Camping auf Rügen: Urlaub im Freien mit Zelt, Wohnwagen, Wohnmobil
Die Ostseeküste und insbesondere die Insel Rügen bieten eine bemerkenswerte Vielfalt für Camping-Enthusiasten. Das Rauschen der Brandung am Morgen, der Duft von Kiefernnadeln in der Mittagssonne und die klare Seeluft am Abend machen das Schlafen in der Natur hier zu einem besonderen Erlebnis. Dennoch hat sich die Campingkultur in den vergangenen Jahren stark differenziert. Während die einen mit dem autarken Wohnmobil lediglich einen sicheren, ruhigen Stellplatz suchen, erwarten andere die vollumfängliche Infrastruktur eines Fünf-Sterne-Resorts. Wieder andere reduzieren ihr Gepäck auf ein Minimum und reisen klassisch mit dem Zelt an.
Als dein Reisebegleiter habe ich die Camping-Infrastruktur der Insel detailliert analysiert. Um dir die Planung zu erleichtern, betrachten wir drei völlig unterschiedliche Kategorien von Campern und die für sie am besten geeigneten Plätze. Darüber hinaus werfen wir einen genauen Blick auf die reale Kostenstruktur abseits der reinen Stellplatzgebühr, besprechen essenzielle Ausrüstungstipps für das Küstenklima und klären unmissverständlich auf, welche Regeln beim Thema Wildcampen zwingend zu beachten sind.
Campingplätze auf Rügen – Kartenübersicht
Alle Campingplätze auf Rügen
Kategorie 1: Ruhe und Natur – Wohnmobilisten mit Fokus auf das Wesentliche
Für Camper, deren Wohnmobil oder Wohnwagen bereits mit eigener Sanitäranlage, Solarpanels und ausreichend Frischwasser ausgestattet ist, steht oft nicht die Infrastruktur des Platzes im Vordergrund, sondern die Lage. Diese Gruppe sucht die Nähe zur Natur, Abstand zu den dicht besiedelten Promenaden und eine ruhige Atmosphäre am Abend.
Ein sehr passendes Ziel für diese Ansprüche ist das Naturcamping in Thiessow auf der Halbinsel Mönchgut im Süden Rügens. Der Platz ist in einen lichten Küstenwald eingebettet und liegt direkt hinter den sanften Dünen. Auf aufwendige Animation oder große Schwimmbäder wird hier bewusst verzichtet. Stattdessen punktet der Ort mit direktem Zugang zu naturbelassenen Strandabschnitten und einer ausgeprägten Ruhe. Ebenfalls sehr empfehlenswert für Ruhesuchende ist das Ostseecamp Suhrendorf auf der kleinen Schwesterinsel Ummanz (im Westen von Rügen). Hier stehst du direkt am Ufer der flachen Boddengewässer. Die Sonnenuntergänge über dem Wasser sind weithin bekannt, und die flachen Uferzonen bieten beste Bedingungen für ausgedehnte Spaziergänge oder den Einstieg in den Wassersport, fernab des starken Wellengangs der offenen Ostsee.
Kategorie 2: Komfort und Infrastruktur – Premium-Camping an der Küste
Die zweite Kategorie richtet sich an Familien und Paare, die den Urlaub im Wohnwagen oder großen Wohnmobil verbringen, dabei aber den Komfort eines gehobenen Hotels schätzen. Hier werden moderne, beheizte Sanitärgebäude, Supermärkte auf dem Gelände, Spielplätze, Wellness-Angebote und eine hervorragende gastronomische Versorgung vorausgesetzt.
Das absolute Aushängeschild in dieser Kategorie ist das Regenbogen Camp im Ostseebad Göhren. Diese weitläufige Anlage liegt unmittelbar hinter dem feinsandigen Strand und zieht sich sanft in den Küstenwald hinein. Der Platz bietet von voll ausgestatteten Komfortstellplätzen mit eigenem Frisch- und Abwasseranschluss bis hin zu einem Amphitheater für Abendveranstaltungen eine lückenlose Infrastruktur. Auch der Knaus Campingpark in Drewoldke (nahe Altenkirchen auf der Halbinsel Wittow) gehört zu den etablierten, gut ausgestatteten Plätzen im Norden. Solche Resorts bieten den Vorteil, dass das Zugfahrzeug oder Wohnmobil während des gesamten Aufenthalts stehen bleiben kann, da alle täglichen Bedürfnisse direkt auf dem Gelände oder im unmittelbar angrenzenden Ort abgedeckt werden.
Kategorie 3: Die Puristen – Mit dem Zelt ganz nah an der Natur
Zelturlauber reisen oft mit dem Fahrrad, der Bahn oder einem kleinen PKW an. Für sie sind weiche, ebene Böden, windgeschützte Lagen und saubere, gut erreichbare Sanitäranlagen entscheidend, da das Zelt diese nicht bietet. Große, betonierte Wohnmobil-Stellplätze sind für diese Gruppe ungeeignet.
Ein sehr guter Anlaufpunkt für Zeltcamper ist das Krüger Naturcamping in Nipmerow, hoch oben im Norden in der Nähe von Sassnitz und dem Nationalpark Jasmund. Die Zeltwiesen sind hier noch weitgehend unparzelliert, was eine sehr freie, entspannte Platzwahl ermöglicht. Durch die Lage im Hinterland ist man zudem etwas besser vor dem direkten, starken Seewind geschützt, der direkt an der Abbruchkante herrschen kann. Auch der Campingplatz Schaprode im Westen der Insel bietet sehr schöne, grüne Zeltbereiche mit Blick auf die Insel Hiddensee. Da Zelturlauber oft flexibler sind, empfiehlt es sich, gezielt nach Plätzen zu suchen, die separate Zeltwiesen abseits der großen, befestigten Caravan-Straßen anbieten, um den weichen Untergrund und die ruhigere Atmosphäre voll auskosten zu können.
Kosten und Budget: Vom Zeltplatz bis zum All-Inclusive-Stellplatz
Die Preisstruktur auf Rügens Campingplätzen ist sehr differenziert und stark von der Saison abhängig. In der Hauptsaison (Juli und August) erreichen die Preise naturgemäß ihren Höhepunkt.
- Zelt-Budget: Ein einfacher Stellplatz für ein kleines Zelt (ohne PKW) inklusive einer erwachsenen Person beginnt auf den Naturcampingplätzen bei etwa 15 bis 22 Euro pro Nacht.
- Standard-Wohnmobil: Ein regulärer Stellplatz für ein Wohnmobil oder einen Wohnwagen (inklusive zwei Personen) kostet in der mittleren Kategorie zwischen 35 und 50 Euro pro Nacht.
- Premium-Kategorie: Auf den Fünf-Sterne-Plätzen mit direkter Strandlage und vollem Anschluss (Wasser, Abwasser, Strom am Platz) musst du in der Hauptsaison mit 60 bis über 85 Euro pro Nacht für zwei Personen rechnen.
Die versteckten Kosten: Beachte bei der Budgetplanung zwingend die Nebenkosten. Strom wird entweder pauschal (oft 4 bis 5 Euro pro Tag) oder nach Verbrauch (ca. 0,70 bis 0,90 Euro pro kWh) abgerechnet. Viele Plätze nutzen für die Warmwasserduschen zudem noch Duschmünzen oder aufladbare Chipkarten (ca. 1 bis 1,50 Euro für 3 bis 4 Minuten). Der wichtigste Faktor ist jedoch die örtliche Kurabgabe (Kurtaxe). Diese wird von der jeweiligen Gemeinde erhoben und nicht vom Campingplatzbetreiber. Sie beträgt in den bekannten Seebädern wie Binz oder Göhren bis zu 3,40 Euro pro Tag und erwachsener Person und ist beim Check-in separat zu entrichten.
Tipps für Küsten-Camper: Ausrüstung und Planung
Das Küstenklima stellt besondere Anforderungen an die Ausrüstung. Der Boden auf Rügen variiert stark: In den Dünenwäldern dominieren weiche, tiefgründige Sandböden. Hier sind herkömmliche, kurze Zeltnägel völlig nutzlos. Investiere zwingend in lange Sandheringe oder spezielle Holzheringe, um Vorzelte und Markisen sicher zu befestigen. Auf den Plätzen im Hinterland oder auf den Boddenseiten triffst du oft auf festen Lehm- oder Wiesenboden – hier helfen stabile Felsboden-Nägel.
Der Wind an der Ostsee kann jederzeit auffrischen. Markisen von Wohnmobilen sollten konsequent mit starken Sturmbändern gesichert werden. Wer das Zelt oder Vorzelt verlässt, sollte es stets komplett schließen, damit plötzliche Böen keinen Angriffspunkt finden.
Ein weiterer essenzieller Rat zur Planung: Die Insel Rügen ist in den Sommermonaten sehr gut gebucht. Wer spontan im August anreist und auf einen freien Stellplatz in der ersten Reihe hofft, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit abgewiesen. Reserviere deinen Wunschplatz in der Hauptsaison mindestens sechs bis acht Monate im Voraus.
Absolute No-Gos: Strikte Regeln und Sperrzonen auf der Insel
Die Freiheit des Campings endet dort, wo die gesetzlichen Regelungen und der Naturschutz beginnen. Auf Rügen gelten in diesem Bereich sehr klare und streng kontrollierte Vorgaben.
Achtung: Das Wildcampen ist in Mecklenburg-Vorpommern und somit auch auf Rügen grundsätzlich und ausnahmslos verboten!
Es ist nicht gestattet, sich mit dem Wohnmobil, dem ausgebauten Van oder einem Zelt einfach an den Strand, auf Waldparkplätze oder an die Felder zu stellen, um dort zu übernachten. Das oft zitierte „einmalige Übernachten zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ auf öffentlichen Parkplätzen wird von den Ordnungsämtern auf der Insel sehr eng ausgelegt. Wer Auffahrkeile unterlegt, die Satellitenschüssel ausfährt oder Campingstühle herausstellt, nutzt den Platz zweifelsfrei zum Campen und muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen, die schnell im dreistelligen Bereich liegen.
Besonders kritisch ist das Verhalten in den Nationalparks (Nationalpark Jasmund und Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft) sowie in den ausgewiesenen Naturschutzgebieten. Das Abstellen von Fahrzeugen über Nacht, das Entzünden von offenen Feuern (dazu zählen auch einfache Holzkohlegrills am Strand) und das Betreten der sensiblen Dünenlandschaften abseits der markierten Wege werden hier durch Ranger und die Polizei konsequent geahndet. Die Naturräume auf Rügen sind sensibel, und der Erhalt dieser Landschaften erfordert die strikte Einhaltung der Verordnungen durch alle Gäste.
Camping auf Rügen Insider-FAQ: Was du vor der Anreise wissen musst
Darf ich mit meinem Wohnmobil auf normalen Strandparkplätzen übernachten?
Nein, das ist auf Rügen streng untersagt. Die meisten Strandparkplätze, beispielsweise entlang der Schaabe oder in Prora, sind durch eindeutige Beschilderungen für die nächtliche Nutzung durch Wohnmobile gesperrt (oft von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr). Die kommunalen Ordnungsämter kontrollieren diese Parkplätze in den Sommermonaten auch spät abends oder in den frühen Morgenstunden sehr konsequent. Um Bußgelder zu vermeiden, solltest du ausschließlich ausgewiesene, offizielle Wohnmobilstellplätze oder reguläre Campingplätze ansteuern.
Wie entsorge ich als autarker Camper mein Grauwasser und die Chemietoilette?
Wer autark auf reinen Stellplätzen steht, steht oft vor der Frage der korrekten Entsorgung. Die Entleerung von Chemietoiletten oder Grauwasser in der Natur oder über reguläre Straßengullys ist eine ernsthafte Umweltstraftat und strengstens verboten. Auf Rügen gibt es jedoch ein gutes Netz an Entsorgungsstationen. Viele reguläre Campingplätze bieten gegen eine kleine Servicegebühr (meist zwischen 3 und 5 Euro) die Nutzung ihrer „Holiday Clean“-Anlagen auch für Durchreisende an, die nicht auf dem Platz übernachten. Zudem verfügen fast alle offiziellen, kostenpflichtigen Wohnmobilstellplätze über entsprechende Säulen zur Ver- und Entsorgung.
Gibt es spezielle Regelungen für Hunde auf den Campingplätzen?
Hunde sind auf vielen Campingplätzen der Insel willkommene Gäste, jedoch ist dies keine Selbstverständlichkeit. Es ist zwingend erforderlich, den Hund bei der Reservierung vorab anzumelden, da oft eine zusätzliche Gebühr (meist zwischen 4 und 8 Euro pro Tag) erhoben wird. Auf den Geländen der Campingplätze herrscht ausnahmslos Leinenpflicht. Achte bei der Platzwahl zudem darauf, ob sich in der unmittelbaren Nähe ein offiziell ausgewiesener Hundestrand befindet (wie beispielsweise in Sellin oder Göhren), da Vierbeiner an den regulären Hauptstränden in der Badesaison vom 1. Mai bis zum 30. September nicht gestattet sind.
Welche Anreiseroute ist für große Wohnwagen-Gespanne am besten geeignet?
Für Gespanne oder große Wohnmobile stellt die Querung des Strelasunds den ersten wichtigen Punkt der Reise dar. Die moderne Rügenbrücke ist sehr gut ausgebaut und bietet ausreichend Platz. Beachte jedoch, dass die Brücke bei Sturm oder sehr starken Windböen für Fahrzeuge mit großen Angriffsflächen (wie Wohnwagen) aus Sicherheitsgründen gesperrt werden kann. In solchen Fällen wird der Verkehr über den alten, tiefer liegenden Rügendamm umgeleitet. Auf der Insel selbst sind die Bundesstraße 96 und die L29 in Richtung der östlichen Seebäder gut befahrbar. Bei Fahrten in kleinere Küstenorte, besonders auf den Halbinseln Wittow oder Mönchgut, solltest du dich jedoch auf schmale Alleen mit altem Baumbestand einstellen und die Fahrgeschwindigkeit entsprechend anpassen.
Ist Grillen und offenes Feuer am Stellplatz erlaubt?
Die Regelungen bezüglich offenen Feuers hängen maßgeblich vom jeweiligen Campingplatz und der aktuellen Waldbrandgefahrenstufe ab. Auf vielen Plätzen, die direkt an Küstenwälder grenzen, sind Holzkohlegrills oder Feuerschalen aus Gründen des Brandschutzes komplett verboten. Hier dürfen ausschließlich Gas- oder Elektrogrills verwendet werden. Informiere dich beim Check-in an der Rezeption über die tagesaktuellen Bestimmungen. In sehr trockenen Sommermonaten können die Behörden temporäre, weitreichende Grillverbote für ganze Regionen der Insel aussprechen, die dann auch auf den privaten Parzellen der Campingplätze Gültigkeit haben.
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