Unser Rügen-Spezial:

Die Orangerie in der Stadt Putbus, direkt am Park, lädt zum entspannen ein.

Putbus

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Putbus – Die Weiße Stadt und die historische Residenz des rügenschen Adels

Die Stadt Putbus ist die planmäßig angelegte, ehemalige Residenzstadt der Fürsten zu Putbus im südlichen Binnenland der Insel Rügen. Die sogenannte „Weiße Stadt“ vereint ein in sich geschlossenes, streng klassizistisches Architektur-Ensemble mit einem weitläufigen englischen Landschaftspark und ermöglicht kulturinteressierten Urlaubern tiefe Einblicke in die feudale Geschichte Rügens sowie die Ursprünge der rügenschen Badekultur im dazugehörigen Küstenort Lauterbach.

Geografisch und konzeptionell unterscheidet sich Putbus elementar von allen anderen Städten und Dörfern der Insel. Während Orte wie Garz oder Bergen über Jahrhunderte organisch und oft verwinkelt aus slawischen Siedlungen herauswuchsen, ist Putbus eine Reißbrettstadt. Sie wurde nicht der Natur abgerungen, sondern als architektonisches Gesamtkunstwerk völlig neu in die Landschaft gesetzt. Wer sich der Stadt nähert, spürt sofort die geometrische Strenge und die repräsentative Wucht der Straßenzüge, die alle auf das Zentrum der herrschaftlichen Macht ausgerichtet sind.

Die Stadt liegt nur wenige Kilometer landeinwärts vom Greifswalder Bodden entfernt, exakt an der Schnittstelle zwischen dem flachen Südost-Rügen und dem landwirtschaftlich geprägten Muttland. Diese Lage war kein Zufall, sondern strategisch klug gewählt. Sie bot Schutz vor direkten Küstenstürmen, ermöglichte die Anlage eines riesigen Schlossparks und ließ genügend Raum, um im wenige Kilometer entfernten Lauterbach einen eigenen Hafen und das erste Seebad der Insel zu etablieren. Putbus ist heute kein klassischer Ort für Strandurlauber, sondern das unangefochtene intellektuelle, historische und architektonische Epizentrum Rügens.

Putbus – Kartenübersicht

Kartendaten © OpenStreetMap

Die Vision des Fürsten: Wilhelm Malte I. und der Klassizismus

Die Geschichte der heutigen Stadt Putbus beginnt exakt im Jahr 1810. In diesem Jahr beschloss Fürst Wilhelm Malte I., der weitsichtigste und einflussreichste Herrscher der rügenschen Geschichte, seinen Stammsitz zu einer modernen Residenzstadt auszubauen. Er wollte ein "nordisches Italien" erschaffen.

Strenge Bauvorschriften: Malte I. überließ bei der Planung nichts dem Zufall. Er engagierte renommierte Baumeister wie Johann Gottfried Steinmeyer (der später auch das Jagdschloss Granitz entwarf) und orientierte sich stark an den Ideen des preußischen Star-Architekten Karl Friedrich Schinkel. Um das einheitliche, herrschaftliche Stadtbild zu garantieren, erließ der Fürst beispiellose Bauordnungen. Wer in Putbus bauen wollte, musste sich strengen Vorgaben unterwerfen: Alle Wohnhäuser mussten im klassizistischen Stil errichtet werden, zweigeschossig sein und über eine absolut weiße Fassade verfügen. Um diese kühle Architektur aufzubrechen, ordnete Malte zudem an, dass vor jedem Haus hochstämmige Rosenstöcke zu pflanzen seien. Diese Verordnung prägt die Stadt bis heute und brachte Putbus neben "Weiße Stadt" auch den Beinamen "Rosenstadt" ein. Ein Spaziergang entlang der Alleestraße gleicht heute einem Freilichtmuseum des norddeutschen Klassizismus.

Der Circus: Ein geometrisches Meisterwerk

Das beeindruckendste städtebauliche Element der Residenzstadt ist der "Circus". Er markiert den städtischen Mittelpunkt und gilt als einer der vollkommensten klassizistischen Platzanlagen in Europa.

Architektonische Symbolik

Der Circus wurde ab 1828 als gigantischer Rondellplatz angelegt, an dem alle wichtigen Straßen sternförmig zusammenlaufen. Er wurde von streng symmetrischen, repräsentativen Gebäuden gesäumt, darunter das königliche Pädagogium und herrschaftliche Wohnhäuser für die Hofbeamten. Im Zentrum des Platzes, genau auf der Sichtachse zum Schloss gelegen, wurde 1845 ein fast 20 Meter hoher, schlanker Obelisk errichtet, der die absolute Macht des Fürsten symbolisierte. Das geometrische Konzept des Platzes zwang jeden Ankömmling förmlich dazu, sich dem herrschaftlichen Zentrum respektvoll zu nähern.

Das historische Residenztheater

Direkt am Rande des Circus befindet sich das Theater Putbus. Es wurde 1819 bis 1821 als fürstliches Hoftheater erbaut. In den Sommermonaten ließ Malte I. renommierte Schauspielensembles aus Berlin und anderen Metropolen anreisen, um seinen adeligen und wohlhabenden Kurgästen großstädtische Unterhaltung zu bieten. Das Gebäude wurde in den 1990er Jahren nach historischen Plänen aufwendig kernsaniert und ist heute das einzige durchgehend bespielte historische Theater der Insel. Ein Blick in den prunkvollen Zuschauersaal offenbart die akustische und optische Perfektion der damaligen Baukunst.

Das Trauma der Residenz: Das verlorene Schloss

Die größte architektonische Wunde von Putbus befindet sich nicht in der Stadt selbst, sondern inmitten des ausgedehnten Schlossparks. Wo heute nur noch die nackten Umrisse der Grundmauern auf einer weiten Rasenfläche sichtbar sind, stand einst das Schloss Putbus.

Das Schloss war ein gigantischer, vielfach umgebauter Palast, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter reichten und der von Malte I. zu einem prachtvollen klassizistischen Herrensitz veredelt wurde. Es war das Herzstück des Fürstentums. Der historische Einschnitt: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie von Putbus enteignet. Das Gebäude diente zunächst als sowjetische Kommandantur, später als Notunterkunft. Obwohl es den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hatte, ließ die DDR-Führung das Schloss aus ideologischen Gründen sowie wegen angeblich zu hoher Sanierungskosten im Jahr 1962 systematisch sprengen und vollständig abtragen. Es war ein beispielloser Akt der Kulturzerstörung, der das architektonische Gleichgewicht von Putbus dauerhaft beschädigte.

Der Schlosspark: Botanik im englischen Stil

Trotz des Verlustes des Hauptgebäudes bleibt der 75 Hektar große Schlosspark eine der bedeutendsten historischen Parkanlagen Norddeutschlands und ein Paradies für ausgedehntes Wandern und botanische Studien.

Malte I. ließ die ursprüngliche barocke Geometrie des Parks ab 1804 in einen romantischen, englischen Landschaftsgarten umwandeln. Große Wiesenflächen (sogenannte "Sichtachsen"), geschwungene Wasserläufe, der künstlich angelegte Schwanenteich und Sichtverbindungen bis hinüber zum Greifswalder Bodden prägen das Areal. Ein besonderer Fokus lag auf der Dendrologie (Baumkunde). Malte ließ extrem seltene, exotische Gehölze aus aller Welt pflanzen, darunter riesige Mammutbäume, Ginkgos, Esskastanien und japanische Sicheltannen, von denen viele Exemplare heute imposante Größen erreicht haben. Zu den erhaltenen historischen Gebäuden im Park zählen die Orangerie (heute eine Kunstgalerie), der Marstall (in dem in der DDR-Zeit ein Theater untergebracht war) und die kunstvolle Schlosskirche.

Maritime Ursprünge: Lauterbach und das Badehaus Goor

Putbus ist historisch und administrativ untrennbar mit seinem nur zwei Kilometer entfernten Ortsteil Lauterbach verbunden, der direkt am Ufer des Greifswalder Boddens liegt.

Hier begründete Wilhelm Malte I. im Jahr 1816 das allererste Seebad der Insel Rügen (noch vor Sagard, Binz oder Sassnitz). Er erkannte das touristische Potenzial der Ostsee und ließ für seine gut betuchten Gäste im nahegelegenen Waldgebiet der Goor das monumentale "Badehaus Goor" errichten. Dieses langgestreckte, palastartige Gebäude mit seinen dorischen Säulen bot luxuriöse Warmwasser- und Wannenbäder an. Heute ist Lauterbach ein lebendiger maritimer Knotenpunkt mit einem großen Seglerhafen und Heimathafen der modernen Rügen-Fischerei.

Die verbotene Insel: Von Lauterbach aus blickt man direkt auf die kleine Insel Vilm. Sie ist eines der strengsten Naturschutzgebiete Deutschlands. Zu DDR-Zeiten war Vilm das abgeriegelte, exklusive Urlaubsdomizil des Ministerrates der DDR und für die normale Bevölkerung streng verboten. Auch heute dürfen die uralten, fast unberührten Eichen- und Buchenwälder der Insel aus ökologischen Gründen nur im Rahmen von exakt reglementierten, geführten Exkursionen betreten werden.

Eisenbahntechnik: Die Heimat des Rasenden Roland

Verkehrstechnisch ist Putbus ein absolutes Unikat in Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt ist das betriebliche Herz und der Startpunkt der historischen Schmalspurbahn Rasender Roland, die von hier aus unter Dampf in Richtung der Ostseebäder schnauft.

Das eisenbahntechnische Phänomen: Der Bahnhof Putbus ist nicht nur eine Umsteigestation, sondern beherbergt das Bahnbetriebswerk, in dem die historischen Lokomotiven gewartet werden. Die eigentliche ingenieurtechnische Sensation betrifft jedoch den Schienenabschnitt zwischen dem Bahnhof Putbus und dem Hafen in Lauterbach Mole. Da hier sowohl die Regelzüge der Deutschen Bahn (Normalspur: 1435 mm) als auch der Rasende Roland (Schmalspur: 750 mm) fahren, wurde die Strecke als sogenanntes "Dreischienengleis" konzipiert. Eine solche technische Lösung, bei der drei stählerne Schienenstränge asymmetrisch in einem Gleisbett verlegt sind, existiert in Deutschland nur an sehr wenigen, speziellen Verkehrsknotenpunkten. Für Technikbegeisterte ist die Beobachtung des Rangierbetriebs an diesem Gleis ein absolutes Highlight. Für Radfahrer ist der Bahnhof zudem ein exzellenter Startpunkt, um das gut ausgebaute, flache Netz der Region für Touren zum Radfahren zu nutzen.

Häufige Fragen zur Residenzstadt Putbus (FAQ)

Wo genau liegt die Stadt Putbus auf Rügen?

Putbus befindet sich im südlichen Binnenland der Insel Rügen, eingebettet zwischen der landwirtschaftlichen Region des Muttlandes und der Halbinsel Mönchgut. Die Stadt liegt etwa zwei Kilometer landeinwärts vom Greifswalder Bodden und ihrem eigenen Hafenort Lauterbach entfernt.

Warum wird Putbus die "Weiße Stadt" genannt?

Die Bezeichnung stammt von den strengen Bauverordnungen, die Fürst Wilhelm Malte I. bei der Gründung der Residenzstadt ab 1810 erließ. Alle Häuser im Zentrum mussten zwingend im klassizistischen Stil erbaut werden und eine strahlend weiße Fassade aufweisen.

Was passierte mit dem Schloss Putbus?

Das prächtige, klassizistische Schloss Putbus stand inmitten des heutigen Schlossparks. Es wurde nach der Enteignung der Fürstenfamilie zu DDR-Zeiten stark vernachlässigt und im Jahr 1962 auf Beschluss der Führungsschicht gesprengt und komplett abgetragen. Heute sind nur noch die Grundrisse im Rasen sichtbar.

Was ist das Besondere an den Gleisen in Putbus?

Auf der Eisenbahnstrecke zwischen dem Bahnhof Putbus und dem Hafen Lauterbach existiert ein sogenanntes Dreischienengleis. Diese technische Spezialanfertigung ermöglicht es, dass sowohl die großen Regionalzüge (Normalspur) als auch der historische "Rasende Roland" (Schmalspur) denselben Streckenabschnitt befahren können.

Darf man die Insel Vilm vor Lauterbach frei betreten?

Nein. Die Insel Vilm ist eines der ältesten und strengsten Naturschutzgebiete Deutschlands und Kernzone des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Ein privates Betreten ist verboten. Die Insel kann ausschließlich im Rahmen von offiziell geführten Exkursionen (Start ab Lauterbach) besucht werden.

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