Wer seinen Urlaub an den Stränden der Insel Rügen verbringt, stößt unweigerlich auf den Begriff der Kurtaxe – offiziell Kurabgabe genannt. Oft wird dieser Betrag auf der Rechnung der Ferienwohnung oder des Hotels als lästiger Zusatzposten wahrgenommen. Doch ohne diese zweckgebundenen Einnahmen würde die touristische Infrastruktur der Insel schlichtweg kollabieren. Wenn du über saubere Promenaden flanierst, kostenfreie öffentliche Toiletten nutzt oder deine Kinder an einem von Rettungsschwimmern bewachten Strandabschnitt spielen, profitierst du direkt von den Einnahmen der Kurabgabe.
Rügen besteht aus vielen eigenständigen Gemeinden, weshalb es keine inselweite, einheitliche Kurtaxe gibt. Jedes Seebad und jeder Erholungsort legt seine eigenen Tarife, Saisonzahlen und Gegenleistungen fest. Wer seinen Urlaub klug plant und die Kurkarte richtig einsetzt, kann die gezahlten Gebühren durch Rabatte und kostenlose Nahverkehrsangebote schnell wieder einspielen. In diesem Ratgeber schlüsseln wir die aktuellen Kosten detailliert auf und zeigen dir, wo du auf der Insel kurabgabefrei unterwegs sein kannst.
Kurtaxe auf der Insel Rügen – Kartenübersicht
Kurtaxe auf Rügen – Interaktive Übersichtskarte
44 Orte auf einen Blick: mit und ohne Kurabgabe
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Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende | Stand 2026
Ein Blick in die Geschichte: Warum zahlen wir Kurtaxe?
Die Idee der Kurabgabe ist keine moderne Erfindung zur Gewinnmaximierung, sondern tief in der historischen Bäderkultur der Insel verwurzelt. Als Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus im Jahr 1818 in Lauterbach das erste Seebad Rügens gründete, entstand plötzlich ein massiver Bedarf an Infrastruktur. Wege mussten befestigt, Badekarren gewartet und Promenaden gepflegt werden. Um diese enormen Kosten nicht allein den wenigen Einheimischen aufzubürden, wurde eine Abgabe für die Erholungssuchenden eingeführt.
Heute ist die rechtliche Lage klar definiert: Die Einnahmen aus der Kurabgabe sind streng zweckgebunden. Die Gemeinden dürfen das Geld nicht nutzen, um Haushaltslöcher zu stopfen. Es fließt zu 100 Prozent in die Reinigung der über 60 Kilometer Sandstrände, die Finanzierung der DLRG-Wasserrettung, die Instandhaltung der Seebrücken und das kostenfreie Veranstaltungsangebot der Kurverwaltungen (wie Konzerte am Kurplatz oder Kinderanimation).
Aktuelle Preise in den Ostseebädern (Stand 2026)
Die großen Seebäder an der Ostküste bieten die intensivste touristische Infrastruktur und rufen dementsprechend die höchsten Tagessätze auf. Für das Jahr 2026 haben sich die Preise auf dem folgenden Niveau eingependelt:
Ostseebad Binz (inklusive Prora): In Binz wird nicht mehr zwischen Haupt- und Nebensaison unterschieden. Der Tagessatz für Erwachsene beträgt hier ganzjährig 3,40 Euro. Kinder bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres sind befreit. Eine Besonderheit in Binz ist die hohe Qualität der Gegenleistungen, die mit der digitalen Gästekarte verknüpft sind, darunter kostenfreie Busfahrten im Ortsgebiet und zahlreiche Ermäßigungen.
Der Südosten (Sellin, Baabe, Göhren, Mönchgut): Diese benachbarten Gemeinden haben ihre Kurabgabe harmonisiert, was für Gäste einen gewaltigen logistischen Vorteil bietet. Hier wird klassisch in Saisons unterschieden:
- Hauptsaison (01.05. bis 31.10. sowie 20.12. bis 06.01.): 3,37 Euro pro Tag und Erwachsener.
- Nebensaison: 2,54 Euro pro Tag und Erwachsener.
- Kinder bis zum vollendeten 7. Lebensjahr sind komplett von der Zahlung befreit. Für ältere Kinder (bis 14 Jahre) sowie Schwerbehinderte gelten reduzierte Sätze (jeweils 50 % Ermäßigung).
Das Umland und der Norden: Auch abseits der großen Promenaden wird oft eine Abgabe fällig. In kleineren Orten wie Lancken-Granitz beträgt diese 2,07 Euro, das Binnenland-Zentrum Sagard berechnet 1,20 Euro. Die Halbinsel Wittow (z. B. Wiek oder Altenkirchen) liegt in der Hauptsaison meist zwischen 1,25 und 1,50 Euro pro Übernachtung.
Insider-Tipp: Das Auto stehen lassen
Die Kurkarte ist in bestimmten Regionen Rügens bares Geld wert. Wenn du deinen Urlaub in den Seebädern Sellin, Baabe, Göhren oder auf der Halbinsel Mönchgut verbringst, fungiert deine Kurkarte gleichzeitig als kostenloser Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr. Du kannst die Busse der VVR (Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen) in dieser gesamten Tarifzone völlig gratis nutzen. Wer die teuren Parkgebühren an den Stränden bedenkt, hat seine tagesaktuelle Kurtaxe allein durch eine Hin- und Rückfahrt mit dem Bus bereits amortisiert.
Wir haben für dich das gesamte Jahr 2026 intensiv geprüft. Hier siehst du auf einen Blick, in welchen Orten und Ortsteilen auf Rügen (und Hiddensee) eine Kurtaxe bzw. Kurabgabe für Übernachtungs- und Tagesgäste fällig wird (🔴) und welche Orte kurabgabefrei sind (🟢):
- 🔴 Altefähr
- 🔴 Altenkirchen
- 🔴 Baabe
- 🟢 Bergen
- 🔴 Binz
- 🔴 Bobbin
- 🔴 Breege
- 🔴 Dranske
- 🔴 Gager
- 🟢 Garz
- 🟢 Gingst
- 🔴 Glowe
- 🟢 Gustow
- 🔴 Göhren
- 🔴 Hagen
- 🔴 Insel Hiddensee
- 🔴 Juliusruh
- 🔴 Kap Arkona
- 🟢 Kluis
- 🔴 Lancken-Granitz
- 🔴 Lietzow
- 🔴 Lohme
- 🔴 Middelhagen
- 🔴 Neddesitz
- 🟢 Neuenkirchen
- 🔴 Nonnevitz
- 🟢 Poseritz
- 🔴 Prora
- 🔴 Putbus
- 🔴 Putgarten
- 🟢 Ralswiek
- 🟢 Rambin
- 🔴 Sagard
- 🟢 Samtens
- 🔴 Sassnitz
- 🔴 Schaprode
- 🔴 Sellin
- 🔴 Thiessow
- 🟢 Trent
- 🟢 Ummanz
- 🔴 Vitt
- 🔴 Wiek
- 🟢 Zirkow
- 🟢 Zudar
Häufige Fragen zur Kurabgabe auf Rügen
Wo bezahle ich die Kurtaxe, wenn ich auf Rügen übernachte?
Wenn du in einem Hotel, einer Pension oder einer Ferienwohnung übernachtest, wird die Kurabgabe in der Regel direkt von deinem Gastgeber oder Vermieter bei der Anreise abgerechnet. Dieser ist gesetzlich verpflichtet, die Gebühren für dich an die jeweilige Gemeinde abzuführen, und händigt dir im Gegenzug direkt deine gültige Kurkarte (oft auch als digitale Karte für das Smartphone) aus.
Bin ich als Schwerbehinderter von der Kurtaxe befreit?
Das hängt vom jeweiligen Ort ab. In den meisten Seebädern (wie Göhren oder Sellin) erhalten Personen mit einem Schwerbehindertenausweis ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 80 eine Ermäßigung von 50 Prozent. In Binz sind Personen mit einem GdB von 100 komplett von der Kurabgabe befreit. Eingetragene Begleitpersonen (Merkzeichen B) erhalten zumeist die identischen Ermäßigungen wie der Ausweisinhaber.
Müssen auch Tagesausflügler und Hunde bezahlen?
Ja, wer in einer kurabgabefreien Gemeinde (wie Bergen oder Trent) übernachtet und für einen Strandtag nach Binz oder Sellin fährt, muss am Strandzugang oder über die App eine Tageskurkarte lösen. Auch für Hunde wird in fast allen Orten (meist zwischen 0,50 Euro und 2,00 Euro pro Tag) eine Kurtaxe fällig, mit der unter anderem spezielle Hundestrände und Kottüten-Spender finanziert werden.
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