In der Kirche findet sich eine spätbarocke Orgel als besonderem Schmuckstück. Künstler aus aller Welt geben hier in den Sommermonaten Orgelkonzerte.

Historische Handwerkerstuben Gingst: Weberei und Handwerk

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Die Historischen Handwerkerstuben erklären einen Teil von Gingst, der auf einer allgemeinen Ortsseite nur angerissen werden kann: wie Weber, Schuhmacher, Stellmacher, Schmiede und andere Gewerke hier lebten und arbeiteten. Wenn du Gingst insgesamt mit Rügen Park, Kirche, Anreise und weiteren Zielen einordnen möchtest, führt dich die Seite Gingst auf Rügen weiter. Dieser Artikel bleibt bewusst beim Museum und der Handwerksgeschichte.

Für wen lohnt sich ein Besuch der Historischen Handwerkerstuben?

Wenn du dich für historische Arbeitswelten und Sozialgeschichte interessierst, bekommst du in den Handwerkerstuben mehr als eine Sammlung alter Werkzeuge. Zum Ensemble gehören das Kremkehaus und das Efeuhaus, ein Museumshof, eine Remise, ein Atelier, eine Schmiede, eine kleine Freilichtbühne und das Museumscafé. Im Kremkehaus sind unter anderem Schuhmacher, Weißnäherin, Uhrmacherwerkstatt, Barbier und historische Küche eingerichtet; das Efeuhaus konzentriert sich auf die Gingster Weberei.

Das Museum entstand aus lokaler Geschichtsarbeit: Im Sommer 1968 gründeten sechs Schüler unter H. K. Stoll den Zirkel „Junge Historiker“. 1971 richteten acht Jugendliche und vier Erwachsene in zwei Räumen des Efeuhauses eine erste ständige Ausstellung ein, 1972 wurde daraus das Dorfmuseum. Eine empfohlene Besuchsdauer veröffentlicht der Betreiber derzeit nicht. Eine pauschale Angabe wie „eine Stunde reicht“ wäre deshalb geraten.

Das Efeuhaus verbindet Weberei mit Gingsts Sozialgeschichte

Die Geschichte der Gingster Weber lässt sich nicht von Johann Gottlieb Picht trennen. Der Präpositus hob am 15. Juni 1773 die Leibeigenschaft für die Untertanen des Gingster Pastorats auf – mehr als 30 Jahre vor der allgemeinen Aufhebung in Schwedisch-Pommern 1806. Für die nun freien Menschen musste zugleich eine wirtschaftliche Grundlage entstehen. Picht erneuerte die Weberorganisation und förderte die Damastweberei. Ein von den Webern gestifteter Leuchter in der St.-Jacobi-Kirche trägt die Jahreszahlen 1630 und 1779 als erstes und zweites Gründungsdatum der Innung. Den kirchengeschichtlichen Zusammenhang findest du auch bei den Kirchen auf Rügen.

Das Efeuhaus diente von 1779 bis 1912 als Wohnung und Werkstatt von Webern; bis 1888 lebte dort der Innungsmeister mit seiner Familie. In den beiden großen Räumen rechts und links der Mitteldiele standen jeweils mindestens zwei Webstühle. Die heute ausgestellten Webstühle stammen aus der Zeit um 1800. Sie können komplizierte Muster erzeugen, aber keinen Damast. Für einen hohen Zampel-Webstuhl mit Musteraufsatz musste die Decke eines Raumes angehoben werden.

Auch die Wohnverhältnisse sind im Haus konkret nachvollziehbar: Die Treppenstufen ins Dachgeschoss sind rechts und links unterschiedlich ausgetreten, im Schlafraum gab es eine ausziehbare Bettlade, fließendes Wasser fehlte. Das Museum besitzt außerdem keinen in Gingst gewebten historischen Damaststoff. Die Bedeutung der Gingster Damaste ist dort über Schriftquellen und die überlieferte Webereigeschichte belegt, nicht über ein erhaltenes lokales Damaststück.

Im Kremkehaus lebten mehrere Handwerkerfamilien unter einem Dach

Das Kremkehaus wurde um 1700 vom Gutsherrn von der Osten aus Dubkevitz für den leibeigenen Stellmacher und Kossäten Krehmke errichtet. Das Gebäude bot zusätzlich Platz für drei bis vier weitere Handwerker mit ihren Familien. Nach 1720 lebten dort gleichzeitig unter anderem Schneider, Stellmacher, Schuhmacher, Weißnäherin, Putzmacherin und Glaser; 1796 kam eine Stellmacherei hinzu. Später folgten Seiler, Schmied, Barbier und Knochenhauer. Nach 1945 wohnten noch bis in die 1970er Jahre Flüchtlingsfamilien und ein Schneider im Haus.

Die Enge war Teil des Alltags. Kinder schliefen im Dachgeschoss auf Stroh, Gesellen teilweise unter der Treppe oder in der Werkstatt. Wenn du durch die Räume gehst, siehst du deshalb nicht nur einzelne Gewerke, sondern Wohn- und Arbeitsbereiche, die sich ein Haus teilen mussten.

Besonders gut dokumentiert ist das Schuhmacherhandwerk. Als Gründungsdatum der Gingster Schuhmacherinnung gilt der 8. Oktober 1421. Mitte des 18. Jahrhunderts arbeiteten 19 Schuhmachermeister im Ort, gegen Ende des Jahrhunderts waren es zeitweise 34. Um 1920 blieben fünf Innungsmeister. Heute gibt es in Gingst keinen Schuhmacher mehr; die Museumswerkstatt bewahrt Geräte aus ehemaligen Gingster und Rügener Werkstätten.

Die Heringstraße erklärt, warum sich in Gingst so viele Gewerke ansiedelten

Gingsts Handwerksgeschichte begann lange vor den Museumsgebäuden. Im 13. Jahrhundert zogen Kaufleute über Gingst weiter nach Vitt. In Gingst ließen sie Schäden an Wagen und Gespannen reparieren, wodurch sich handwerkliche Arbeit entlang der Route entwickelte. Die sogenannte Heringstraße verlief mitten durch den Ort und trennte das westlich gelegene, weltlich beherrschte Dominium vom östlichen Pastorat unter kirchlicher Herrschaft.

Viele Einwohner waren Ackerbürger und betrieben zusätzlich ein Handwerk. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts gewann das Gewerbe weiter an Gewicht; Gingst besaß sogar Marktrecht für einen eigenen Webermarkt. Die Lage im Westen von Rügen ist deshalb nicht nur geografischer Hintergrund: Die alte Verbindung zwischen Altefähr, Gingst und dem Norden der Insel erklärt einen Teil der Konzentration verschiedener Gewerke im Ort.

Die Museumsschmiede kam 1995 aus Berglase nach Gingst

Die Schmiede auf dem Museumsgelände ist selbst ein versetztes historisches Objekt. Ihr Gebäude stand ursprünglich in Berglase, wurde dort 1995 demontiert und anschließend in Gingst wieder aufgebaut. Am 1. Mai 1996 öffnete die Museumsschmiede für Besucher. Das Inventar stammt aus ehemaligen Gingster Schmieden. Bei der Einweihung setzte Horst Troike, der sein Handwerk noch beim Gingster Schmied Kankel gelernt hatte, die ersten Hammerschläge und schmiedete ein Hufeisen.

Bis ins 20. Jahrhundert arbeiteten in Gingst drei Schmieden: „Budden Kankel“ bei Klein Capelle, die Werkstatt von Emil Kankel in Gingst und die Schmiede von Fritz Elgeti in der Mühlenstraße. Emil Kankels Werkstatt bestand bis Mitte der 1960er Jahre. Demonstrationsschmieden gehört nach Angaben des Museums weiterhin zum Betrieb. Wenn du eine Vorführung gezielt sehen möchtest, solltest du den Termin vorher prüfen; einen belastbaren aktuellen Vorführkalender für 2026 veröffentlicht die Museumsseite derzeit nicht.

Märkte führen die Handwerkstradition am Museumshof fort

Der Marktbezug ist in Gingst älter als der heutige Museumshof: Schon das historische Marktrecht für den Webermarkt gehört zur örtlichen Handwerksgeschichte. Heute nennt die Gemeinde für den Museumshof einen Grünen Markt von Ende Mai bis Mitte Oktober. Ein moderner Webermarkt wurde dort am 20. August 2023 anlässlich des 250. Jahrestags der Aufhebung der Leibeigenschaft veranstaltet. Am 31. Mai 2025 folgte ein Woll- und Webermarkt mit Schauweben, Filzen, Spinnen und Stricken.

Für 2026 ist Vorsicht nötig. Die aktuelle Gemeindeseite beschreibt zwar den saisonalen Grünen Markt, zeigt im Terminbereich aber derzeit „Aktuell sind keine Termine vorhanden“. Die Museumsseite nennt ebenfalls den Grünen Markt, führt bei den konkreten Veranstaltungen jedoch noch Termine aus 2025. Wenn du wegen eines Marktes nach Gingst fahren möchtest, prüfe deshalb den aktuellen Veranstaltungskalender der Gemeinde Gingst kurz vor der Fahrt. Für weitere kulturelle Ziele lässt sich der Besuch mit den Vorschlägen zu Kultur auf Rügen kombinieren.

Öffnungszeiten 2026 müssen vor dem Besuch direkt geprüft werden

So planst du deinen Besuch: Die Historischen Handwerkerstuben liegen in der Karl-Marx-Straße 19 in 18569 Gingst (Telefon +49 38305 304, E-Mail museum@gingst-gemeinde.de). Auf der offiziellen Museumsseite stehen derzeit allerdings noch die Öffnungszeiten der Saison 2025: Donnerstag bis Samstag von 11:00 bis 16:00 Uhr, vom 1. Mai bis 25. Oktober 2025. Diese Zeiten werden hier ausdrücklich nicht auf 2026 übertragen. Einen verifizierten Eintrittspreis für 2026 nennt die Webseite derzeit ebenfalls nicht; ältere Preise werden deshalb nicht fortgeschrieben.

Zur Barrierefreiheit macht das Museum derzeit keine konkreten Angaben. Wenn du auf einen stufenlosen Zugang angewiesen bist, klärst du das am besten vorab telefonisch. Das Ensemble verteilt sich zudem auf mehrere Gebäude und den Museumshof; für einen vollständig wettergeschützten Regentag ist das nicht dasselbe wie ein einzelnes geschlossenes Haus. Weitere Alternativen findest du bei Rügen bei Schietwetter.

Für Parkmöglichkeiten, die St.-Jacobi-Kirche, den Rügen Park und die weitere Planung im Ort bleibt die Ortsseite zu Gingst die passendere Grundlage. So bleibt die Rollenverteilung klar: Dort geht es um Gingst als Ziel, hier um die Handwerkerstuben und die Geschichte hinter ihren Werkstätten.

Häufige Fragen zu den Historischen Handwerkerstuben Gingst

Wo lebten die meisten Gingster Weber?

Nach der Museumsdarstellung lebten die meisten Weber „op de Wiek“, also im Bereich der heutigen Wiekstraße. Das Efeuhaus ist damit ein erhaltenes Beispiel für eine Arbeits- und Wohnform, die in diesem Teil von Gingst verbreitet war.

Bis wann arbeitete im Kremkehaus eine Weißnäherin?

Von etwa 1700 bis 1940 gehörte eine Weißnäherin nach Angaben des Museums durchgehend zu den Bewohnern des Kremkehauses. Die letzte war Minna Pilinski.

Welche Rohstoffe verarbeiteten die Gingster Weber?

Flachs wurde in der Umgebung angebaut und zu Leinen verarbeitet. Daneben lieferte die Schafhaltung Wolle, die ebenfalls in der örtlichen Textilproduktion genutzt wurde.

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