Garz – Die älteste Stadt Rügens und das historische Herz des Muttlandes
Die Stadt Garz ist die historisch älteste und am tiefsten in der slawischen Geschichte verwurzelte Stadt auf der Insel Rügen. Sie verbindet monumentale Bodendenkmäler wie den slawischen Burgwall mit der klassischen norddeutschen Backsteingotik und ermöglicht kulturinteressierten Urlaubern durch ihre zentrale Lage im ländlichen Muttland ein authentisches, extrem ruhiges und historisch anspruchsvolles Urlaubserlebnis fernab des klassischen Badetourismus.
Wer sich auf der Landkarte der Insel Rügen in das tiefe Binnenland begibt, landet unweigerlich in der Region Muttland. Hier, umgeben von wogenden Kornfeldern, dichten Laubwäldern und jahrhundertealten Alleen, liegt Garz. Die kleine Landstadt ist ein Ort der leisen Töne und der gewaltigen Historie. Während sich an den Ostküsten der Insel das mondäne Leben der Seebäder abspielt, präsentiert sich Garz als bodenständiges, landwirtschaftlich und handwerklich geprägtes Zentrum. Das Stadtbild ist geprägt von kopfsteingepflasterten Straßen, gedrungenen Bürgerhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert und einer allgegenwärtigen Ruhe, die Urlauber sofort entschleunigt.
Für Insel-Besucher bietet Garz einen entscheidenden strategischen und wirtschaftlichen Vorteil: Da die Stadt nicht direkt an der Küste liegt, sind die Unterkünfte hier oft deutlich preiswerter. Gleichzeitig ist die Infrastruktur hervorragend. Von hier aus lassen sich über das dichte Netz der Landstraßen sowohl die ehemalige Residenzstadt Putbus im Osten, die verkehrsgünstige Gemeinde Samtens im Norden als auch das ruhige Poseritz im Süden in wenigen Autominuten erreichen. Wer das echte, unverfälschte Rügen sucht, findet es in den Straßen von Garz.
Garz – Kartenübersicht
Garz – Rügens älteste Stadt an der Alleenstraße
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Kartendaten © OpenStreetMap
Charenza: Das Machtzentrum der slawischen Ranen
Die Geschichte von Garz beginnt lange vor der christlichen Zeitrechnung der Insel. Der Ort war unter dem Namen "Charenza" (oder Karenz) neben der Tempelburg am Kap Arkona das wichtigste administrative und religiöse Zentrum des westslawischen Stammes der Ranen. Während Arkona primär dem Hauptgott Svantevit geweiht war, fungierte Charenza als der tatsächliche Fürstensitz und das politische Herz des Ranenreiches.
Der Burgwall von Garz
Das beeindruckendste Zeugnis dieser Epoche liegt direkt am Rande der heutigen Altstadt: Der slawische Burgwall. Er gilt als eine der am besten erhaltenen und mächtigsten Wallanlagen in ganz Norddeutschland. Historisches Detailwissen: Die ovale Anlage durchmisst gewaltige 200 mal 140 Meter, und die Erdwälle erheben sich noch heute bis zu 15 Meter über das umliegende Niveau. Im Jahr 1168, nachdem die Dänen unter König Waldemar I. und Bischof Absalon das Kap Arkona im Norden erobert und zerstört hatten, kapitulierte die Besatzung von Charenza am darauffolgenden Tag kampflos. Dies markierte das endgültige Ende der slawischen Herrschaft und den Beginn der Christianisierung Rügens. Heute kann der bewaldete Burgwall bei einem ausgedehnten, ehrfürchtigen Spaziergang frei erkundet werden.
Die Stadtrechte von 1319
Nach der dänischen Eroberung verlor der Ort zwar seine slawische Identität, aber nicht seine strategische Bedeutung. Deutsche Siedler zogen in das Gebiet und bauten den Ort kontinuierlich aus. Der entscheidende historische Meilenstein folgte im Jahr 1319: Der rügensche Fürst Wizlaw III. verlieh Garz offiziell das lübische Stadtrecht. Ein wichtiger Fakt für Inselkenner: Damit ist Garz historisch verbrieft die älteste Stadt auf der Insel Rügen, noch weit vor der heutigen Kreisstadt Bergen oder der von Fürst Malte später gegründeten Stadt Putbus.
Architektur, Glaube und Medizingeschichte
Neben der slawischen Festung prägen vor allem die norddeutsche Backsteingotik und eine erstaunliche medizinische Pionierleistung das Profil der Stadt.
Die evangelische St.-Petri-Kirche
Die weithin sichtbare Stadtkirche St. Petri gehört zu den imposantesten Kirchen der Insel. Der wuchtige Backsteinbau wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts auf dem höchsten Punkt der Stadt errichtet – höchstwahrscheinlich genau an der Stelle, an der sich zuvor slawische Heiligtümer befanden. Auffällig ist der extrem massive, quadratische Westturm, der früher auch als Wehrturm diente. Im Inneren beherbergt die Kirche einen wertvollen spätgotischen Schnitzaltar und eine der ältesten noch funktionierenden Kirchenglocken Vorpommerns. Die schlichte, aber würdevolle Atmosphäre lädt zur stillen Einkehr ein.
Pionierort der Diabetologie
Was selbst viele Rügen-Stammgäste nicht wissen: Garz hat Medizingeschichte geschrieben. Im Jahr 1930 gründete der Greifswalder Professor Gerhardt Katsch hier das allererste klinische Heim für Diabetiker in ganz Deutschland. Nur wenige Jahre nach der Entdeckung des Insulins revolutionierte Katsch hier in Garz die Behandlung der Zuckerkrankheit. Er setzte nicht nur auf Medikamente, sondern auf Schulung, Diät und körperliche Arbeit, um den Patienten ein fast normales Leben zu ermöglichen. Das heutige CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands) in Garz führt diese Tradition der medizinischen und sozialen Betreuung in modernen Einrichtungen fort.
Das Ernst-Moritz-Arndt-Museum
Garz ist untrennbar mit einem der bekanntesten und zugleich kontroversesten deutschen Schriftsteller und Historiker des 19. Jahrhunderts verbunden: Ernst Moritz Arndt. Er wurde 1769 im heutigen Garzer Ortsteil Groß Schoritz geboren.
Direkt im Stadtzentrum befindet sich das Ernst-Moritz-Arndt-Museum, das in einem repräsentativen klassizistischen Bürgerhaus untergebracht ist. Es ist das einzige Museum in Deutschland, das sich ausschließlich dem Leben und Wirken dieser historischen Persönlichkeit widmet. Die Ausstellung beleuchtet schonungslos und differenziert seine verschiedenen Lebensphasen: Einerseits seine großen Verdienste bei der Abschaffung der Leibeigenschaft in Pommern und seine Rolle in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, andererseits seine ausgeprägten nationalistischen und antifranzösischen Schriften, die heute stark kritisiert werden. Wer sich für deutsche Geschichte und die komplexen Biografien des 19. Jahrhunderts interessiert, findet hier eine der hochwertigsten Ausstellungen der gesamten Ostseeküste.
Aktive Erholung: Unter dem Blätterdach der Alleen
Die Landschaft rund um Garz ist ein absolutes Traumrevier für sanften Aktivurlaub. Die Stadt ist ein zentraler Knotenpunkt der "Deutschen Alleenstraße", die sich quer durch die Bundesrepublik zieht und hier auf Rügen ihren Anfang (bzw. ihr Ende) nimmt. Die gewaltigen Baumkronen von Kastanien, Linden und Eichen bilden kilometerlange, grüne Tunnel über den Landstraßen.
Dieses dichte Blätterdach sorgt besonders in den heißen Sommermonaten für ein extrem angenehmes, kühles Mikroklima. Das macht Garz zu einem herausragenden Ausgangspunkt für weite Touren zum Radfahren. Da das Muttland topografisch sehr flach ist, eignen sich die Strecken ideal für Familienausflüge oder entspanntes E-Biken. Auch für das ruhige Wandern bieten die Feldwege rund um den Burgwall und in Richtung des Greifswalder Boddens hervorragende, verkehrsarme Bedingungen. Ein besonders schöner Fahrradausflug führt von Garz über verschwiegene Dörfer bis an das Naturufer des Strelasunds, von wo aus man direkt auf die Kirchtürme der nahen Hansestadt Stralsund blicken kann.
Häufige Fragen zur Stadt Garz auf Rügen (FAQ)
Wo genau liegt Garz auf Rügen?
Garz liegt im südlichen Binnenland der Insel Rügen in der landwirtschaftlich geprägten Region Muttland. Die Stadt ist etwa 20 Autominuten von der Rügenbrücke bei Stralsund und rund 10 Autominuten von der ehemaligen Residenzstadt Putbus entfernt.
Warum ist Garz die älteste Stadt auf Rügen?
Die Siedlungsgeschichte reicht bis zu den slawischen Ranen zurück. Die offizielle, rechtliche Anerkennung als Stadt erfolgte jedoch im Jahr 1319, als der rügensche Fürst Wizlaw III. dem Ort das lübische Stadtrecht verlieh. Damit besitzt Garz die ältesten urkundlich belegten Stadtrechte der gesamten Insel.
Was genau ist der slawische Burgwall in Garz?
Der Burgwall ist der physische Überrest der ehemaligen slawischen Fürstenburg "Charenza". Er besteht aus massiven, bis zu 15 Meter hohen Erdwällen, die ein Oval von etwa 200 Metern Länge bilden. Die Anlage diente den westslawischen Ranen bis zu ihrer Kapitulation vor den Dänen im Jahr 1168 als administratives und politisches Zentrum.
Wer war Ernst Moritz Arndt?
Ernst Moritz Arndt (1769–1860) war ein deutscher Historiker, Schriftsteller und Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, der in Groß Schoritz (heute zu Garz gehörend) geboren wurde. Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Abschaffung der Leibeigenschaft in Pommern, ist heute jedoch wegen seiner stark nationalistischen Schriften eine historisch umstrittene Persönlichkeit.
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