummanz besitzt zwar keine feinsandigen, breiten Badestrände, überzeugt jedoch durch naturbelassene Uferzonen, die sich aufgrund ihrer Weitläufigkeit auch ideal für ruhige Ausflüge und den verantwortungsvollen Urlaub mit angeleinten Tieren anbieten.

Häufige Fragen zur Insel Ummanz (FAQ)

Wie erreiche ich die Insel Ummanz?

Ummanz ist über eine 250 Meter lange Brücke bei Mursewiek fest mit der Hauptinsel Rügen verbunden. Du benötigst keine Fähre. Die Anfahrt erfolgt mit dem Auto oder Fahrrad über die Landstraßen im Westen Rügens, meist über die Gemeinde Gingst.

Wo befindet sich der Antwerpener Schnitzaltar?

Das europaweit bedeutende Kunstwerk aus dem Jahr 1520 befindet sich im Chorraum der St.-Marien-Kirche im Inseldorf Waase, unmittelbar hinter der Brücke. Die Kirche ist in der Regel tagsüber für respektvolle Besichtigungen geöffnet.

Warum übernachten die Kraniche im Wasser?

Die Zehntausenden Kraniche, die im Herbst auf Ummanz rasten, schlafen nachts stehend im flachen Boddenwasser (z. B. am Koselower See). Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus, da herannahende Raubtiere wie Füchse im Wasser Geräusche verursachen und die Vögel so rechtzeitig wecken.

Hat Ummanz einen Badestrand an der Ostsee?

Nein, Ummanz liegt vollständig in den Boddengewässern (Schaproder Bodden und Udarser Wiek) und besitzt keinen aufgespülten, feinsandigen Badestrand wie die Ostküste. Die Ufer sind von Deichen, Schilfgürteln und Naturstränden geprägt. In Suhrendorf gibt es jedoch einen Zugang zum Flachwasser für Wassersportler.

Was bedeutet der Begriff "Stehrevier" in Suhrendorf?

Suhrendorf verfügt über eines der größten Stehreviere Deutschlands. Das bedeutet, dass der Meeresboden im Schaproder Bodden extrem flach abfällt und das Wasser über eine sehr große Fläche (mehrere Quadratkilometer) maximal hüft- bis brusttief ist. Dies bietet vor allem Kitesurfern enorme Sicherheit.

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