Unser Rügen-Spezial:

Wir blicken auf den Leuchtturm (rechts) und den kleineren Schinkelturm.

Halbinsel Wittow

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Halbinsel Wittow – Das raue Windland im Norden von Rügen

Willkommen im „Windland“, dem nördlichsten und vielleicht charakterstärksten Teil unserer Insel Rügen! Wer die schmale Nehrung der Schaabe überquert, spürt sofort, dass Wittow ein ganz eigenes Gesicht hat. Hier oben, wo die Ostsee von drei Seiten gegen das Land drängt, zeigt sich die Insel von ihrer rauen, unverfälschten Seite. Wittow ist geprägt von weiten, goldgelben Feldern, die im Sommer im stetigen Seewind wogen, und von einer Steilküste, die am legendären Kap Arkona ihren dramatischen Höhepunkt findet.

Halbinsel Wittow Tipps – Kartenübersicht

Kartendaten © OpenStreetMap

Doch Wittow ist weit mehr als nur ein windgepeitschter Küstenstreifen. Es ist eine Region voller Kontraste: Hier triffst du auf die älteste Kirche der Insel, wanderst durch ein unter Denkmalschutz stehendes Fischerdorf, das in einer Schlucht verborgen liegt, und findest an der Schaabe den längsten Sandstrand der gesamten Küste. Als dein Reisebegleiter lade ich dich ein, die Halbinsel jenseits der bekannten Postkartenmotive zu entdecken. Wir klären die logistischen Fragen rund um das autofreie Kap, blicken hinter die Kulissen der historischen Backsteingotik und finden die besten Wege für Wanderer und Radfahrer. Pack wetterfeste Kleidung ein – wir erkunden das Herz des Nordens!

Kontrast zu den mondänen Ostseebädern gesucht? Unser Tipp ist Wittow: Dort oben, wo die Insel am wildesten ist, liegt die Halbinsel Wittow. Die Einheimischen nennen sie liebevoll und völlig zu Recht das „Windland“. Hier, umspült von der offenen Ostsee im Norden und Osten sowie dem Wieker und Breetzer Bodden im Süden, pfeift fast immer eine steife Brise über die weiten, flachen Raps- und Getreidefelder. Wer nach Wittow kommt, sucht keine überfüllten Promenaden, sondern die Weite des Himmels, dramatische Steilküsten und das Gefühl, am Ende der Welt zu stehen.

Lage und Geografie: Eine Insel auf der Insel

Streng genommen fühlt sich Wittow an wie eine eigene kleine Insel. Es gibt nur zwei Wege, um das Windland zu erreichen: Entweder du fährst aus Richtung Jasmund über die elf Kilometer lange, schmale Nehrung der Schaabe, oder du nimmst aus dem Westen (vom Muttland kommend) die nostalgische, seilgeführte Wittower Fähre. Die Landschaft auf Wittow ist – im Gegensatz zum stark hügeligen Jasmund oder dem zerklüfteten Mönchgut – erstaunlich flach. Das höchste „Gebirge“ ist der Schwarze Berg bei Putgarten, der es gerade einmal auf knapp 46 Meter über dem Meeresspiegel bringt. Genau diese Flachheit gibt dem Wind freie Bahn und sorgt für das einzigartige, extrem klare Licht, das Fotografen aus ganz Europa anlockt.

Die schönsten Orte und Sehenswürdigkeiten auf Wittow

Putgarten und das autofreie Kap Arkona

Das absolute touristische Epizentrum der Halbinsel ist das Flächendenkmal Kap Arkona, das zur Gemeinde Putgarten gehört. Unser wichtigster Experten-Tipp vorab: Putgarten und das gesamte Kap sind streng autofrei! Du musst deinen Wagen zwingend auf dem großen, gebührenpflichtigen Großparkplatz vor den Toren des Ortes abstellen. Von dort aus hast du drei Möglichkeiten: Einen herrlichen, gut zwei Kilometer langen Spaziergang, eine Fahrt mit der Pferdekutsche oder – ideal für Menschen mit Gehbehinderung und Familien – die Fahrt mit der barrierefreien Arkona-Bahn (einem kleinen Straßenzug).

Am Kap selbst erwartet dich ein faszinierendes Ensemble: Gleich zwei Leuchttürme ragen in den Himmel. Der kleinere, eckige Backsteinturm wurde 1828 nach Plänen des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel erbaut und ist einer der ältesten Leuchttürme an der deutschen Ostseeküste. Direkt daneben steht der 35 Meter hohe, runde Neue Leuchtturm von 1902, der noch heute in Betrieb ist. Wer die Stufen erklimmt, genießt bei klarem Wetter einen Blick bis zur dänischen Insel Møn. Etwas abseits steht der historische Peilturm, der einst für die Marinefunk-Navigation genutzt wurde und heute wechselnde Kunstausstellungen sowie ein Glaskuppel-Café beherbergt. Tragisch, aber geschichtlich hochspannend: Von der einst slawischen Tempelburg, der Jaromarsburg, an der Steilküste sind heute nur noch die mächtigen Erdwälle zu sehen. Die Ostsee hat in den letzten Jahrhunderten den Großteil der Anlage durch Küstenabbrüche verschlungen.

Das Fischerdorf Vitt: Eine Zeitreise in die Romantik

Wenn du vom Kap Arkona etwa 1,5 Kilometer an der Steilküste Richtung Süden wanderst, öffnet sich plötzlich eine kleine Schlucht. Darin versteckt liegt Vitt – das wohl romantischste Fischerdorf Rügens. Die 13 reetgedeckten Häuser kuscheln sich windgeschützt aneinander. Kulinarischer Insider-Tipp: Unten am steinigen Strand wird in den kleinen Katen noch heute fangfrischer Fisch geräuchert. Ein warmes Räucherfischbrötchen mit Blick auf die offene See ist hier absolute Pflicht! Hoch oben über dem Dorf, auf dem Rand der Schlucht, thront die achteckige Vitter Uferkapelle. Sie wurde einst auf Wunsch der Fischer gebaut, die während der Heringssaison nicht den weiten Weg zur Kirche nach Altenkirchen antreten wollten.

Altenkirchen: Auf den Spuren der Slawen

Apropos Kirche: Ein Stückchen weiter im Landesinneren liegt Altenkirchen. Der Name ist Programm, denn hier steht die älteste Dorfkirche Rügens (Baubeginn um 1185). Die romanische Pfarrkirche ist ein wuchtiges, wehrhaftes Gebäude, das in sich ein dunkles Geheimnis birgt. Der absolute Geschichts-Fakt für Kenner: In der Sakristei ist der sogenannte Svantevitstein in die Wand eingelassen. Er zeigt einen bärtigen Priester mit einem Trinkhorn. Der Clou: Der Stein wurde von den christlichen Erbauern absichtlich waagerecht (also auf der Seite liegend) eingemauert! Es war eine klare Demonstration der Macht: Der heidnische Slawengott wurde symbolisch gestürzt und von den Mauern der neuen, christlichen Religion erdrückt. Ein unfassbar spannendes Zeugnis der Insel-Christianisierung.

Wiek und Dranske: Hafenflair und Boddenromantik

An der Westküste Wittows, geschützt am Wieker Bodden, liegen Wiek und Dranske. Wiek ist berühmt für seinen gut ausgebauten Hafen und eine ganz besondere Bauruine: Die historische Kreidebrücke. Diese gewaltige Verladebrücke ragt weit in den Bodden hinein. Die kuriose Wahrheit dahinter: Sie wurde in den 1910er Jahren gebaut, um Kreide aus dem Hinterland auf Schiffe zu verladen. Doch dann brach der Erste Weltkrieg aus, und über diese Brücke wurde nicht ein einziges Gramm Kreide verladen! Heute ist sie liebevoll restauriert und dient als schwebende Promenade.

Dranske hingegen zieht vor allem Kitesurfer und Segler an. Der Ort bietet einen unverstellten, traumhaften Blick auf die langgestreckte Nachbarinsel Hiddensee. Zu Dranske gehört auch die Halbinsel Bug – eine extrem schmale, acht Kilometer lange Sandbank. Wichtig für Entdecker: Der Bug ist Nationalparkgebiet und ehemalige Militärzone. Er darf nicht auf eigene Faust, sondern ausschließlich im Rahmen von geführten, gebuchten Wanderungen betreten werden!

Juliusruh und die endlose Schaabe

Wenn dir auf Wittow nach klassischem Strandurlaub zumute ist, fährst du nach Juliusruh. Das kleine Seebad bildet das südliche Tor zur Halbinsel und ist der Startpunkt der Schaabe. Dieser elf Kilometer lange, sichelförmige Sandstrand ist das ultimative Badeparadies Rügens. Geschützt von einem dichten, duftenden Kiefernwald fällt der feine, steinfreie Sand flach ins Wasser ab. Da es auf der Schaabe (zwischen Juliusruh und Glowe) keine Ortschaften und keine Betonpromenaden gibt, findest du hier selbst im Hochsommer immer ein ruhiges Plätzchen für dein Handtuch.

Praktische Insider-Tipps für deinen Wittow-Urlaub

  • Kleidung: Der Name Windland kommt nicht von ungefähr. Selbst wenn im Südosten der Insel die Sonne brennt, solltest du für Wittow immer einen leichten Windbreaker im Rucksack haben.
  • Das richtige Timing am Kap: Kap Arkona zählt zu den meistbesuchten Orten Norddeutschlands. Wenn du die mystische Stimmung der Leuchttürme genießen willst, komme entweder direkt um 8:00 Uhr morgens oder am späten Nachmittag, wenn die großen Reisebusse bereits wieder abgefahren sind.
  • Mobil ohne Auto: Wittow lässt sich hervorragend mit dem Fahrrad erkunden. Die Wege zwischen Wiek, Altenkirchen und Kap Arkona sind flach und exzellent ausgebaut. Einzig der Gegenwind kann hier zum echten Gegner werden – ein E-Bike ist auf Wittow also keine Schande!

Halbinsel Wittow Insider-FAQ: Was du vor deinem Besuch wissen musst

Warum wird Wittow oft als „Windland“ bezeichnet?

Der Name „Windland“ ist keine touristische Erfindung, sondern beschreibt die geografische Realität dieser Halbinsel. Durch ihre exponierte Lage im äußersten Norden Rügens ist Wittow fast ständig den Luftströmungen der offenen Ostsee ausgesetzt. Da das Gelände im Inneren der Halbinsel sehr flach und kaum bewaldet ist, kann der Wind ungehindert über das Land fegen. Das prägt nicht nur die Vegetation – viele Bäume am Küstenstreifen wachsen als markante „Windflüchter“ schräg ins Landesinnere –, sondern auch das Lebensgefühl.

Für dich als Urlauber bedeutet das: Selbst an heißen Sommertagen weht hier oben meist eine erfrischende Brise. Das macht Wittow zu einem Paradies für Segler und Windsurfer, die besonders im Breeger Bodden ideale Bedingungen finden. Wanderer sollten jedoch auch im Hochsommer immer eine winddichte Jacke im Rucksack haben, da die gefühlte Temperatur an der Steilküste schnell sinken kann, sobald die Sonne hinter den Wolken verschwindet.

Kap Arkona: Was erwartet mich am Nordkap Deutschlands?

Das Kap Arkona ist das unangefochtene Wahrzeichen von Wittow. Auf der 43 Meter hohen, aus Kreide und Geschiebemergel bestehenden Steilküste thront ein markantes Ensemble aus zwei Leuchttürmen und einem Peilturm. Der Schinkelturm, der ältere der beiden Leuchtfeuer, wurde bereits 1826 nach Plänen des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel errichtet und beherbergt heute ein Museum sowie eine Außenstelle des Standesamtes.

Neben der maritimen Technik ist das Kap ein Ort von enormer historischer Bedeutung. Hier befinden sich die Reste der Jaromarsburg, einer einst mächtigen Tempelanlage der slawischen Ranen, die dem Gott Swantevit geweiht war. Auch wenn große Teile der Burg bereits durch die fortschreitende Küstenerosion ins Meer gestürzt sind, vermitteln die gewaltigen Wallanlagen noch heute einen Eindruck von der einstigen Stärke. Ein Besuch lohnt sich auch wegen des neuen Skywalks, der dir einen sicheren und spektakulären Blick über die Klippen ermöglicht, ohne die empfindliche Abbruchkante zu gefährden.

Die Schaabe: Wie verbindet sie Wittow mit dem Rest der Insel?

Geografisch gesehen ist Wittow nur über eine schmale Landzunge mit der Halbinsel Jasmund verbunden: die Schaabe. Diese natürliche Nehrung ist etwa 12 Kilometer lang und bildet eine sanfte Kurve zwischen den Orten Glowe und Juliusruh. Für Strandliebhaber ist die Schaabe ein absolutes Muss, denn sie beherbergt den längsten zusammenhängenden Sandstrand Rügens.

Das Besondere an der Schaabe ist der breite Dünenschutzwald, der fast ausschließlich aus Kiefern besteht. Dieser Wald schirmt den Strand von der Straße ab und sorgt für eine ruhige, naturnahe Atmosphäre. Da der Strand sehr flach in die Ostsee abfällt, ist er besonders bei Familien beliebt. Ein schöner Nebeneffekt der Lage: Durch den Schutz der Nehrung ist das Wasser hier oft ein bis zwei Grad wärmer als an den exponierteren Abschnitten der Insel. Wer Ruhe sucht, wandert einfach ein paar hundert Meter in den Wald hinein und findet auch in der Hochsaison einsame Plätze.

Welche Rolle spielt Altenkirchen für die Geschichte von Wittow?

Mitten im Herzen der Halbinsel liegt das Dorf Altenkirchen. Der Name ist Programm, denn hier steht die älteste Pfarrkirche Rügens. Das gewaltige Backsteinbauwerk wurde um 1185 begonnen, kurz nachdem die slawische Jaromarsburg am Kap Arkona durch die Dänen erobert und die Insel zwangschristianisiert wurde. Ein faszinierendes Detail verbirgt sich im Fundament des Kirchturms: Dort ist der sogenannte „Svantevit-Stein“ eingemauert – ein Bildstein, der vermutlich aus dem zerstörten Tempel am Kap stammt und einen Priester mit einem Trinkhorn zeigt.

Berühmt wurde die Kirche auch durch den Dichterpfarrer Ludwig Gotthard Kosegarten, der hier Ende des 18. Jahrhunderts wirkte. Seine „Uferpredigten“ im nahegelegenen Fischerdorf Vitt lockten damals Scharen von Gläubigen an die Steilküste. Altenkirchen ist heute ein wichtiger Versorgungsort für den Inselnorden mit Supermärkten und Dienstleistungen, hat sich aber seinen ländlichen Charme rund um den historischen Kirchplatz bewahrt.

Breege: Dein Startpunkt für Ausflüge nach Hiddensee?

An der südlichen Boddenseite von Wittow liegt das ehemalige Kapitänsdorf Breege. Während Juliusruh an der Ostsee für den Badeurlaub steht, ist Breege das maritime Zentrum. Vom dortigen Hafen legen in der Saison täglich Fahrgastschiffe ab, die dich über den Breeger Bodden und den Großen Jasmunder Bodden direkt auf die autofreie Nachbarinsel Hiddensee bringen.

Diese Schifffahrt ist eine der schönsten Touren, die du auf Rügen unternehmen kannst, da du Wittow und die Halbinsel Jasmund vom Wasser aus in ihrer vollen Ausdehnung siehst. In Breege selbst zeugen noch viele prächtige Kapitänshäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert vom einstigen Wohlstand der Seefahrerfamilien. Es ist ein Ort der Stille und Entschleunigung, der sich hervorragend für lange Spaziergänge am Boddenufer eignet, wenn der Trubel an den Sandstränden zu groß wird.

Logistik & Parken: Wie bewege ich mich auf Wittow stressfrei?

Die Infrastruktur auf Wittow ist gut, erfordert aber am Kap Arkona ein Umdenken. Die gesamte Region rund um die Leuchttürme und das Dorf Vitt ist für den privaten Autoverkehr gesperrt. Dein zentraler Anlaufpunkt ist der große Parkplatz in Putgarten. Von dort aus kannst du entweder wandern, radeln oder die Kap-Arkona-Bahn nutzen, die dich bequem zu den Sehenswürdigkeiten bringt. Die Parkgebühren für das Jahr 2026 liegen für ein Tagesticket bei etwa 7,00 bis 9,00 Euro.

Für den Rest der Halbinsel ist das Fahrrad das ideale Fortbewegungsmittel. Wittow ist flach und bietet ein weites Netz an gut ausgebauten Radwegen, die oft direkt an der Steilküste entlangführen. Beachte bei deiner Zeitplanung, dass die Wege am Hochufer zwar wunderschön sind, der stetige Gegenwind im „Windland“ das Vorankommen jedoch deutlich verlangsamen kann. Wenn du mit dem Linienbus reist, bietet die VVR eine gute Anbindung von Sagard oder Bergen bis nach Altenkirchen und Breege, was besonders für Wanderer attraktiv ist, die nur eine Strecke laufen möchten.

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