Unser Rügen-Spezial:

Der kleine Hafen von Lohme mit dem "Café Niedlich".

Lohme

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Lohme – Das historische Fischerdorf an der Steilküste von Jasmund

Die Gemeinde Lohme ist ein terrassenförmig angelegtes Fischerdorf an der nördlichen Abbruchkante der Halbinsel Jasmund. Sie verbindet eine spektakuläre topografische Lage rund 50 Meter über dem Meeresspiegel mit dem direkten, nördlichen Zugang zum Nationalpark Jasmund und ermöglicht Naturfreunden sowie Wanderern ein extrem ruhiges, waldnahes Quartier abseits des Durchgangsverkehrs.

Wer die Landstraße von Glowe oder Sassnitz verlässt und sich durch die dichten Alleen in Richtung der nördlichen Küstenlinie begibt, erreicht mit Lohme das wohl maritimste und topografisch anspruchsvollste Dorf der Insel. Die Gemeinde liegt nicht bequem auf Meeresniveau an einem flachen Sandstrand, sondern klammert sich förmlich an die bewaldeten Hänge der fast senkrecht abfallenden Steilküste. Diese geografische Besonderheit prägt die gesamte Infrastruktur des Ortes: Die Straßen und Fußwege schlängeln sich in steilen Serpentinen und über massive Treppenanlagen den Hang hinab. Wer hier seinen Urlaub verbringt, benötigt eine gewisse Grundkondition, wird dafür aber mit einer Stille und einem unverbauten Meerblick belohnt, die auf Rügen ihresgleichen suchen.

Lohme ist ein Ort, an dem die Naturgewalten allgegenwärtig sind. An stürmischen Herbsttagen peitscht der Nordwind die Wellen der Ostsee ungedämpft an den steinigen Fuß der Klippen. Die Luft ist hier oben an der Steilküste extrem salz- und jodhaltig, was dem Dorf eine besondere lufthygienische Qualität verleiht. Durch seine Sackgassenlage gibt es in Lohme keinen nennenswerten Durchgangsverkehr. Das Dorf ist die absolute Endstation für Autofahrer und gleichzeitig der naturnahe Startpunkt für die berühmtesten Küstenwanderungen Deutschlands.

Lohme – Kartenübersicht

Kartendaten © OpenStreetMap

Die Wiege der rügenschen Badekultur

In der allgemeinen Wahrnehmung gelten Putbus und die großen Ostseebäder der Ostküste als die Pioniere des Rügen-Tourismus. Historisch betrachtet nimmt das winzige Lohme jedoch eine absolute Vorreiterrolle ein, die heute fast in Vergessenheit geraten ist.

Historische Faktenlage: Bereits im Jahr 1855, lange bevor in Binz oder Sellin die ersten großen Logierhäuser entstanden, eröffnete der damalige Pastor von Bobbin in Lohme die erste offizielle Badeanstalt der Insel Rügen. Die Gäste, zumeist gut betuchte Adlige und Künstler aus Berlin, wurden mit Pferdefuhrwerken mühsam an die Küste gebracht. Da es keinen feinen Sandstrand gab, wurden hölzerne Badekarren direkt in das steinige Uferwasser gerollt, um den Gästen ein sittliches Bad in der Ostsee zu ermöglichen. Die wilde Romantik der Küste sprach sich schnell herum. Im Sommer 1895 weilte der berühmte Schriftsteller Theodor Fontane in Lohme und sammelte hier die Inspirationen und landschaftlichen Eindrücke für seinen späteren Weltbestseller "Effi Briest". Viele der historischen, teils reetgedeckten Häuser im alten Ortskern stammen noch aus dieser frühen Blütezeit des Bäderwesens.

Geologie und Tragödie: Der Schwanenstein

Das unangefochtene Wahrzeichen der Gemeinde liegt nicht auf der Klippe, sondern direkt im Flachwasser vor der Küste: Der Schwanenstein. Er ist nicht einfach nur ein großer Stein, sondern ein geologisches Monument und der Schauplatz eines dramatischen Kapitels der Inselgeschichte.

Ein eiszeitlicher Riese

Der Schwanenstein ist einer der größten Findlinge der deutschen Ostseeküste. Er besteht aus präkambrischem Hammergranit und weist ein gewaltiges Gewicht von 162 Tonnen bei einem Volumen von über 60 Kubikmetern auf. Geologen haben nachgewiesen, dass dieser Felsblock während der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit) von riesigen Gletschern aus der Region der dänischen Insel Bornholm abgerissen und bis an die Küste Jasmunds geschoben wurde. Der Name des Steins beruht auf einer alten rügenschen Legende, nach der die Babys auf der Insel nicht vom Storch, sondern im Sommer von Schwänen gebracht werden, die sie zuvor am Schwanenstein aus dem Meer fischen.

Die Sturmflut von 1956

Die Realität rund um den Stein ist jedoch weitaus düsterer als die Legende. Im extrem strengen Winter des Jahres 1956 ereignete sich in Lohme eine Tragödie. Drei kleine Jungen spielten auf dem zugefrorenen Uferwasser und kletterten auf den Schwanenstein. Völlig unerwartet drehte der Wind, das Eis brach auf, und eine schwere Sturmflut setzte ein. Die Kinder waren auf dem Findling gefangen. Die alarmierten Fischer aus Lohme versuchten in einer dramatischen Rettungsaktion stundenlang, mit Fischerbooten zu dem Stein zu gelangen, scheiterten jedoch an der enormen Kraft der Wellen und des treibenden Eises. Die drei Kinder erfroren und ertranken in der Nacht. Eine Gedenktafel an der Steilküste erinnert heute an dieses furchtbare Ereignis und mahnt vor der unberechenbaren Kraft der Ostsee.

Der Hafen: Ingenieurskunst am Rande der Klippe

Um die wirtschaftliche Grundlage der örtlichen Fischer zu sichern, musste an der extrem exponierten Nordküste Jasmunds ein Schutzhafen errichtet werden. Der Bau des Lohmer Hafens im Jahr 1906 war eine ingenieurtechnische Meisterleistung.

Da das Meer hier sofort tief abfällt und keine natürliche schützende Bucht existiert, mussten massive, weit in die Ostsee ragende Wellenbrecher aus großen Gesteinsblöcken aufgeschüttet werden. Der Hafen wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts durch schweren Eisgang und Stürme mehrfach fast vollständig zerstört und musste immer wieder neu befestigt werden. Heute ist die Marina von Lohme ein moderner Wasserwanderrastplatz mit über 50 Liegeplätzen, der bei Seglern im gesamten Ostseeraum geschätzt wird. Logistischer Aspekt: Um den Höhenunterschied vom Ortszentrum hinab zum Hafenbecken zu überwinden, wurde eine massive Holztreppe in den Steilhang gebaut. Wer im Hafenlokal einkehrt, muss anschließend etwa 70 Höhenmeter und über 200 Stufen zurück ins Dorf bewältigen.

Nautische Optik: Der Hafen von Lohme besitzt ein geografisches Privileg. Er ist der einzige Hafen auf der Halbinsel Jasmund, von dessen Molen aus man in den Sommermonaten die Sonne direkt über dem Meer (in Richtung Kap Arkona) untergehen sehen kann. An klaren Abenden bietet sich hier ein Lichtspektakel, das Fotografen gezielt anzieht.

Nationalpark Jasmund: Das Tor zu den Kreidefelsen

Für Aktivurlauber ist Lohme in erster Linie das logistische Tor zum Nationalpark Jasmund. Unmittelbar am südöstlichen Ortsausgang beginnt das UNESCO-Weltnaturerbe: Die "Alten Buchenwälder".

Der Parkplatz in Lohme ist der ideale Ausgangspunkt für das Wandern auf dem berühmten Hochuferweg. Dieser naturbelassene Pfad führt direkt an der Abbruchkante der Klippen entlang durch dichte, teils bizarre Buchenwälder in Richtung der berühmten Kreidefelsen (Königsstuhl) und weiter nach Sassnitz. Die Route von Lohme aus gilt unter Wanderern als die landschaftlich reizvollere und weniger überlaufene Strecke im Vergleich zum Startpunkt am Königsstuhl selbst. Unterwegs passiert man tiefe Erosionsschluchten und kleine Bachläufe, die über Jahrtausende tiefe Kerben (sogenannte "Kieler") in das weiche Kreidegestein geschnitten haben. Da die Küste stark abbricht, ist das strikte Einhalten der markierten Wege hier überlebenswichtig.

Infrastruktur und Alternativen an bewölkten Tagen

Die topografische Lage von Lohme macht den Ort für klassische Radtouren entlang der Küste extrem anspruchsvoll. Wer hier zum Radfahren aufbricht, sollte über eine sehr gute Kondition oder ein E-Bike verfügen, da die Straßen das steile Profil der Jasmunder Moränenlandschaft nachzeichnen. Eine sehr empfehlenswerte, ruhigere Tour führt in das südwestliche Hinterland in Richtung des Schlosses Spyker.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu Lohme (im Ortsteil Ranzow) befindet sich zudem eine architektonische und sportliche Besonderheit. Das historische Schloss Ranzow, ein herrschaftlicher Bau aus dem 19. Jahrhundert, beherbergt heute ein elegantes Hotel und den einzigen 18-Loch-Golfplatz auf der Halbinsel Jasmund. Die Anlage fügt sich perfekt in die hügelige Landschaft ein und bietet während des Spiels atemberaubende Ausblicke über die Ostsee bis hinüber zur Halbinsel Wittow.

Häufige Fragen zur Gemeinde Lohme (FAQ)

Wo genau liegt Lohme auf Rügen?

Lohme befindet sich im nördlichen Bereich der Halbinsel Jasmund. Das Dorf liegt nicht auf Meereshöhe, sondern wurde terrassenförmig an und auf die bis zu 50 Meter hohe, bewaldete Steilküste gebaut. Die Gemeinde grenzt im Osten direkt an die Wälder des Nationalparks Jasmund.

Hat Lohme einen Sandstrand zum Baden?

Nein, Lohme besitzt keinen feinen Sandstrand. Die Küstenlinie unterhalb der Klippen ist eine klassische, raue Blockstrand-Küste, die von großen eiszeitlichen Findlingen und Feuersteinen geprägt ist. Sie eignet sich hervorragend für Spaziergänge und die Fossiliensuche, ist für einen klassischen Badeurlaub jedoch ungeeignet.

Was genau ist der Schwanenstein?

Der Schwanenstein ist ein 162 Tonnen schwerer Findling (ein von Gletschern transportierter Gesteinsblock) aus Granit, der wenige Meter vor der Küste Lohmes im flachen Ostseewasser liegt. Er erlangte 1956 traurige Berühmtheit, als bei einer plötzlichen Sturmflut im Winter drei Kinder auf ihm gefangen wurden und ertranken.

Wie komme ich vom Dorf hinunter zum Hafen?

Der Hafen von Lohme liegt am Fuße der Steilküste. Um vom alten Ortskern dorthin zu gelangen, muss man eine gut befestigte, aber sehr steile Holztreppe mit etwa 200 Stufen überwinden. Für Menschen mit starker Gehbehinderung ist dieser Weg nicht zu bewältigen.

Kann man von Lohme aus zu den Kreidefelsen wandern?

Ja, Lohme ist einer der besten und beliebtesten Startpunkte für Wanderungen im Nationalpark Jasmund. Direkt am Ortsrand beginnt der naturbelassene Hochuferweg, der durch die UNESCO-geschützten Buchenwälder direkt entlang der Abbruchkante bis zum berühmten Königsstuhl führt.

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