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Camping auf Rügen in der Hauptsaison: Logistik & Tipps

Die Monate Juli und August bilden die absolute Spitze der touristischen Nachfrage auf der Insel Rügen. Wenn die Schulferien in Deutschland beginnen, füllen sich die Straßen, Strände und insbesondere die Campingplätze in kurzer Zeit. Während das Camping auf Rügen in der Nebensaison durch Spontanität und freie Platzwahl besticht, erfordert die Hauptsaison eine präzise Taktik und strukturierte Vorausplanung. Ein Campingurlaub im Hochsommer ist ein wunderbares Erlebnis, sofern man die logistischen Herausforderungen der Insel kennt und meistert.

In dieser Zeit teilst du dir die Infrastruktur mit vielen anderen Familien und Campern. Wer ohne Reservierung anreist oder die lokalen Verkehrsströme ignoriert, verbringt oft mehr Zeit im Stau oder auf der Suche nach einem Stellplatz als am Strand. Dieser Ratgeber liefert dir das notwendige Wissen, um deinen Sommerurlaub im Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt auf Rügen reibungslos zu gestalten – von der rechtzeitigen Buchung bis zur klugen Standortwahl abseits der vollen Seebäder.

Die 6-Monate-Regel: Vorausplanung ist Pflicht

Das wichtigste Prinzip für das Sommercamping an der Ostsee lautet: Buche frühzeitig. Die beliebten Plätze direkt an der Küste, wie das Regenbogen Camp im Ostseebad Göhren oder der Knaus Campingpark in Drewoldke, melden für Juli und August oft schon im Frühjahr „ausgebucht“.

Wer auf gut Glück anreist, findet in der Regel nur noch Platz auf den teuren Ausweichparkplätzen oder unparzellierten Notwiesen im Hinterland, die oft keine adäquate Strom- oder Wasserversorgung bieten. Für einen Premium-Stellplatz mit direktem Anschluss musst du in der Hauptsaison mit 60 bis 85 Euro pro Nacht für zwei Personen rechnen. Hinzu kommt die lokale Kurabgabe, die in den bekannten Seebädern wie Binz oder Göhren bis zu 3,40 Euro pro Tag und Erwachsenem beträgt. Wenn du einen bestimmten Wunschplatz (zum Beispiel in der ersten Reihe am Meer oder in der Nähe des Waschhauses) favorisierst, solltest du diesen zwingend sechs bis acht Monate im Voraus reservieren.

Stau und Anreise: Die richtige Taktik für Gespanne

Der Anreiseverkehr ist an den Sommerwochenenden dicht. Der klassische Bettenwechsel bei Ferienwohnungen findet am Samstag statt, was sich auch auf den Campingverkehr auswirkt. Die Fahrt mit einem breiten Wohnwagen-Gespann erfordert auf Rügen zudem Konzentration, da viele Nebenstraßen als historische Alleen mit eng stehendem Baumbestand angelegt sind.

Die Engstelle B196 meiden

Die Bundesstraße 196, die von Bergen in Richtung der südöstlichen Seebäder (Binz, Sellin, Baabe, Göhren) führt, ist an sommerlichen Nachmittagen oft überlastet. Wenn dein Campingplatz in dieser Region liegt, plane deine Ankunft auf der Insel für den frühen Vormittag (vor 10:00 Uhr) oder den späten Abend. So umgehst du den Stop-and-Go-Verkehr mit einem schweren Anhänger.

Alternative Routen prüfen

Wer in den Norden nach Wittow oder Jasmund reist, nutzt die B96. Diese ist gut ausgebaut, staut sich jedoch häufig in der Ortsdurchfahrt Lietzow. Bei sehr starken Windböen kann zudem die Rügenbrücke für Fahrzeuge mit großer Angriffsfläche (Wohnwagen) gesperrt werden. In diesem Fall wird der Verkehr über den tieferliegenden, alten Rügendamm geleitet, was Zeit kostet.

Flucht aus dem Trubel: Bodden statt Ostseestrand

Im August zieht es die meisten Urlauber an die großen Strände der Ostküste. Wer es ruhiger mag, sucht sich gezielt Campingplätze auf Rügen, die nicht direkt am offenen Meer, sondern an den flachen Boddengewässern im Westen oder im Inselinneren liegen.

Ein sehr gutes Beispiel ist der Campingplatz Schaprode. Er bietet grüne Zeltbereiche mit einem direkten Blick auf die Insel Hiddensee. Auch das Ostseecamp Suhrendorf auf der kleinen Nachbarinsel Ummanz ist ein guter Rückzugsort. Das Wasser des Boddens ist flach und ruhig, was es ideal für Familien mit kleinen Kindern oder für den Einstieg in den Wassersport macht. Von diesen ruhigen Binnen-Plätzen aus kannst du die belebten Ostseebäder problemlos als Tagesausflug mit dem Fahrrad ansteuern, ohne abends im Trubel übernachten zu müssen.

Das Schatten-Problem im Hochsommer

Während Camper im Frühjahr oder Herbst gezielt nach sonnigen Parzellen suchen, ist Schatten im Juli und August ein entscheidendes Kriterium. Die Temperaturen im Inneren eines Wohnmobils oder Kastenwagens steigen in der prallen Sonne schnell auf über 30 Grad an.

Kühlschrank & Technik

Viele Absorber-Kühlschränke in Wohnmobilen stoßen bei direkter Sonneneinstrahlung auf die Außengitter an ihre Leistungsgrenzen und kühlen nicht mehr zuverlässig. Richte dein Fahrzeug nach Möglichkeit so aus, dass die Kühlschrank-Lüftungsgitter auf der schattigen Nord- oder Ostseite liegen. Investiere in gute Isoliermatten für die Frontscheibe, um ein Aufheizen des Fahrerhauses zu verlangsamen.

Die Wahl der Parzelle

Plätze, die in lichte Küstenwälder eingebettet sind (wie das Naturcamping in Thiessow), bieten durch den alten Baumbestand einen natürlichen Sonnenschutz. Auf Plätzen, die auf freien Wiesenflächen liegen, musst du selbst für Schatten sorgen. Stabile Markisen oder große Sonnensegel sind hier Pflicht. Achte jedoch darauf, diese bei aufkommendem Wind an der Küste stets mit Sturmbändern zu sichern.

Klassisch mit dem Zelt: Die Chance für Spontanurlauber

Während die befestigten Parzellen für Wohnmobile und große Gespanne im Juli und August zumeist vollständig belegt sind, bietet das klassische Camping mit dem Zelt eine Möglichkeit für kurzfristiges Reisen nach Rügen. Viele Campingplätze auf der Insel verfügen über unparzellierte Zeltwiesen. Wer auf Landstrom oder einen direkten Wasseranschluss verzichten kann, findet hier auch in der Hochsaison oft noch einen freien Platz für ein Wurf- oder Familienzelt.

Flexibilität auf der Zeltwiese

Zelturlauber beanspruchen weniger Platz und benötigen keine Rangierfläche. Auf Naturcampingplätzen (wie etwa in Nipmerow oder Schaprode) können die Betreiber durch die offene Flächengestaltung Lücken nutzen, die für Fahrzeuge gänzlich ungeeignet sind. Wer als Zeltcamper reist, muss nicht sechs Monate im Voraus planen – ein kurzer Anruf ein bis zwei Tage vor der Anreise reicht oft aus, um die Verfügbarkeit abzuklären.

Ausrüstung für die Küste

Wer im Hochsommer an der Ostsee zeltet, sollte auf rasche Wetterwechsel vorbereitet sein. Ein windstabiles Zelt mit solider Abspannung ist wichtig, da Sommergewitter an der Küste mitunter kräftige Böen mit sich bringen. Achte zudem auf die passenden Heringe: Auf sandigen Böden direkt hinter den Dünen (wie in Thiessow) bieten ausschließlich spezielle Sandheringe Halt, während auf den festeren Wiesenplätzen im Inselinneren Standardheringe ausreichen.

Regeln respektieren: Kein Wildcampen auf Rügen

Da die Plätze im Sommer stark ausgelastet sind, weichen einige Urlauber auf Wald- oder Strandparkplätze aus. Dies ist in Mecklenburg-Vorpommern und somit auch auf Rügen streng verboten. Die Ordnungsämter kontrollieren in der Hauptsaison konsequent. Das Übernachten auf normalen Parkplätzen (wie etwa entlang der Schaabe oder in Prora) wird mit Bußgeldern geahndet. Nutze für Zwischenstopps ausschließlich offizielle Wohnmobilstellplätze, die auch über entsprechende Anlagen zur Ver- und Entsorgung von Grauwasser und Chemietoiletten verfügen.

Häufige Fragen zum Sommercamping auf Rügen

Wie weit im Voraus muss ich für den August buchen?

Für die Monate Juli und August solltest du deinen Stellplatz mindestens sechs Monate im Voraus reservieren. Beliebte Plätze an der Ostküste (wie Göhren, Baabe oder Drewoldke) sind oft bereits im Januar oder Februar für die gesamte Sommerferienzeit vollständig ausgebucht.

Welche Campingplätze sind im Sommer ruhiger?

Um dem großen Trubel der Seebäder zu entgehen, empfehlen sich Plätze am Bodden oder im Inselinneren. Das Ostseecamp Suhrendorf auf Ummanz oder der Campingplatz Schaprode bieten eine ruhigere Atmosphäre als die Anlagen an der offenen Ostsee, verfügen aber über flache und badetaugliche Wasserzugänge.

Darf mein Hund im Sommer mit an den Strand?

In der Hauptsaison (1. Mai bis 30. September) sind Hunde an den regulären Badestränden der Seebäder nicht gestattet. Du musst in dieser Zeit auf die offiziell ausgewiesenen Hundestrände der jeweiligen Gemeinde ausweichen. Auf den Campingplätzen selbst herrscht zudem ausnahmslos Leinenpflicht.

Darf ich am Stellplatz einen Holzkohlegrill benutzen?

Das hängt von der Platzordnung und der Waldbrandgefahrenstufe ab. Viele Plätze, die direkt an Küstenwälder grenzen, verbieten offenes Feuer und Holzkohlegrills in den trockenen Sommermonaten komplett. In der Regel sind Gas- oder Elektrogrills die sichere und zulässige Alternative.

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