Unser Rügen-Spezial:

Wir blicken auf den Leuchtturm (rechts) und den kleineren Schinkelturm.

Leuchttürme

10 Min. Lesezeit

👉🏻 Letzter Fakten-Check vor: 3 Monaten

Alle Leuchttürme auf Rügen und Hiddensee im Überblick

Die Küstenlinien der Insel Rügen und der benachbarten Insel Hiddensee verzeichnen die höchste Dichte an Leuchttürmen an der deutschen Ostseeküste. Die Spanne reicht von historischen Backsteinbauten aus dem 19. Jahrhundert über stählerne Seezeichen der DDR-Zeit bis hin zu modernen Zweckbauten in Leuchtturm-Optik, die heute in der Gastronomie genutzt werden. Die Erhaltung dieser Bauwerke ist aufwendig. Einige Türme wurden in den letzten Jahren demontiert oder umgesetzt, wie beispielsweise der Abbau am Kolliker Ort im Jahr 2025 gezeigt hat. Die folgende Übersicht dokumentiert den aktuellen Zustand jedes Gebäudes und listet die detaillierten technischen sowie historischen Fakten auf. Wer einen Ausflug plant, sollte beachten, dass nicht alle Türme öffentlich zugänglich sind.

Leuchttürme auf Rügen und Hiddensee – Kartenübersicht

Kartendaten © OpenStreetMap

Schinkelturm (Alter Leuchtturm Kap Arkona)

Der Schinkelturm am Kap Arkona ist der älteste Leuchtturm Rügens und der zweitälteste an der deutschen Ostseeküste. Er wurde aus massiven Ziegeln errichtet und war bis 1905 als Leuchtfeuer im Einsatz. Da seine Reichweite und Leuchtkraft den wachsenden Anforderungen der Schifffahrt nicht mehr genügten, wurde er außer Dienst gestellt. Heute fungiert das Gebäude als Museum und beherbergt eine Außenstelle des Standesamtes. Die Räumlichkeiten im Turm werden primär für offizielle Eheschließungen genutzt. Ein regulärer Aufstieg für Touristen ist aus diesem Grund an vielen Tagen untersagt. Wenn keine Trauungen stattfinden, kann der Turm mit dem Arkona-Kombiticket (Kostenpunkt für alle Türme am Kap: ca. 12 Euro) besichtigt werden.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1826–1827
  • Bauherr: Preußische Regierung (Karl Friedrich Schinkel)
  • Höhe: 19,3 Meter
  • Funktion: Außer Dienst (Museum / Standesamt)
  • Besonderheiten: Quadratischer Grundriss.

Neuer Leuchtturm Kap Arkona

Direkt neben dem Schinkelturm am Kap Arkona steht der Neue Leuchtturm. Er übernahm 1905 die Funktion als primäres Orientierungsfeuer für die nördliche Ostseeansteuerung, da er mit 35 Metern deutlich höher gebaut wurde. Der Turm ist bis heute ein aktives Seezeichen. Die historische Bogenlampe wurde 1995 gegen moderne Halogenmetalldampflampen ausgetauscht. Im Gegensatz zum Schinkelturm ist dieser Turm fast ganzjährig für Besucher freigegeben. Die Aussichtsplattform unterhalb des Laternenhauses kann über eine eiserne Wendeltreppe bestiegen werden.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1901–1902
  • Bauherr: Königliche Regierung (Preußen)
  • Höhe: 35,0 Meter
  • Funktion: Aktives Seezeichen (Orientierungsfeuer)
  • Besonderheiten: Runder Backsteinbau auf Granitsockel.

Peilturm Kap Arkona

Der Peilturm ist das dritte turmartige Gebäude am Kap Arkona, besitzt jedoch keine eigene Lichtquelle für die Schifffahrt. Er wurde 1927 als Marine-Funkpeilstelle errichtet, um Schiffen und Luftschiffen bei der Positionsbestimmung in der Ostsee zu helfen. Die Anlage war bis 1945 in Betrieb. In den 1990er Jahren wurde der Turm saniert und um eine gläserne Kuppel ergänzt. Heute fungiert das Gebäude als Kunstgalerie, in der wechselnde Ausstellungen stattfinden, sowie als weiterer Aussichtsturm für Touristen.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1927
  • Bauherr: Reichsmarine
  • Höhe: 23,0 Meter
  • Funktion: Außer Dienst (Kunstausstellung / Aussicht)
  • Besonderheiten: Aufgesetzte Glaskuppel aus der Neuzeit.

Leuchtturm Dornbusch (Hiddensee)

Der Leuchtturm auf dem Schluckswiek im Norden der Insel Hiddensee ist eines der bekanntesten Seezeichen Deutschlands. Er sichert die Küstengewässer westlich von Rügen ab. Der Turm wurde mehrfach modifiziert; sein heutiges Aussehen mit der Stahlbetonhülle erhielt er bei einer umfassenden Modernisierung in den 1920er Jahren. Der Turm ist für die Öffentlichkeit begehbar. Da die Treppenanlagen sehr eng sind, ist die Anzahl der Personen im Turm aus Brandschutzgründen limitiert, was im Sommer zu Wartezeiten am Einlass führt.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1887–1888
  • Bauherr: Preußische Wasserbauverwaltung
  • Höhe: 27,5 Meter
  • Funktion: Aktives Seezeichen (Küstenfeuer)
  • Besonderheiten: Feuerhöhe liegt durch den Hügel bei über 95 Metern ü. NN.

Leuchtfeuer Gellen (Süderleuchtturm Hiddensee)

Während der Dornbusch-Leuchtturm den Norden von Hiddensee markiert, sichert das Leuchtfeuer Gellen die Südspitze der Insel. Es markiert die Einfahrt in das Fahrwasser und dient als Quermarkenfeuer. Das Gebäude ist ein eiserner Turm auf einem massiven Steinsockel. Der Zugang zum Innenraum und zur Galerie ist für Touristen nicht gestattet. Das Gelände um den Turm kann jedoch besichtigt werden, sofern man die weite Wanderung oder Radfahrt über die südliche Landzunge von Neuendorf aus auf sich nimmt.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1904
  • Bauherr: Preußische Wasserbauverwaltung
  • Höhe: 12,3 Meter
  • Funktion: Aktives Quermarken- und Leitfeuer
  • Besonderheiten: Weißer Stahlturm mit rotem Band und roter Kuppel.

Leuchtfeuer Ranzow (Hafen Lauterbach)

Das Leuchtfeuer Ranzow hat eine von Umzügen geprägte Geschichte. Ursprünglich stand der stählerne Turm an der Nordküste der Halbinsel Jasmund. Im Jahr 1999 wurde er dort abgebaut und diente ab 2002 fast zwei Jahrzehnte lang als technisches Denkmal am Kap Arkona. Da im Hafen von Lauterbach bei Putbus ein neues Sektorenleitfeuer benötigt wurde, demontierte man den Turm 2019 auf Arkona und stellte ihn 2021 im Hafen von Lauterbach auf. Dort ist er heute wieder als aktives nautisches Seezeichen im Einsatz.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1904
  • Bauherr: Preußische Wasserbauverwaltung
  • Höhe: 6,5 Meter
  • Funktion: Aktives Sektorenleitfeuer in Lauterbach
  • Besonderheiten: Zweimaliger Standortwechsel (Jasmund → Arkona → Lauterbach).

Leuchtturm Sassnitz (Ostmole)

Der Leuchtturm auf der Ostmole markiert die seeseitige Einfahrt in den Stadthafen von Sassnitz. Der achteckige Stahlturm sticht durch seine grün-weiße Lackierung hervor, die in der Schifffahrt die Steuerbordseite einer Hafeneinfahrt signalisiert. Das Gebäude wurde in den späten 1970er Jahren wegen starker Korrosion demontiert, saniert und wieder aufgebaut. Der Turm selbst kann nicht von innen besichtigt werden, ist aber das Endziel für Fußgänger auf der Mole. Die Strecke bis zum Turm beträgt fast 1,5 Kilometer vom Hafenbecken aus.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1903 (Sanierung 1978/79)
  • Bauherr: Wasserbauinspektion Stralsund
  • Höhe: 15,0 Meter
  • Funktion: Aktives Molenfeuer
  • Besonderheiten: Grün-weiße Querstreifen; sichert Europas längste Außenmole.

Leuchtturm Sassnitz (Westmole)

Das Pendant auf der westlichen Seite der Hafeneinfahrt in Sassnitz ist funktionaler gehalten. Der Leuchtturm auf der Westmole besteht aus einem Laternengehäuse, das auf einer offenen Stahlkonstruktion montiert ist. Die Farbe der Anlage ist weiß, das ausgestrahlte Licht zur Markierung der Backbordseite ist rot. Das Gebäude fungiert gleichzeitig als Unterfeuer der Richtfeuerlinie, die Schiffen den sicheren Weg in das Hafenbecken weist.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1977
  • Bauherr: Hafenverwaltung Sassnitz (DDR)
  • Höhe: ca. 12,0 Meter
  • Funktion: Aktives Molen- und Unterfeuer
  • Besonderheiten: Offene Stützkonstruktion ohne geschlossenen Turmschaft.

Leuchtfeuer Mukran

Mit dem Bau und der späteren Erweiterung des Fährhafens in Sassnitz-Mukran wurde ein eigenes Molenfeuer notwendig, um den tiefgangstarken Fähr- und Frachtschiffen die Einfahrt zu sichern. Das Bauwerk ist ein achteckiger Stahlturm, der wie das Feuer auf der Ostmole einen grün-weißen Anstrich trägt. Da sich das Molenfeuer auf dem Sicherheitsgelände der industriellen Kaianlagen befindet, ist der Zugang für Touristen strengstens untersagt.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1996
  • Bauherr: Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund
  • Höhe: 16,0 Meter
  • Funktion: Aktives Molenfeuer
  • Besonderheiten: Zutrittsverbot durch Hafen-Sicherheitsbereich (ISPS-Code).

Leuchtfeuer Maltzien (Halbinsel Zudar)

Auf der südlichsten Halbinsel Rügens steht das Leuchtfeuer Maltzien auf der Halbinsel Zudar. Es markiert als Unterfeuer die Fahrrinne durch den engen Strelasund, die Meerenge zwischen Rügen und dem Festland. Das Seezeichen ist ein runder Stahlturm, der durch seine kräftige rot-weiße Querstreifung leicht auszumachen ist. Der Turm erfüllt heute unverändert seine Funktion in der Richtfeuerlinie. Es gibt keine Besuchereinrichtungen an diesem Ort.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1934
  • Bauherr: Wasserbauverwaltung
  • Höhe: ca. 11,0 Meter
  • Funktion: Aktives Unterfeuer
  • Besonderheiten: Fernab der touristischen Hauptzentren.

Leuchtfeuer Kolliker Ort (Kreideküste Jasmund)

Das Leuchtfeuer Kolliker Ort stand über ein Jahrhundert lang gut versteckt inmitten der steilen Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund. Es handelte sich um einen baugleichen Zwillingsturm des Leuchtfeuers Ranzow und diente der Schifffahrt als Orientierungs- und Quermarkenfeuer für die Prorer Wiek. Aufgrund von massiven Küstenabbrüchen und der völligen Baufälligkeit der extrem steilen Holztreppe war der Zugang zum Turm viele Jahre gesperrt. Im Jahr 2025 wurde das historische Bauwerk schließlich von der Küstenkante vollständig abgebaut, da die geologische Stabilität nicht mehr gewährleistet war.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 1904 (Demontage 2025)
  • Bauherr: Preußische Wasserbauverwaltung
  • Höhe: 7,0 Meter
  • Funktion: Außer Dienst (Abgebaut)
  • Besonderheiten: Existiert physisch an diesem Standort nicht mehr.

Lotsenturm Thiessow

Der Turm auf dem Lotsenberg in Thiessow ist kein klassischer Leuchtturm mit optischen Seezeichen, sondern ein architektonisch ähnlicher Wachturm. Ursprünglich wurde er 1909 errichtet, damit die Lotsen Schiffe auf dem Weg in den Greifswalder Bodden frühzeitig sichten konnten. Nach der Zerstörung des Originals wurde der Turm im Jahr 2003 nach historischen Plänen detailliert neu aufgebaut. Er erfüllt heute keine seefahrtstechnische Funktion mehr, sondern steht Urlaubern als Aussichtsturm mit Blick über das Mönchgut zur Verfügung.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 2003 (Rekonstruktion des Baus von 1909)
  • Bauherr: Gemeinde Thiessow
  • Höhe: 13,0 Meter
  • Funktion: Aussichtsturm
  • Besonderheiten: Rekonstruierter Ziegelbau ohne nautisches Leuchtfeuer.

Aussichtsturm „Leuchtturm“ Glowe

An der Strandpromenade in Glowe steht ein Gebäude, das optisch sofort als Leuchtturm wahrgenommen wird, historisch und technisch jedoch nie einer war. Der um die Jahrtausendwende errichtete Turm ist ein moderner Zweckbau, der durch seine rot-weiße Farbgebung und die markante Form das maritime Flair des Ortes betonen soll. Er dient heute primär der Gastronomie (als Eis-Café und Restaurant) und bietet Besuchern im Obergeschoss eine begehbare Aussichtsplattform mit Blick über die Bucht der Tromper Wiek.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: ca. 2000
  • Bauherr: Private Betreiber / Kommune
  • Höhe: ca. 14,0 Meter
  • Funktion: Gastronomiegebäude / Aussichtsturm
  • Besonderheiten: Rein architektonische Leuchtturm-Imitation; kein Seezeichen.

Leuchtturm-Kiosk Waase (Insel Ummanz)

Direkt an der Brücke zur kleinen Nachbarinsel Ummanz, nahe dem Ort Waase am Focker Strom, befindet sich ein weiteres Gebäude im Stil eines Leuchtturms. Es handelt sich um einen kleinen, in Holzbauweise errichteten Turm, der rot-weiß gestrichen ist. Auch dieser Bau hat keinerlei Funktion für die Schifffahrt, sondern wird in den Sommermonaten als lokaler Kiosk und Imbiss betrieben, der Radfahrer und Touristen auf dem Weg nach Ummanz versorgt.

Details zum Gebäude
  • Baujahr: 2010er Jahre
  • Bauherr: Privat
  • Höhe: ca. 5,0 Meter
  • Funktion: Gewerbliche Nutzung (Kiosk)
  • Besonderheiten: Miniatur-Nachbau; markiert den touristischen Eingang zur Insel Ummanz.

Häufige Fragen zu den Leuchttürmen auf Rügen

Kann man alle Leuchttürme auf Rügen besichtigen?

Nein. Für Touristen von innen zugänglich sind regulär der Neue Leuchtturm, der Peilturm am Kap Arkona, der Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee, der Lotsenturm in Thiessow sowie die gastronomisch genutzten Bauten. Die reinen Molenfeuer in Sassnitz oder Mukran können nicht von innen besichtigt werden.

Was kostet der Eintritt zu den Leuchttürmen am Kap Arkona?

Die Gemeinde bietet ein praktisches Kombiticket an, das den Zugang zum Neuen Leuchtturm, dem Peilturm und (sofern keine Trauungen stattfinden) zum Schinkelturm ermöglicht. Dieses Ticket kostet für Erwachsene in der Regel rund 12 Euro. Der Aufstieg wird direkt an den jeweiligen Türmen kontrolliert.

Gibt es einen Leuchtturm auf Hiddensee?

Es gibt auf der Insel Hiddensee sogar zwei markante Seezeichen. Der große, begehbare Leuchtturm Dornbusch steht im Norden der Insel auf einer hohen Erhebung, während das kleinere, weiß-rote Leuchtfeuer Gellen die flache Südspitze markiert.

Warum wurde der Leuchtturm am Kolliker Ort abgebaut?

Die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund unterliegen einer ständigen, natürlichen Erosion. Da die Küstenkante in den letzten Jahren immer weiter abgebrochen ist und die Statik des Gebäudes akut gefährdet war, wurde der historische Turm im Jahr 2025 zur Sicherheit komplett demontiert.

Waren diese Informationen hilfreich?

Diese Inhalte gefallen unseren Lesern