Blick auf die Steilküste des Kaps und den Burgwall der Jaromarsburg, dahinter befindet sich der Peilturm.

Nordwest-Rügen: Steilküsten auf Wittow, Bug & Kap Arkona

Wenn du die mondäne Bäderarchitektur der Ostküste hinter dir lässt und über die schmale Landzunge der Schaabe in Richtung Norden fährst, verändert sich die Insel Rügen spürbar. Der Nordwesten, geprägt von der Halbinsel Wittow, wird von den Einheimischen nicht ohne Grund das „Windland“ genannt. Hier gibt es keine endlosen Promenaden und keine Seebrücken. Stattdessen triffst du auf eine Landschaft, die von den Elementen geformt wurde: schroffe Steilküsten, tiefe Buchenwälder, flache Bodden und historische Fischerdörfer. Wer Rügen abseits des klassischen Strandtourismus erleben möchte, findet hier eine Natur, die herber, ruhiger und ehrlicher ist.

Die verbotene Halbinsel Bug: Militärgeschichte wird zum Naturparadies

Der westlichste Zipfel der Region ist gleichzeitig ihr größtes Geheimnis. Die Halbinsel Bug ist ein knapp acht Kilometer langer, extrem schmaler Sandhaken, der sich in den Bodden erstreckt. Er trennt den Wieker Bodden von der offenen Ostsee. Jahrzehntelang war dieses Areal militärisches Sperrgebiet – erst von der kaiserlichen Marine, später von der NVA genutzt. Was für die Bevölkerung ein Ärgernis war, erwies sich für die Flora und Fauna als absoluter Segen. Die Natur konnte sich hier völlig ungestört entfalten.

Heute gehört der südliche Teil des Bugs zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Du kannst diese Kernzone nicht einfach auf eigene Faust bei einem Spaziergang erkunden. Der Zutritt ist aus Naturschutzgründen streng verboten, um rastende Zugvögel und seltene Insekten nicht zu stören. Die einzige Möglichkeit, dieses unberührte Stück Rügen zu betreten, ist eine offiziell geführte Exkursion, die meist in Dranske startet. Während dieser Touren wanderst du durch dichte, fast urwaldartige Wälder und an menschenleere Strände, an denen sich Totholz und Feuersteine sammeln.

Gästeführungen Halbinsel Bug (Nationalpark) 📍 Start: Buger Straße, 18556 Dranske 🌐 nationalpark-vorpommersche-boddenlandschaft.de 📞 038332 6670

Flachwasser und Action: Das Surfer-Revier auf dem Wieker Bodden

Fährst du an der Küste weiter in den Osten, erreichst du das kleine Fischerdorf Wiek. Der Wieker Bodden ist ein riesiges, extrem flaches Binnengewässer, das fast vollständig vom Wind der offenen See bestrichen wird. Diese Kombination aus stehtiefem Wasser und konstanter Brise macht Wiek zu einem der besten und sichersten Reviere für Kitesurfer und Windsurfer in ganz Europa. Auch wenn du selbst nicht aufs Brett steigst, lohnt sich ein Nachmittag am Ufer, um die bunten Drachen bei ihren Sprüngen zu beobachten.

Wiek bietet zudem ein Stück faszinierender Industriearchitektur: die alte Kreidebrücke. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, um Kreide von Rügen auf Schiffe zu verladen. Aufgrund des Ersten Weltkriegs ging sie jedoch nie offiziell in Betrieb. Heute ist die Brücke aufwendig saniert, dient als Promenade direkt über dem Bodden und bietet den wohl besten Platz für einen ungestörten Sonnenuntergang im Nordwesten.

Der nördlichste Punkt: Kap Arkona und die Küstenabbrüche

Ganz im Nordosten der Halbinsel Wittow liegt das Kap Arkona. Die 45 Meter hohe Steilküste aus Kreide und Geschiebemergel ist der markanteste Punkt der Insel. Die Silhouette der drei Türme – der eckige Schinkelturm, der neuere Leuchtturm und der markante Peilturm – ist schon aus Kilometern Entfernung sichtbar. Vom Parkplatz in Putgarten (der Ort ist für den privaten Autoverkehr gesperrt) erreichst du das Kap nach einem kurzen Spaziergang oder bequem mit der Pferdekutsche.

So imposant das Kap ist, so deutlich zeigt sich hier auch die Kraft der Ostsee. Die Steilküste bricht regelmäßig ab. Insbesondere im Winter und nach starken Regenfällen im Frühjahr lösen sich gewaltige Erdmassen. Halte dich beim Wandern an der Kante zwingend an die aufgestellten Warnschilder und bleibe auf den markierten Wegen. Die Gefahr von plötzlichen Abbrüchen ist hier eine ständige Realität.

Nur einen kurzen Spaziergang am Hochufer entfernt liegt Vitt. Das historische Fischerdorf drängt sich in einer kleinen Uferschlucht zusammen. Mit seinen reetgedeckten Häusern und der kleinen achteckigen Uferkapelle oberhalb der Klippe wirkt es wie aus der Zeit gefallen – ist aber an sonnigen Sommertagen auch extrem gut besucht. Ein frühes Aufstehen lohnt sich hier besonders.

Tourismusgesellschaft Kap Arkona 📍 Dorfstraße 22, 18556 Putgarten 🌐 kap-arkona.de 📞 038391 4000 📧 info@kap-arkona.de

Die wilden Strände am Bakenberg

Wenn dir das Kap Arkona zu trubelig ist, fährst du an die Nordküste von Wittow zum Bakenberg. Hier findest du keine Strandkörbe, keine Promenaden und keine Rettungsschwimmer. Dafür grenzt ein uriger, windschiefer Kiefernwald – oft „Märchenwald“ genannt – direkt an eine bewachsene Steilküste. Über steile Holztreppen steigst du hinab zum Naturstrand.

Der Sand ist hier nicht so feinkörnig wie im Südosten, er ist durchsetzt mit Steinen und Treibholz. Genau diese raue Beschaffenheit macht den Strandabschnitt bei Naturliebhabern und Ruhesuchenden so beliebt. Es ist der perfekte Ort für extrem lange Spaziergänge an der Brandung, bei denen du stundenlang nur dem Rauschen der Wellen zuhörst und nach Hühnergöttern oder Versteinerungen suchst.

📍 Rügen entdecken

Die Halbinsel Wittow bildet das raue, naturbelassene Herz des Inselnordens. Wer die dichten Buchenwälder, das Surfer-Mekka am Bodden oder die Steilküsten genauer erkunden möchte, findet hier die wichtigsten Stationen:

Fakten für deinen Ausflug in den Inselnorden

Kann ich die Halbinsel Bug auf eigene Faust erkunden?

Nein, die Halbinsel Bug ist eine Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und darf ausschließlich im Rahmen von autorisierten, geführten Exkursionen betreten werden. Dieses strikte Zutrittsverbot dient dem Schutz der ungestörten Natur, insbesondere der sensiblen Brut- und Rastplätze zahlreicher Zugvogelarten, die dieses isolierte Gebiet nutzen.

Wie komme ich vom Parkplatz zum Kap Arkona?

Vom Zentralparkplatz in der Gemeinde Putgarten erreichst du die Leuchttürme am Kap Arkona nach einem gemütlichen, etwa zweieinhalb Kilometer langen Fußmarsch auf einer asphaltierten Straße. Alternativ pendeln regelmäßig die offizielle Kap-Arkona-Bahn (ein kleiner Straßenzug) sowie traditionelle Pferdekutschen zwischen dem Parkplatz und der Steilküste, da der gesamte Bereich für den privaten Autoverkehr gesperrt ist.

Warum wird der Nordwesten auch Windland genannt?

Die Halbinsel Wittow ragt geografisch weit in die offene Ostsee hinein und bietet maritimen Wettersystemen kaum natürlichen Widerstand, weshalb hier eine signifikant höhere Windgeschwindigkeit herrscht als auf dem Rest der Insel. Diese ungeschützte Lage sorgt nicht nur für hervorragende Bedingungen bei Kitesurfern auf den Bodden, sondern formt auch die charakteristisch geduckte, windschiefe Vegetation an den Küsten.

Gibt es im Nordwesten Sandstrände zum Baden?

Die feinsten und breitesten Sandstrände im Nordwesten erstrecken sich unterhalb der bewaldeten Steilküste am Bakenberg und entlang der Nehrung Schaabe, die Wittow mit der Halbinsel Jasmund verbindet. Es handelt sich hierbei durchgehend um unbewachte Naturstrände ohne klassische touristische Infrastruktur wie Strandkörbe oder Gastronomie direkt im Sand.

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