Wenn du mit dem Auto über den alten Rügendamm in Richtung Insel Rügen fährst, passierst du unweigerlich ein kleines, dicht bewaldetes Stück Land mitten im Strelasund. Für die allermeisten Urlauber ist der Dänholm nur ein kurzer Übergang zwischen der Hansestadt Stralsund und Deutschlands größter Insel. Man fährt darüber hinweg und blickt auf das Wasser. Doch wer hier den Blinker setzt und abfährt, betritt einen der historisch am stärksten aufgeladenen Orte der gesamten Ostseeküste. Der Dänholm ist kein typisches Urlaubsparadies mit Strandpromenade, sondern eine massive Zeitkapsel der maritimen Militärgeschichte.
Die kleine Insel war über Jahrhunderte hinweg ein strategischer Dreh- und Angelpunkt, um den hart gekämpft wurde. Heute ist das Eiland entmilitarisiert und beherbergt das Marinemuseum Dänholm, das tief in die Festungsanlagen der sogenannten Sternschanze eingebettet ist. Wer sich auf das raue Ambiente der Insel einlässt, erlebt eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Seefahrt und der Küstenverteidigung.
Von Dänen, Schweden und der preußischen Flotte
Der Name der Insel ist Programm und zeugt von ihrer ersten großen militärischen Auseinandersetzung: Im Jahr 1429 trugen die Stralsunder hier eine gewaltige Seeschlacht gegen eine dänische Flotte aus, schlugen die Angreifer vernichtend und gaben der Insel ihren heutigen Namen. In den folgenden Jahrhunderten war der Dänholm ein Spielball der Mächte. Während der Schwedenzeit wurden die Befestigungsanlagen massiv ausgebaut, wovon die historische Sternschanze mit ihren tiefen Kasematten noch heute zeugt.
Seine größte nationale Bedeutung erlangte der Dänholm jedoch in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1848 wurde hier die erste preußische Marine gegründet. Von da an blieb das Militär fast durchgehend auf der Insel: Die Reichs- und Kriegsmarine, später die Volksmarine der DDR und kurzzeitig auch die Bundeswehr nutzten das strategische Eiland, bevor es nach der Wende 1990 endgültig für die zivile und museale Nutzung freigegeben wurde.
Das Marinemuseum: Hubschrauber und Kasematten
Das Marinemuseum ist als Außenstelle des STRALSUND MUSEUMS konzipiert und nutzt die historischen Gebäude und Wallanlagen der Sternschanze auf brillante Weise. Die Ausstellung teilt sich in zwei große Bereiche auf. Im Inneren der ehemaligen Kaserne (Haus 10) begibst du dich auf einen chronologischen Rundgang. Hier findest du eine extrem detaillierte Sammlung von historischen Marineuniformen, detaillierten Schiffsmodellen, alten Seekarten und nautischen Instrumenten. Auch die Unterwasserarchäologie, die vor Rügens Küsten beeindruckende Wrackfunde zutage gefördert hat, bekommt hier ihren verdienten Raum.
Das eigentliche Highlight für viele Besucher ist jedoch das weitläufige Freigelände, das direkt in die grasbewachsenen Wälle der Festung integriert ist. Hier wird die Geschichte anhand von Großexponaten greifbar: Du stehst direkt vor einem originalen und leuchtend blauen Marinehubschrauber (Mil Mi-8), historischen Torpedoschnellbooten der Volksmarine und gewaltigen Minenräumgeräten. Der Kontrast zwischen schwerem Militärgerät, den alten roten Backsteinmauern und der Natur, die sich die Festung langsam zurückerobert, verleiht dem Museum eine völlig eigene, fast schon melancholische Atmosphäre.
Ehrliche Einschätzung: Für wen lohnt sich der Besuch?
Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte man mit der richtigen Erwartungshaltung auf den Dänholm fahren. Das Marinemuseum ist kein hochmodernes Science-Center mit Dutzenden Touchscreens und interaktiven Virtual-Reality-Brillen. Es ist ein klassisches, solides und sehr umfangreiches historisches Museum.
- Für wen der Dänholm ein Muss ist: Geschichtsinteressierte, Historiker und Technik-Fans werden hier Stunden verbringen können. Auch für Familien mit technikaffinen Kindern oder Jugendlichen ist das Freigelände mit den riesigen Booten und dem begehbaren Gelände der Sternschanze ein tolles Ausflugsziel, bei dem viel entdeckt werden kann.
- Wer lieber weiterfahren sollte: Wenn du auf der Suche nach Wellness, Kaffeekultur oder einer unberührten Naturlandschaft für einen ruhigen Spaziergang bist, ist der Dänholm der falsche Ort. Der militärische, etwas raue Beton-Charme der alten Anlagen ist allgegenwärtig. Für Kleinkinder, die interaktive Spielplätze suchen, gibt es hier ebenfalls wenig zu tun.
Wichtiger Insider-Tipp für 2026: Auf dem Dänholm befindet sich auch das Nautineum. Bitte beachte, dass dieses Gelände aktuell ausschließlich als Sammlungs- und Forschungsstandort des Deutschen Meeresmuseums genutzt wird und nicht für Besucher geöffnet ist. Dein Ziel für den Ausflug ist also ausschließlich das Marinemuseum an der Sternschanze!
Der Dänholm verbindet das Festland mit der Insel Rügen. Wenn du nach dem Besuch der Festungsanlagen wieder in die zivile Welt eintauchen möchtest, bieten sich die angrenzenden Gebiete für einen ausgedehnten Stadtbummel an:
Fragen rund um deinen Ausflug auf den Dänholm
Wie komme ich mit dem Auto zum Marinemuseum?
Die Anfahrt erfolgt zwingend über den alten Rügendamm (Ziegelgrabenbrücke), nicht über die neue, hohe Rügenbrücke, da diese keine Abfahrt auf den Dänholm besitzt. Sobald du dich auf dem Rügendamm befindest, folgst du in der Mitte der Brücke einfach der beschilderten Ausfahrt hinab auf die Insel. Vor dem Museum stehen ausreichend kostenfreie Parkplätze für Besucher zur Verfügung.
Haben das Museum und das Freigelände im Winter geöffnet?
Nein, das Marinemuseum Dänholm befindet sich in den Wintermonaten (üblicherweise von November bis Ende April) in einer Winterpause und bleibt komplett geschlossen. Die Anlage öffnet in der Regel erst Anfang Mai wieder von Dienstag bis Sonntag ihre Tore für den regulären Besucherverkehr.
Sind Hunde auf dem Museumsgelände auf dem Dänholm erlaubt?
Hunde dürfen an der kurzen Leine mit auf das weitläufige Freigelände der Sternschanze genommen werden. In die historischen Ausstellungsräume im Inneren der alten Kaserne (Haus 10) ist die Mitnahme von Tieren jedoch grundsätzlich nicht gestattet.
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