Unser Rügen-Spezial:

Wir blicken auf einen "Berg", oder eben die "Alpen" - der Charme von Groß Zicker schmeichelt.

Südost-Rügen

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Südost-Rügen – Mondäner Glanz, historische Seebäder und die wilde Romantik des Mönchguts

Willkommen in der vielseitigsten Schatzkammer unserer Insel – Südost-Rügen! Wer diese Region bereist, erlebt die perfekte Symbiose aus herrschaftlicher Eleganz und wilder, geschützter Natur. Hier, im Südosten, zeigt sich Rügen von seiner glanzvollsten Seite. Die prachtvolle Bäderarchitektur der großen Orte wie Binz und Sellin mit ihren strahlend weißen Villen und den ikonischen Seebrücken bildet den einen Pol. Auf der anderen Seite wartet das Biosphärenreservat Südost-Rügen, eine seit Jahrzehnten streng geschützte Kulturlandschaft, die weit mehr ist als nur ein schöner Küstenstreifen.

Als dein Reisebegleiter für die Küste nehme ich dich mit in eine Welt, in der die Zeit manchmal stehen geblieben zu sein scheint – etwa wenn die Dampflok des „Rasenden Roland“ mit lautem Pfeifen durch die tiefen Buchenwälder der Granitz schnaubt. Südost-Rügen fordert deine Sinne: der salzige Duft der Ostsee, das sanfte Rauschen der Wellen an den feinsandigen Stränden und die würzige Luft in den Kiefernwäldern der Baaber Heide. Doch die Region bietet auch logistische Herausforderungen. Wir blicken gemeinsam auf die Details, die deinen Aufenthalt stressfrei machen: von den besten Parkmöglichkeiten abseits der überfüllten Zentren über die Nutzung der Kurkarte als Ticket für den Nahverkehr bis hin zu den architektonischen Besonderheiten des Jagdschlosses Granitz. Ob du die barrierefreien Promenaden suchst oder die einsamen Pfade am Boddenufer bevorzugst – dieser Guide ist dein Kompass für das Herz der Insel.

Südost-Rügen Tipps – Kartenübersicht

Kartendaten © OpenStreetMap

Wenn Reisekataloge die Insel Rügen zeigen, blicken sie fast immer genau hierhin: In den Südosten. Diese Region ist das absolute touristische Epizentrum der größten deutschen Insel. Südost-Rügen ist eine faszinierende Doppelwelt, die Urlauber seit über hundert Jahren in ihren Bann zieht. Im nördlichen Teil dieser Region reihen sich die berühmten Ostseebäder wie strahlende Perlen an einer kilometerlangen, feinsandigen Bucht aneinander. Hier flanierst du vorbei an schneeweißen Villen, dinierst auf Seebrücken und lässt dich vom nostalgischen Pfeifen der Dampflok in eine andere Epoche versetzen.

Doch fährst du nur wenige Kilometer weiter nach Süden, überschreitest du eine unsichtbare historische Grenze und stehst plötzlich in einer archaischen, hügeligen Landschaft, die von tiefen Bodden, weidenden Schafen und reetgedeckten Fischerkaten geprägt ist: Das Mönchgut. Wer Südost-Rügen verstehen will, muss beide Gesichter dieser Region kennenlernen. Begleite uns auf einer tiefgründigen Reise von der längsten Strandpromenade bis zu den „Rügenschen Alpen“.

Ostseebad Binz: Die strahlende Königin der Bäderarchitektur

Das Ostseebad Binz ist der unangefochtene Platzhirsch der Insel. Mit über drei Kilometern feinster Sandstrand und einer makellosen Promenade ist Binz das Synonym für die rügensche Bäderarchitektur. Die filigranen Holzbalkone, die kleinen Erker und die leuchtend weißen Fassaden der Villen stammen größtenteils aus der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende. Das Herzstück des Ortes ist das imposante Kurhaus direkt an der 370 Meter langen Seebrücke.

Der Schmachter See: Das Geheimnis des Sonnenuntergangs

Da die gesamte Ostküste Rügens nach Osten ausgerichtet ist, geht die Sonne hier morgens spektakulär über dem Meer auf, verschwindet abends aber im Landesinneren. Unser Insider-Tipp für Romantiker: Wenn du in Binz den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein genießen möchtest, verlasse die Strandpromenade und spaziere durch die Hauptstraße in Richtung Westen. Dort liegt der Schmachter See. Die neu gestaltete Uferpromenade (der „Park der Sinne“) ist der einzige Ort in Binz, an dem du die Sonne abends feuerrot über dem Wasser untergehen sehen kannst – ein absolutes Highlight, das viele Tagesgäste komplett übersehen!

Prora: Vom braunen Koloss zum modernen Resort

Direkt nördlich an Binz grenzt ein Bauwerk, das dich unweigerlich erschlagen wird: Prora. Die von den Nationalsozialisten geplante Anlage der Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) erstreckte sich ursprünglich über unfassbare 4,5 Kilometer direkt am Strand. Heute ist Prora ein Ort des enormen Wandels. Die einst grauen Blöcke wurden in den letzten Jahren aufwendig saniert und in luxuriöse Eigentumswohnungen, Hotels und Cafés verwandelt. Kultur- und Natur-Tipp: Besuche unbedingt das Dokumentationszentrum Prora, um die beklemmende Geschichte dieses Ortes zu verstehen. Direkt um die Ecke wartet zudem das Naturerbe Zentrum Rügen mit seinem barrierefreien Baumwipfelpfad. Der 40 Meter hohe Aussichtsturm „Adlerhorst“ schraubt sich um eine mächtige Buche in die Höhe und bietet dir einen Panoramablick über die gesamte Insel.

Das Jagdschloss Granitz: Schwindelerregende Aussichten

Zwischen Binz und Sellin erhebt sich ein dicht bewaldeter Höhenzug: Die Granitz. Mitten in diesem herrlichen Buchenwald thront das Jagdschloss Granitz auf dem 107 Meter hohen Tempelberg. Erbaut wurde es Mitte des 19. Jahrhunderts für den Fürsten Wilhelm Malte I. zu Putbus.

Die Herausforderung für Kenner: Das absolute Highlight des Schlosses ist der 38 Meter hohe Mittelturm, der nachträglich nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel entworfen wurde. Um auf die Aussichtsplattform zu gelangen, musst du eine freitragende, gusseiserne Wendeltreppe mit exakt 154 Stufen erklimmen! Da die Treppe durchbrochen ist und du jederzeit in die Tiefe schauen kannst, ist dieser Aufstieg für Menschen mit Höhenangst eine echte Nervenprobe. Praktischer Hinweis zur Anreise: Das Schloss ist autofrei! Du erreichst es entweder durch eine herrliche, etwa 45-minütige Wanderung ab Binz, oder du nimmst ganz bequem den „Jagdschlossexpress“ (eine kleine Wegebahn), der in Binz am Pier abfährt.

Ostseebad Sellin: Die Königin der Seebrücken

Folgen wir der Küste weiter nach Süden, erreichen wir das Ostseebad Sellin. Wenn du die prachtvolle Wilhelmstraße mit ihren alten Linden hinabschlenderst, öffnet sich am Ende der Straße plötzlich der Horizont, und du stehst an der 30 Meter hohen Steilküste. Unter dir liegt sie: Die Selliner Seebrücke. Mit ihrem wunderschönen, weißen Brückenhaus im Stil der Bäderarchitektur ist sie das wohl meistfotografierte Bauwerk Rügens.

Die Himmelsleiter, die Tauchgondel und versteckte Kosten

Die Brücke hat eine tragische Geschichte. Sie wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach durch Packeis und Stürme komplett zerstört und erst 1998 in ihrer historischen Form von 1927 originalgetreu wiederaufgebaut. Um hinab zum Strand und zur Brücke zu gelangen, musst du die „Himmelsleiter“ bezwingen – eine steile Holztreppe mit knapp 90 Stufen. Unser Insider-Wissen: Lass dich nicht abschrecken! Für Menschen mit Gehbehinderung, Kinderwagen oder einfach schweren Beinen gibt es direkt daneben einen kostenlosen Schrägaufzug. Am Ende der knapp 400 Meter langen Seebrücke wartet zudem Europas größte Tauchgondel. Sie gleitet an einem Stahlpfeiler etwa vier Meter tief in die Ostsee. Hinweis: Erwarte hier keine bunten Korallenriffe! Die Ostsee ist sehr nährstoffreich und oft trüb. Du siehst Quallen, Schollen und kleine Krebse. Die begleitende 3D-Kinofilm-Vorführung unter Wasser macht den stolzen Eintrittspreis (ca. 9 Euro für Erwachsene) aber besonders für Kinder zu einem tollen Erlebnis bei Schietwetter.

Wandern am Limit: Der Hochuferweg

Für Aktivurlauber ist der Hochuferweg zwischen Sellin und Binz durch die Granitz eine absolute Pflichtroute. Der Weg führt direkt an der ungesicherten Abbruchkante der bewaldeten Steilküste entlang. Sicherheitshinweis: Trage hier unbedingt knöchelhohes, festes Schuhwerk und verlasse niemals die markierten Pfade! Die Küste bricht hier regelmäßig ab, besonders nach Starkregenereignissen. Der atemberaubende Ausblick auf das smaragdgrüne Meer entschädigt jedoch für jede Schweißperle.

Baabe und Göhren: Zwischen Boulevard und Nordperd

Nur einen Steinwurf von Sellin entfernt beginnt das Ostseebad Baabe. Baabe ist das Tor zum Mönchgut und gilt als das familienfreundlichste Seebad der Insel. Es besticht durch eine herrlich breite, gepflasterte Flaniermeile (die Strandstraße), die direkt im Kiefernwald und schließlich am flachen, extrem breiten Sandstrand endet.

Direkt hinter Baabe erhebt sich das Ostseebad Göhren auf einer Halbinsel. Göhren hat ein geografisches Alleinstellungsmerkmal: Es besitzt zwei völlig unterschiedliche Strände! Der belebte Nordstrand mit Seebrücke und Kurpavillon steht im extremen Kontrast zum wildromantischen, steinigen Südstrand, an dem du absolute Ruhe findest. Getrennt werden diese Strände durch das Nordperd, eine steil aufragende, bewaldete Landspitze, die gleichzeitig den östlichsten Punkt Rügens markiert.

Der Rasende Roland: Nostalgie auf schmaler Spur

Göhren ist gleichzeitig die Endstation einer echten Rügen-Legende: Dem Rasenden Roland. Diese historische Schmalspurbahn (750 Millimeter Spurweite) dampft bereits seit 1895 über die Insel und verbindet Putbus, Binz, Sellin, Baabe und Göhren. Mit gemütlichen 30 km/h rattert der von einer echten Dampflok gezogene Zug durch die Wälder. Praxis-Tipp für Radfahrer: Der Roland hat spezielle Packwagen für Fahrräder! Es ist eine fantastische Idee, mit dem Fahrrad von Binz nach Göhren zu radeln und den Rückweg bequem und nostalgisch im Waggon der Dampflok anzutreten. Der Geruch nach Kohle und Dampf ist ein unvergessliches Urlaubserlebnis.

Die Halbinsel Mönchgut: Rügens uriger, wildromantischer Zipfel

Südlich von Baabe überschreitest du den sogenannten Mönchgraben. Dieser historische Wassergraben markiert die alte Grenze. Ab hier betrittst du die Halbinsel Mönchgut. Im Mittelalter (1252) wurde dieses Landstück von rügenschen Fürsten an die Zisterziensermönche des Klosters Eldena (bei Greifswald) verkauft – daher der Name. Die Mönche trennten das Gebiet durch den besagten Graben vom Rest der Insel ab. Heute ist die gesamte Halbinsel ein streng geschütztes Biosphärenreservat.

Die Zicker Berge: Wandern in den „Rügenschen Alpen“

Das landschaftliche Herzstück des Mönchguts sind die Zicker Berge (auch Bakenberg genannt) nahe dem malerischen Dorf Groß Zicker. Diese sanft geschwungenen, bis zu 66 Meter hohen Hügel sind für norddeutsche Verhältnisse ein echtes Gebirge! Die Hügel sind komplett baumfrei und mit seltenem Magerrasen bedeckt. Unser absoluter Lieblingsausflug: Eine Wanderung über die Zicker Berge gehört zum Besten, was Rügen zu bieten hat. Von den Kuppen aus blickst du auf der einen Seite auf die Weite der Ostsee, auf der anderen Seite tief in den Greifswalder Bodden und auf das Zickersche Höft. Die Landschaft wird hier traditionell von riesigen, weißen Schafherden kurzgehalten. Tipp: Parke dein Auto auf dem Großparkplatz in Gager oder am Ortseingang von Groß Zicker (kostenpflichtig). Nimm ausreichend Wasser mit, denn auf den Hügeln gibt es absolut keinen Schatten, und checke dich nach der Wanderung unbedingt auf Zecken ab!

Pfarrwitwenhaus und Surf-Mekka Thiessow

Wenn du schon in Groß Zicker bist, besuche das Pfarrwitwenhaus. Dieses krumme, windschiefe Reetdachhaus wurde 1712 erbaut und gilt als eines der ältesten erhaltenen Wohnhäuser der Insel. Es sieht aus, als wäre es direkt einem Märchenbuch entsprungen.

Ganz im Süden des Mönchguts, wo sich die Halbinsel noch einmal wie ein Anker in Klein Zicker und das Ostseebad Thiessow aufteilt, treffen sich Wassersportler und Feinschmecker. Thiessow ist ein absolutes Surfer-Paradies, da hier die Winde aus fast allen Richtungen optimal eingefangen werden. Der Pflicht-Termin für Souvenirjäger: Von Mai bis Oktober findet direkt am Thiessower Hafen immer dienstags und donnerstags der berühmte Rügen-Markt statt. Hier bieten regionale Kunsthandwerker, Töpfer und Landwirte ihre Waren an. Es ist der schönste und authentischste Markt der Insel! Achtung: Das Verkehrschaos rund um Thiessow ist an diesen Tagen legendär. Komme entweder direkt morgens um 9:00 Uhr zur Eröffnung oder fahre völlig stressfrei mit dem Linienbus.

Praktische Insider-Tipps für Südost-Rügen

  • Kostenfalle Kurabgabe: Südost-Rügen ist fast lückenlos kurabgabepflichtig. Egal ob du in Binz flanierst oder auf dem Mönchgut wanderst – du musst eine Kurkarte lösen (oft an Automaten direkt am Strandaufgang). Der geniale Gegenwert: Bewahre die Kurkarte gut auf! In vielen Gemeinden (wie Sellin, Baabe, Göhren und Mönchgut) gilt die Kurkarte mittlerweile als kostenloses Ticket für die Linienbusse der VVR. So kannst du dein Auto im Urlaub komplett stehen lassen und sparst dir extreme Parkgebühren.
  • Das richtige Timing: Die Bäderküste platzt im Juli und August aus allen Nähten. Wer das authentische Rügen erleben möchte, reist im Mai, wenn der Raps auf dem Mönchgut blüht, oder im September/Oktober. Im Spätsommer ist die Ostsee durchgewärmt, die Luft ist glasklar, und du hast die endlosen Naturstrände bei Lobbe (zwischen Baabe und Thiessow) fast für dich allein.
  • Verkehrs-Nadelöhr B196: Die Bundesstraße 196 ist die einzige Lebensader, die alle diese Orte verbindet. An typischen An- und Abreisetagen (Samstag) staut sich der Verkehr hier kilometerweit. Plane Ausflüge an diesen Tagen antizyklisch oder nutze direkt das hervorragend ausgebaute Radwegenetz, das die Seebäder abseits der Straßen durch herrliche Wälder und entlang der Promenade verbindet.

Egal ob du den Luxus und die Historie der weißen Villen suchst, im Rhythmus einer alten Dampflok reisen möchtest oder die archaische Stille der weidenden Schafe auf dem Mönchgut bevorzugst – Südost-Rügen bietet dir auf wenigen Quadratkilometern die komplette, faszinierende Bandbreite der Insel. Zieh die Schuhe aus, spüre den feinen Sand zwischen den Zehen und lass dich vom Rhythmus der Ostsee treiben!

Südost-Rügen Insider-FAQ: Was du vor deinem Besuch wissen musst

Biosphärenreservat Südost-Rügen: Was macht diese Region so besonders?

Das Biosphärenreservat Südost-Rügen ist kein klassischer Nationalpark, sondern eine UNESCO-geschützte Modellregion. Auf über 22.000 Hektar wird hier das Ziel verfolgt, eine jahrhundertealte Kulturlandschaft im Einklang mit der Natur zu bewahren. Das Besondere für dich als Besucher ist die extreme Vielfalt auf engstem Raum: Du findest hier die schroffe Steilküste der Granitz, die sanften Hügel des Mönchguts, ausgedehnte Buchenwälder und wertvolle Moore.

Ein wichtiger Hinweis für Naturfreunde: Im Biosphärenreservat gelten strenge Regeln, um seltene Arten wie den Seeadler oder die Kegelrobbe zu schützen. Das bedeutet vor allem, dass die Wege in den Kernzonen niemals verlassen werden dürfen. Insider schätzen besonders die Zicker Berge auf dem Mönchgut, die mit ihrer kargen, fast mediterranen Flora einen faszinierenden Kontrast zu den feuchten Niederungen am Bodden bieten. Wer hier wandert, sollte immer ein Fernglas dabeihaben – die Vogelbeobachtungsmöglichkeiten in den Lagunenbereichen sind herausragend.

Rasender Roland: Wie nutze ich die historische Schmalspurbahn richtig?

Der „Rasende Roland“ ist weit mehr als eine Touristenattraktion – er ist seit 1895 ein fester Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs auf Rügen. Die dampfbetriebene Schmalspurbahn verbindet die Orte Putbus, Binz, Sellin, Baabe und Göhren miteinander. Für dich ist der Roland das ideale Verkehrsmittel, um das Auto stehen zu lassen und die Landschaft ganz entspannt bei maximal 30 km/h an dir vorbeiziehen zu lassen.

Ein wichtiger Logistik-Tipp: Die Fahrpreise des Roland sind nicht im regulären VVR-Busticket enthalten, es sei denn, du nutzt spezielle Kombitickets. Wenn du dein Fahrrad mitnehmen möchtest, ist dies in den Packwagen meist problemlos möglich, kostet aber einen Aufpreis. In der Hochsaison sind die Züge oft sehr voll. Mein Rat: Nutze die frühen Morgenstunden oder die späten Abendfahrten, wenn die Tagestouristen bereits in den Restaurants sitzen. Dann genießt du die Fahrt im offenen Aussichtswagen bei Sonnenuntergang fast für dich allein. Beachte auch, dass die Züge dampfbetrieben sind – trage lieber keine schneeweiße Kleidung, wenn du direkt hinter der Lok in einem offenen Wagen sitzt, da feiner Rußflug zum Erlebnis dazugehört.

Jagdschloss Granitz: Wie komme ich hin und was erwartet mich auf dem Turm?

Das Jagdschloss Granitz thront auf dem 107 Meter hohen Tempelberg inmitten eines massiven Buchenwaldgebiets. Es ist eines der am meisten besuchten Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern. Die Anreise erfordert Planung: Die direkte Zufahrt mit dem Auto ist untersagt. Du kannst entweder von Binz oder Sellin aus durch den Wald wandern (ca. 45 bis 60 Minuten), den Jagdschloss-Express (eine Wegebahn) nutzen oder mit dem Rasenden Roland bis zur Haltestelle „Jagdschloss“ fahren und den Restweg zu Fuß bewältigen.

Das absolute Highlight im Inneren ist der von Schinkel entworfene Mittelturm. Eine gusseiserne Wendeltreppe schraubt sich im Inneren des Turms an den Wänden empor. Achtung: Die Stufen sind durchbrochen und man kann direkt in die Tiefe sehen – wer nicht absolut schwindelfrei ist, sollte den Aufstieg meiden! Oben angekommen, wirst du jedoch mit einem Panoramablick belohnt, der bei klarer Sicht bis nach Usedom und zum Festland reicht. Das Schloss selbst beherbergt wechselnde Ausstellungen zur Jagdgeschichte und eine beeindruckende Sammlung historischer Geweihe. Die Eintrittspreise liegen 2026 bei ca. 6 bis 8 Euro pro Erwachsenem.

Parken & Nahverkehr: Wie spare ich Zeit und Nerven in den Seebädern?

Das Parken in den Zentren von Binz und Sellin ist besonders in der Hauptsaison eine Geduldsprobe und zudem kostspielig. Ein Tagesausflug kann hier allein an Parkgebühren schnell 15 bis 20 Euro kosten. Nutze stattdessen die großen Auffangparkplätze an den Ortseingängen (z.B. Parkplatz „Zentrum/Klosterstraße“ in Binz). Von dort aus bringen dich Ortsbusse oft kostenfrei ins Zentrum, sofern du eine gültige Kurkarte besitzt.

Die Kurkarte (die sogenannte „Binzer Bucht Card“ oder die Karten der Nachbarbäder) ist dein wichtigstes Dokument in Südost-Rügen. Sie ermöglicht dir in vielen Fällen die kostenfreie Nutzung der Busse des VVR innerhalb der Region und der Bäderbahnen. Ein oft übersehener Insider-Tipp: Zwischen den Orten Sellin, Baabe und Göhren pendelt ein Ortsbus, der dich schnell von einem Strand zum nächsten bringt, ohne dass du dein Auto bewegen musst. Prüfe vor Abfahrt unbedingt die aktuellen Fahrpläne, da die Taktung in der Nebensaison deutlich reduziert wird.

Barrierefreiheit in Südost-Rügen: Wo finde ich stufenlose Erlebnisse?

Südost-Rügen hat in den letzten Jahren viel in Inklusion investiert. Die Strandpromenaden in Binz, Baabe und Göhren sind fast durchgehend eben und bieten zahlreiche barrierefreie Zugänge zum Strand. In Binz gibt es zudem spezielle Strandabschnitte mit festen Matten, die das Befahren mit Rollstühlen bis nah ans Wasser ermöglichen. Auch die Seebrücke in Binz ist komplett stufenlos zugänglich.

Schwieriger wird es in der Granitz oder im historischen Kern von Sellin. Die Wilhelmstraße in Sellin führt steil hinab zur Seebrücke – für Rollstuhlfahrer ist der Rückweg bergauf eine große Herausforderung. Hier hilft der „Fahrstuhl“, der direkt vom Hochufer hinunter zur Seebrücke führt (kostenpflichtig, oft in der Kurkarte enthalten). Auch beim Jagdschloss Granitz ist Vorsicht geboten: Während der Schlosshof und das Erdgeschoss zugänglich sind, bleibt der berühmte Aussichtsturm aufgrund der engen Wendeltreppe für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen leider unerreichbar. Wer Natur barrierefrei erleben möchte, sollte den Park von Putbus wählen, der mit seinen befestigten und flachen Wegen ideal geeignet ist.

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