Anreise nach Rügen – Verkehrswege, historische Brücken und logistische Alternativen
Die Anreise auf die Insel Rügen markiert für Urlauber den logistischen Übergang vom Festland auf Deutschlands größte Insel. Sie wird maßgeblich durch die topografische Engstelle am Strelasund definiert und erfordert, besonders an den hochfrequentierten Bettenwechsel-Tagen im Sommer, eine präzise Kenntnis der Brückeninfrastruktur, der historischen Fährverbindungen und des insularen Eisenbahnnetzes, um eine staufreie Ankunft zu gewährleisten.
Die Insel Rügen ist verkehrstechnisch exzellent erschlossen, doch diese Erschließung bündelt sich nahezu vollständig an einem einzigen geografischen Nadelöhr: der Hansestadt Stralsund. Der Strelasund, die Meerenge zwischen dem Festland und der Insel, muss zwingend überquert werden. Bis in die 1930er Jahre war dies ausschließlich mit Fährschiffen möglich, was zu massiven logistischen Engpässen führte. Heute stehen Reisenden an dieser Stelle zwei völlig unterschiedliche, parallel verlaufende Brückenbauwerke zur Verfügung, die das architektonische und verkehrstechnische Tor zur Insel bilden.
Sobald der Strelasund überquert ist, teilt sich der Verkehr auf der Insel in zwei primäre Hauptschlagadern auf: Die Bundesstraße 96 führt den Verkehr in den nördlichen und zentralen Bereich bis nach Sassnitz, während die Bundesstraße 196 die logistische Ader für die dicht besiedelten Seebäder im Südosten (wie Binz, Sellin und Göhren) darstellt. Um nicht im dichten Anreiseverkehr steckenzubleiben, ist das Verständnis dieser Verkehrsflüsse essenziell.
Rügen Anreise – Kartenübersicht
Anreise nach Rügen – Brücken, Fähren & Bahnhöfe
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Das Nadelöhr am Strelasund: Rügendamm und Rügenbrücke
Wer mit dem Auto, der Bahn oder dem Fahrrad anreist, nutzt unweigerlich eines der beiden gigantischen Brückenbauwerke zwischen Stralsund und dem rügenschen Festland bei Altefähr.
Der historische Rügendamm (1936)
Der Rügendamm ist das ältere der beiden Bauwerke und eine ingenieurtechnische Meisterleistung der 1930er Jahre. Er bündelt eine zweispurige Autostraße, ein Eisenbahngleis sowie einen kombinierten Fuß- und Radweg. Der logistische Haken: Der Rügendamm ist keine durchgehende Hochbrücke. Um den Schiffsverkehr auf dem Strelasund zu ermöglichen, verfügt das Bauwerk über eine Klappbrücke (die Ziegelgrabenbrücke). Diese wird mehrmals täglich zu festen Zeiten für etwa 20 Minuten geöffnet. In dieser Zeit kommt der gesamte Auto- und Bahnverkehr auf dem Damm vollständig zum Erliegen, was Rückstaus bis weit in das Stralsunder Stadtgebiet verursachen kann.
Die hochmoderne Rügenbrücke (2007)
Um dem wachsenden Tourismusverkehr Herr zu werden, wurde 2007 die parallel verlaufende Rügenbrücke eröffnet. Sie ist mit einer Länge von 2.831 Metern die längste Brücke Deutschlands. Die markante Schrägseilkonstruktion wird von einem 104 Meter hohen, Y-förmigen Pylonen getragen und bietet eine Durchfahrtshöhe von 42 Metern für Schiffe, wodurch sie nicht aufgeklappt werden muss. Wichtige Verkehrsregeln: Die Rügenbrücke ist als dreispurige Kraftfahrstraße ausgelegt. Sie darf ausschließlich von Pkw, Lkw und Motorrädern genutzt werden. Für Fußgänger, Radfahrer und landwirtschaftliche Fahrzeuge ist sie strengstens gesperrt; diese müssen zwingend auf den alten Rügendamm ausweichen. Eine Maut wird für die Brücke nicht erhoben.
Die maritime Ausweichroute: Die Glewitzer Fähre
An den starken An- und Abreisetagen im Sommer (insbesondere samstags) stoßen auch beide Brücken in Stralsund an ihre Kapazitätsgrenzen. Für Autofahrer gibt es eine landschaftlich extrem reizvolle und stauvermeidende Alternative: Die Rügen-Fähre zwischen Stahlbrode (Festland) und Glewitz (Insel Rügen).
Diese Autofähre pendelt von Frühjahr bis Herbst im 20-Minuten-Takt über den Strelasund. Wer diese Route wählt, verlässt die A20 auf dem Festland deutlich früher und umgeht den gesamten Knotenpunkt Stralsund. Nach der Überfahrt erreicht man das ruhige, landwirtschaftlich geprägte Binnenland Rügens. Von Glewitz aus führt die historische „Alte Bäderstraße“ geradewegs durch tiefe Alleen über die älteste Stadt Garz und die Residenzstadt Putbus direkt in den Südosten der Insel. Wer sein Quartier in Binz oder Sellin gebucht hat, spart sich so nicht nur den Stau auf der Brücke, sondern umgeht auch das Nadelöhr der B96 in der Inselmitte völlig.
Eisenbahn-Infrastruktur: Mit dem ICE bis ans Meer
Rügen ist eine der wenigen deutschen Inseln, die tiefgreifend an das europäische Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn angebunden sind. Die Anreise mit dem Zug ist nicht nur umweltfreundlich, sondern dank der ICE-Verbindungen oft deutlich schneller als die Fahrt mit dem eigenen Pkw.
Der logistische Durchbruch gelang hier durch die vollständige Elektrifizierung der Hauptstrecke auf der Insel. Heute fahren ICE- und IC-Züge aus Metropolen wie München, Frankfurt am Main, Berlin oder Hamburg ohne Umstieg direkt auf die Insel. Die Züge halten am zentralen Knotenpunkt in Bergen auf Rügen und enden direkt im großen Ostseebad Binz. Wer in andere Regionen der Insel reist, kann in Bergen oder am Bahnhof Lietzow nahtlos in den Regionalexpress (RE9) umsteigen, der die Ostküste bis in die Hafenstadt Sassnitz bedient.
Spezial-Logistik: Wittow und Hiddensee
Innerhalb der Insel gibt es zwei Regionen, die eine spezielle verkehrstechnische Behandlung bei der Anreise erfordern.
Die Wittower Fähre: Wer in den äußersten Norden auf die Halbinsel Wittow reist, kann den langen Landweg über Sagard und die Schaabe abkürzen, indem er die Wittower Fähre nutzt. Diese kleine, seilgeführte Autofähre verbindet das zentrale Muttland über den schmalen Breetzer Bodden direkt mit Wittow. Historischer Fakt: Die Zufahrtsrampen dieser Fähre wurden ursprünglich um 1890 errichtet, um die Waggons der historischen Schmalspurbahn (der heutigen Rügenschen Bäderbahn) auf die nördliche Halbinsel überzusetzen. Heute befördert sie ausschließlich Pkw, Radfahrer und Fußgänger.
Das Parkkonzept für Hiddensee: Eine völlig andere Anreise-Logistik greift für Urlauber, die ihr Ziel auf der autofreien Schwesterinsel Hiddensee haben. Es ist streng verboten, private Fahrzeuge auf die Insel zu bringen. Die logistische Basisstation für die Überfahrt bildet die kleine Hafen-Gemeinde Schaprode an der rügenschen Westküste. Urlauber müssen ihre Fahrzeuge dort auf riesigen, dauerhaft bewachten und gebührenpflichtigen Langzeitparkplätzen abstellen. Von dort aus wird das Gepäck entweder auf Handkarren oder mit Elektromobilen zu den Fährterminals der Weißen Flotte transportiert, von wo aus die Schiffe ganzjährig im Taktverkehr nach Hiddensee ablegen.
Häufige Fragen zur Anreise nach Rügen (FAQ)
Kostet die Fahrt über die Rügenbrücke eine Maut?
Nein. Im Gegensatz zu vielen Brücken in Skandinavien ist die Nutzung der neuen Rügenbrücke sowie des historischen Rügendamms für alle Fahrzeuge völlig kostenfrei. Es fallen keine Mautgebühren für die Überquerung des Strelasunds an.
Darf man mit dem Fahrrad über die Rügenbrücke fahren?
Nein, die 2007 erbaute Rügenbrücke ist als reine Kraftfahrstraße ausgewiesen und für Fahrräder, Fußgänger sowie Mofas strengstens verboten. Wer Rügen nicht-motorisiert erreichen möchte, muss zwingend den parallel verlaufenden, alten Rügendamm nutzen, der über einen ausgewiesenen Rad- und Fußweg verfügt.
Gibt es eine direkte ICE-Verbindung nach Rügen?
Ja, die Insel Rügen ist exzellent an das Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn angebunden. Es verkehren regelmäßige, umstiegsfreie ICE- und IC-Züge aus Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg direkt bis zu den Bahnhöfen in Bergen auf Rügen und dem Ostseebad Binz.
Wann staut es sich auf Rügen am meisten?
Die größten Verkehrsprobleme auf den Zufahrtsstraßen (B96) und an der Brücke in Stralsund entstehen traditionell an den Samstagen in den Monaten Juli und August, da dies die klassischen Bettenwechsel-Tage der Ferienunterkünfte sind. Eine Anreise vor 10:00 Uhr oder nach 16:00 Uhr ist an diesen Tagen dringend zu empfehlen.
Wie komme ich mit dem Auto nach Hiddensee?
Gar nicht. Hiddensee ist eine gesetzlich streng autofreie Insel. Du musst dein Fahrzeug auf dem Festland von Rügen (in der Regel auf den designierten Großparkplätzen in der Hafengemeinde Schaprode) abstellen und von dort aus mit den Schiffen der Weißen Flotte als Fußgänger übersetzen.
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