Darf es etwas mehr Weite sein? Willkommen am Strand von Göhren (Blick von der Seebrücke).

Göhren: Warum dieses Ostseebad besonders ist

Die meisten Ostseebäder auf Rügen haben ein klares Zentrum und eine lange Promenade, die sich am Strand entlangzieht. Göhren funktioniert anders. Der Ort liegt auf dem Nordperd, einer bewaldeten Landzunge, die sich wie ein Keil in die Ostsee schiebt und das Seebad geografisch in zwei völlig unterschiedliche Welten teilt. Wenn du hier deinen Urlaub verbringst, musst du dich jeden Morgen entscheiden: Gehst du in den Trubel oder in die Natur?

Die Geografie entscheidet: Nordstrand oder Südstrand?

Der Nordstrand ist das offizielle Gesicht von Göhren. Hier findest du die klassische Infrastruktur eines staatlich anerkannten Kneipp-Kurortes. Eine Seebrücke ragt 280 Meter in die Ostsee, die Promenade bietet Cafés, und der feine Sand ist in den Sommermonaten fest in der Hand von Familien. Da das Wasser hier sehr flach abfällt und von der DLRG bewacht wird, können Kinder sicher baden. Wer den klassischen Ostseeurlaub mit Strandkorb, Eis am Stiel und glattem Sand sucht, ist am Nordstrand richtig.

Der Südstrand ist das genaue Gegenteil. Es gibt hier keine Promenade, keine Strandkörbe und keine Rettungsschwimmer. Stattdessen triffst du auf einen schmalen, naturbelassenen Küstenstreifen, an dem sich Sand mit faustgroßen Feuersteinen abwechselt. Im Rücken hast du eine Steilküste, davor die offene See. Nach starken Stürmen im Herbst ist dies einer der besten Orte auf der Halbinsel Mönchgut, um nach Bernstein oder Hühnergöttern zu suchen.

Höhenmeter und der Weg zum Wasser

Göhren ist kein flacher Ort. Das Ortszentrum mit seinen Restaurants, Bäderarchitektur-Villen und kleinen Geschäften liegt oben auf dem Hügel, gut 30 Meter über dem Meeresspiegel. Der Weg hinab zum Nordstrand ist steil. Was auf dem Hinweg ein entspannter Spaziergang ist, wird nach einem langen Strandtag schnell zur sportlichen Übung.

Gut zu wissen: Um diese Hürde zu nehmen, hat die Gemeinde einen Schrägaufzug installiert, der das Zentrum mit der Kurpromenade verbindet. Wenn du deine Göhrener Kurkarte (die offizielle Gästekarte) an das Lesegerät hältst, ist die Fahrt kostenlos. Du kannst auch Rollstühle, Kinderwagen oder Fahrräder problemlos mit in die Kabine nehmen.

Ein Findling im Meer: Das Geheimnis des Buskam

Wenn du am Nordstrand stehst und auf das Meer blickst, siehst du etwa 300 Meter vor der Küste einen dunklen Fleck im Wasser, an dem sich die Wellen brechen. Das ist der Buskam, der größte bisher gefundene Findling an der deutschen Ostseeküste. Der gigantische Granitblock wiegt schätzungsweise 1.600 Tonnen und wurde während der Eiszeit von Skandinavien bis nach Rügen geschoben.

Wie viel du von dem Stein siehst, hängt stark von der Wetterlage ab. Bei normalem Wasserstand ragt er gut anderthalb Meter aus der Ostsee heraus. Bei extremem Niedrigwasser kannst du seine gewaltigen Ausmaße erahnen, bei starken Herbststürmen verschwindet er manchmal komplett unter den Brechern. Schwimmer nutzen ihn im Sommer oft als inoffizielles Ziel, doch aufgrund der unberechenbaren Strömungen rund um den Stein solltest du dich ihm nur nähern, wenn du ein wirklich sicherer Schwimmer bist.

Der Speckbusch und die Kneipp-Tradition

Neben dem Strandleben hat sich Göhren stark auf Gesundheit und Entschleunigung ausgerichtet. Direkt neben dem Kurpavillon oben im Ort liegt ein gepflegter Kneipp-Garten. Du findest dort frei zugängliche Wassertret- und Armbadbecken. Das eiskalte Wasser sorgt für eine schnelle Erfrischung nach einer langen Wanderung durch die angrenzende Baaber Heide.

Direkt hinter der Kirche des Ortes erhebt sich der Speckbusch. Dieser kleine Hügel ist in Wahrheit ein bronzezeitliches Hügelgrab. Der kurze Aufstieg lohnt sich nicht wegen der archäologischen Bedeutung, sondern wegen der Aussicht. Von hier oben hast du einen unverstellten Panoramablick über die weite Küstenlandschaft von Mönchgut, den Greifswalder Bodden und an klaren Tagen bis zum Festland.

Anreise mit Dampf: Der Rasende Roland

Göhren bildet die Endstation für den Rasenden Roland. Die historische Schmalspurbahn verbindet den Ort mehrmals täglich im gemächlichen Tempo mit den benachbarten Seebädern Baabe, Sellin und Binz sowie der Residenzstadt Putbus. Der kleine Bahnhof in Göhren liegt direkt hinter dem Nordstrand. Die Anreise oder ein Tagesausflug mit der schnaufenden Dampflok ist nicht nur für Eisenbahnfans eine hervorragende Alternative zum oft staugeplagten Auto, da du die dichten Wälder der Granitz auf einer Strecke durchquerst, die für den regulären Autoverkehr gesperrt ist.

Fragen und Fakten zu Göhren

Was kostet die Fahrt mit dem Schrägaufzug in Göhren?

Die Fahrt mit dem Schrägaufzug in Göhren ist für Inhaber einer gültigen Göhrener Kurkarte (Gästekarte) kostenlos. Ohne diese Gästekarte zahlst du für eine einfache Fahrt einen geringen Betrag (meist um die 1,50 Euro), den du direkt am Automaten an der Station entwerten kannst. Der Aufzug verbindet das höher gelegene Ortszentrum barrierefrei mit der Strandpromenade.

Darf ich am Südstrand von Göhren baden?

Ja, das Baden am Südstrand von Göhren ist grundsätzlich erlaubt, geschieht jedoch vollständig auf eigene Gefahr. Im Gegensatz zum Nordstrand wird dieser Abschnitt nicht von Rettungsschwimmern der DLRG bewacht, und der Meeresgrund ist oft von Steinen durchsetzt. Dieser Strandabschnitt eignet sich eher für ruhige Spaziergänge und die Bernsteinsuche.

Wo kann ich den Findling Buskam am besten sehen?

Der Findling Buskam liegt etwa 300 Meter vor dem Nordstrand im Wasser. Die beste Sicht auf den riesigen Stein hast du entweder direkt vom nördlichen Ende des feinsandigen Strandes oder von den höher gelegenen Aussichtspunkten auf dem Nordperd, der bewaldeten Landzunge, die Göhren teilt.

Wie weit ist es vom Bahnhof zum Strand?

Der Bahnhof des Rasenden Rolands in Göhren liegt extrem strandnah. Wenn du den Zug verlässt, sind es nur etwa 150 bis 200 Meter zu Fuß auf flacher Strecke, bis du die Strandpromenade und den feinen Sand des Nordstrandes erreichst. Du musst dafür nicht in das höher gelegene Ortszentrum aufsteigen.

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