Gingst – Das historische Handwerkerdorf und Zentrum von West-Rügen
Die Gemeinde Gingst ist das historische Handwerkerzentrum und der geografische Mittelpunkt der Region West-Rügen. Sie verbindet eine tiefgreifende, jahrhundertealte Handwerksgeschichte mit einer strategisch perfekten Binnenlage und ermöglicht kulturinteressierten Urlaubern sowie Familien ein facettenreiches, staufreies Inselerlebnis abseits der stark frequentierten Ostseebäder.
Wer die Gemeinde Gingst betritt, spürt sofort, dass dieser Ort anders strukturiert ist als die restlichen Dörfer der Insel. Anstatt der typischen, langgezogenen Straßendörfer (Angerdörfer) gruppiert sich Gingst um einen gewaltigen, zentralen Marktplatz, von dem die Straßen sternförmig abzweigen. Diese fast städtische Architektur ist das direkte Resultat einer dramatischen Historie: Im Jahr 1799 vernichtete ein verheerender Großbrand fast den gesamten historischen Ortskern. Der anschließende Wiederaufbau erfolgte nach strengen geometrischen und brandschutztechnischen Vorgaben, die das Gesicht von Gingst bis heute prägen und dem Ort sein charakteristisches, aufgeräumtes Flair verleihen.
Heute ist Gingst die unangefochtene Metropole des Inselwestens. Urlauber schätzen die Gemeinde als enorm praktisches und ruhiges Basislager. Hier findet man eine lückenlose Infrastruktur mit Supermärkten, traditionellen Bäckereien und Apotheken, eingebettet in eine Landschaft, die von flachen Feldern und alten Alleen dominiert wird. Durch die zentrale Lage im Westen sind die Wege zu den benachbarten Naturparadiesen extrem kurz: Die kleine Nachbarinsel Ummanz (berühmt für die spätsommerliche Kranichrast) und das Fährdorf Schaprode liegen nur wenige Kilometer entfernt.
Gingst – Kartenübersicht
Gingst – Handwerkerdorf, Mordwange & Miniaturwelt
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Kartendaten © OpenStreetMap
Die Ära der Damastweber: Rügens vergessener Reichtum
Um die historische Bedeutung von Gingst zu verstehen, muss man in das 18. und frühe 19. Jahrhundert zurückblicken. Gingst war kein einfaches Bauerndorf, sondern ein hochgradig spezialisiertes Industriezentrum von überregionaler Bedeutung. Die Gemeinde war berühmt für ihre Damastweber.
Historisches Expertenwissen: Die hier gefertigten, kunstvoll gewebten Damaststoffe (ein Stoff mit eingewebten Mustern, der je nach Lichteinfall changiert) besaßen eine solch herausragende Qualität, dass sie nicht nur auf der gesamten Insel Rügen und in Pommern begehrt waren. Die Gingster Weber belieferten sogar die schwedischen und preußischen Königshöfe mit feinsten Tischdecken und Textilien. Dieser enorme wirtschaftliche Erfolg zog zahlreiche weitere Gewerbe an, sodass Gingst den offiziellen Titel eines "Handwerkerdorfes" erhielt. Erst mit der aufkommenden industriellen Revolution und der maschinellen Weberei im späten 19. Jahrhundert fand diese goldene Ära der Gingster Handwerkskunst ihr allmähliches Ende.
Sehenswürdigkeiten: Zwischen Kulturgeschichte und Familienspaß
Gingst bietet auf engstem Raum eine perfekte Symbiose aus anspruchsvoller Kulturgeschichte und modernen Freizeitangeboten, die besonders für Familien mit Kindern attraktiv sind.
Die Historischen Handwerkerstuben
Wer tief in die Geschichte der Gingster Weber eintauchen möchte, kommt an den Historischen Handwerkerstuben direkt am Marktplatz nicht vorbei. Das Museum ist in liebevoll restaurierten, originalen Fachwerkhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert untergebracht, die den großen Brand teilweise überstanden haben oder danach originalgetreu wieder aufgebaut wurden. Hier können Besucher voll funktionsfähige, gewaltige historische Webstühle bestaunen. Die detailreichen Ausstellungen dokumentieren nicht nur die Textilherstellung, sondern zeigen auch historische Werkstätten von Schustern, Schneidern und Fotografen. Es ist ein faszinierendes, begehbares Geschichtsbuch der rügenschen Handwerkskultur.
Die St.-Jacobi-Kirche
Die evangelische Pfarrkirche St. Jacobi ist der architektonische Anker des Ortes. Der Ursprungsbau stammte aus dem Jahr 1300, fiel jedoch ebenfalls dem verheerenden Brand von 1799 zum Opfer. Der Wiederaufbau des Kirchenschiffs im spätbarocken Stil wurde maßgeblich durch großzügige finanzielle Spenden des schwedischen Königs Karl IV. Gustav unterstützt (Rügen gehörte zu dieser Zeit zu Schwedisch-Pommern). Im Inneren besticht die Kirche durch eine bemerkenswerte, seltene Orgel des berühmten Stralsunder Orgelbauers Christian Erdmann Kindt aus dem Jahr 1790. In den Sommermonaten finden hier regelmäßig hochkarätige Orgelkonzerte statt, die für ihre exzellente Raumakustik bekannt sind.
Der Rügen Park Gingst
Gingst beherbergt eines der wichtigsten Ausflugsziele für den Familienurlaub auf der gesamten Insel: Den Rügen Park. Dieser weitläufige Themenpark liegt direkt am Ortsrand und bietet eine faszinierende Mischung aus Freizeitpark und Miniaturwunderwelt. Auf einem großen Rundgang können über 85 detailgetreue Nachbauten internationaler und nationaler Wahrzeichen im Maßstab 1:25 bestaunt werden – vom schiefen Turm von Pisa bis zum Reichstag. Für Kinder bietet der Park zudem zahlreiche Fahrgeschäfte (wie eine Achterbahn, Wildwasserrondell und Riesenrutschen), die im Eintrittspreis inkludiert sind. Ein absoluter Pflichtbesuch an bewölkten Tagen.
Logistik für Radfahrer und Naturfreunde
Das extrem flache Umland von Gingst ist wie geschaffen für ausgedehnte Touren zum Radfahren. Da die Hauptverkehrsströme der Touristen im Osten der Insel verlaufen, sind die Straßen und ausgebauten landwirtschaftlichen Wege im Westen wunderbar ruhig. Eine der schönsten Tagestouren führt von Gingst aus an die Küste der Udarser Wiek und weiter in das historische Fährdorf Schaprode. Ebenso reizvoll ist eine Tour zum Wandern oder Radfahren in die benachbarte Gemeinde Trent mit ihrer mächtigen Backsteinkirche. Gingst bietet sich zudem als perfekter, staufreier Ausgangspunkt an, um einen Tagesausflug in die nahe gelegene Inselhauptstadt Bergen zu unternehmen.


Häufige Fragen zum Handwerkerdorf Gingst (FAQ)
Wo liegt Gingst auf Rügen?
Gingst liegt zentral im westlichen Binnenland der Insel Rügen (Region West-Rügen). Die Gemeinde befindet sich nur wenige Autominuten von den Küsten der Boddengewässer und der kleinen Nachbarinsel Ummanz entfernt und gilt als infrastruktureller Mittelpunkt des Inselwestens.
Was hat es mit den Gingster Webern auf sich?
Im 18. und 19. Jahrhundert war Gingst ein bedeutendes Zentrum der Textilindustrie. Die lokalen "Damastweber" produzierten hier in mühsamer Handarbeit an riesigen Webstühlen derart hochwertige, gemusterte Stoffe, dass sie sogar von den Königshöfen in Schweden und Preußen gekauft wurden.
Warum ist der Marktplatz in Gingst so groß?
Die auffällige, fast kleinstädtische Architektur rund um den großen Marktplatz ist das Ergebnis eines verheerenden Großbrandes im Jahr 1799. Danach wurde das Dorf nicht mehr als verwinkeltes Straßendorf, sondern nach strengen geometrischen und brandschutztechnischen Regeln neu strukturiert aufgebaut.
Lohnt sich der Rügen Park in Gingst für Kinder?
Absolut. Der Rügen Park Gingst ist eines der Top-Ausflugsziele für Familien auf Rügen. Neben den über 85 beeindruckenden Miniaturen weltberühmter Bauwerke bietet der Park zahlreiche Fahrgeschäfte, eine Parkeisenbahn und Streichelzoos, die allesamt im Eintrittspreis enthalten sind.
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