Unser Rügen-Spezial:

Diese mythischen Wesen sind tief in der Seele der Insel verankert.

Geschichten & Sagen von Rügen

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Nebelschwaden und Legenden: Die mystische Seite der Insel Rügen

Wenn im Herbst der dichte Seenebel über die schroffen Kreideklippen zieht oder der Wind nachts lautstark durch die uralten Buchenwälder der Granitz heult, zeigt Rügen ein Gesicht, das weit entfernt ist von sonnigen Strandtagen. In genau solchen Momenten spürst du, warum unsere Insel seit Jahrhunderten ein unfassbar fruchtbarer Boden für Mythen, Märchen und Legenden ist. Als dein Reisebegleiter möchte ich dich heute fernab der klassischen Touristenpfade auf eine literarische und sagenhafte Entdeckungsreise mitnehmen. Wir tauchen tief ein in die Überlieferungen der Region, blättern gedanklich in Klassikern wie den „Sagen von der Insel Rügen“ und entdecken die Schauplätze einer Welt, in der Riesen das Land formten und kleine, unsichtbare Wesen die Geschicke der Menschen lenkten.

Großsteingräber und mystische Plätze – Kartenübersicht

Hünengrab / Großsteingrab Mystischer Ort Burgwall / Kultstätte

Die Unterirdischen: Rügens heimliche Herrscher der Hünengräber

Wenn du in der historischen Literatur über Rügen liest, stößt du unweigerlich auf sie: die „Unterirdischen“. Diese mythischen Wesen, oft auch als Zwerge oder Trolle beschrieben, sind tief in der Seele der Insel verankert. Die Sagenforscher, allen voran Alfred Haas, der viele dieser Geschichten im Klassiker „Sagen von der Insel Rügen“ zusammentrug, unterteilten dieses rätselhafte Volk in drei Gruppen: die Weißen, die Roten und die Schwarzen. Die Weißen galten als die freundlichsten, während man sich vor den Schwarzen, die tief im Erdinneren das Metall schmiedeten, besser in Acht nehmen sollte.

Wo du die Sagen heute noch spürst: Die Unterirdischen leben der Legende nach in den großen Megalithanlagen, den sogenannten Hünengräbern, die auf der ganzen Insel verstreut sind. Ein besonders magischer Ort, um dieser Literatur nachzuspüren, ist die Großsteingrabanlage bei Lancken-Granitz, unweit vom Ostseebad Sellin. Wenn du hier in der Dämmerung zwischen den gewaltigen, moosbedeckten Findlingen stehst, fällt es nicht schwer zu glauben, dass sich unter der Erde goldene Säle verbergen, in denen die Zwerge ihre rauschenden Feste feiern. Der Legende nach kannst du die Wesen übrigens nur sehen, wenn du zufällig eine ihrer verlorenen Nebelkappen findest und sie dir selbst auf den Kopf setzt.

Zwei Riesen im Sund: Wie unsere Landschaft geformt wurde

Die Geologie erklärt die Entstehung Rügens und der Ostseeküste durch die letzte Eiszeit. Doch die alten Insulaner hatten dafür eine wesentlich spannendere Erklärung, die bis heute in dem wunderbaren Werk „Zwei Riesen im Sund: Sagen von der Insel Rügen“ (oft in wunderschön illustrierten regionalen Ausgaben zu finden) weiterlebt. Die Legende besagt, dass sich einst ein gigantischer Riese auf Rügen und ein ebenso mächtiger Riese auf dem pommerschen Festland bei Stralsund ein erbittertes Duell lieferten.

Im Zorn rissen die Giganten gewaltige Felsbrocken und riesige Erdklumpen aus dem Boden und schleuderten sie sich gegenseitig über das Wasser entgegen. Die Brocken, die ihr Ziel verfehlten und krachend ins Wasser fielen, bildeten die Untiefen, die kleinen Inseln im Greifswalder Bodden und formten schließlich den verwinkelten Strelasund, den du heute überquerst, wenn du von Altefähr auf das Festland blickst. Die gewaltigen Löcher, die sie beim Ausreißen der Erde hinterließen, liefen mit Wasser voll und wurden zu den heutigen Binnenseen der Region.

Auf literarischen Spuren wandeln: Die Göttin Hertha

Ein weiteres monumentales Kapitel der regionalen Literatur führt uns in den Norden, tief in den Nationalpark Jasmund. Rund um den Herthasee, ganz in der Nähe von Sassnitz, rankt sich die düstere Legende der germanischen Erdgöttin Hertha (oder Nerthus). Die alten Sagen, die sogar bis auf den römischen Historiker Tacitus zurückgehen sollen, berichten von einem geheimen Ritual. Einmal im Jahr fuhr die Göttin auf einem von Kühen gezogenen, verhüllten Wagen durch das Land, um Frieden zu bringen. Nach ihrer Rückkehr wurden der Wagen und die Sklaven, die ihn begleiteten, im geheimnisvollen, pechschwarzen Wasser des Herthasees versenkt, damit niemand das Antlitz der Göttin jemals beschreiben konnte. Noch heute strahlt der Burgwall am Herthasee eine spürbar ehrfürchtige und unheimliche Stille aus, die jeden Literatur- und Naturfreund in ihren Bann zieht.

Rügen ist ein gewaltiges, offenes Sagenbuch. Wer die landschaftlichen Schönheiten nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Wissen um diese alten Geschichten betrachtet, reist völlig neu. Wenn du das nächste Mal einen Hühnergott am Strand findest oder der Nebel über das Wasser zieht, weißt du: Vielleicht haben die Unterirdischen gerade wieder ihre Finger im Spiel.

Bevor du dich nun selbst auf die Suche nach den verborgenen Schätzen und mystischen Orten der Insel machst, habe ich dir in unserem Insider-FAQ die wichtigsten praktischen Fragen zu den Sagen-Schauplätzen kompakt zusammengefasst.

Sagenhaftes Rügen Insider-FAQ: Was du vor deinem Ausflug wissen musst

Wo genau finde ich die besterhaltenen Hünengräber der Insel?

Die beeindruckendste und dichteste Ansammlung dieser mystischen Großsteingräber findest du im Südosten der Insel, in der Gemeinde Lancken-Granitz (zwischen dem Ostseebad Binz und Sellin). Hier liegen gleich mehrere, teils über 5.000 Jahre alte Grabanlagen dicht beieinander in einem kleinen Waldstück verborgen. Ein weiterer, absolut beeindruckender Ort ist das riesige Großsteingrab Nobbin im äußersten Norden auf der Halbinsel Wittow, direkt an der Steilküste gelegen. Der Wind, das Rauschen der Ostsee und die gewaltigen Steine bieten hier eine Kulisse, die wie direkt aus einem alten Sagenbuch entsprungen wirkt.

Sind die Bücher wie „Zwei Riesen im Sund“ für Kinder geeignet?

Absolut! Während einige der alten, unredigierten Überlieferungen in den klassischen „Sagen von der Insel Rügen“ (beispielsweise von Alfred Haas) oft eine recht derbe oder unheimliche Sprache verwenden, sind spezifische Ausgaben wie „Zwei Riesen im Sund“ fantastisch für Familien aufbereitet. Diese Bücher sind in der Regel wunderschön illustriert und erzählen die Geschichten der Riesen und Zwerge auf eine kindgerechte, humorvolle Art. Sie eignen sich hervorragend als Gutenachtgeschichte in der Ferienwohnung oder als spannende Lektüre direkt am Strand. Du findest diese regionalen Ausgaben in fast jeder gut sortierten Insel-Buchhandlung.

Wie erreiche ich den mystischen Herthasee im Nationalpark?

Der Herthasee mit seiner sagenumwobenen Herthaburg (einem alten slawischen Ringwall) liegt tief im Nationalpark Jasmund. Die Anreise mit dem eigenen Auto direkt bis an den See ist streng verboten, da es sich um eine hochsensible Naturschutzzone handelt. Am besten startest du deine Wanderung am großen Auffangparkplatz in Hagen. Von dort führt ein wunderbarer Waldweg über knapp drei Kilometer bis in die Nähe des Königsstuhls. Kurz vor dem Nationalpark-Zentrum zweigt ein beschilderter Pfad zum Herthasee ab. Beachte jedoch, dass der Weg um den See herum oft schlammig und extrem stark von den Wurzeln der uralten Buchen durchzogen ist – festes Schuhwerk ist hier eine absolute Grundvoraussetzung, wenn du der Göttin Hertha auf die Spur kommen möchtest!

Gibt es geführte Sagen-Wanderungen auf Rügen?

Ja, besonders in den Sommermonaten und im atmosphärischen Herbst bieten lokale Naturführer und Ranger spezielle Erlebniswanderungen an. Sehr empfehlenswert sind die Führungen der Nationalparkverwaltung Jasmund, die oft gezielt auf die slawischen Wurzeln und Sagen der Kreideküste eingehen. Auch in der Granitz finden regelmäßig Fackelwanderungen statt, bei denen Ranger die alten Geschichten von Schmugglern, Strandräubern und natürlich den Unterirdischen im flackernden Licht direkt an den Originalschauplätzen zum Leben erwecken. Die tagesaktuellen Termine entnimmst du am besten dem lokalen Aushang in der Kurverwaltung deines Urlaubsortes.

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