An die Ostsee zu fahren, bedeutet für viele einfach den kurzen Weg durch die weißen Dünen zu nehmen. Wenn du jedoch auf einen Rollstuhl, einen Rollator oder einen Kinderwagen angewiesen bist, sieht die Realität anders aus. Tiefer Sand und hohe Kanten machen viele Naturstrände unpassierbar. Rügen hat in den vergangenen Jahren baulich stark nachgebessert, sodass du in den großen Ostseebädern heute problemlos ans Wasser gelangst. Hier erfährst du, welche Abschnitte wirklich barrierefrei sind und wo du dir spezielle Schwimmrollstühle leihen kannst.
Der Sand-Faktor: Wie du ans Wasser kommst
Das Ostseebad Binz bietet die längste ebenerdige Promenade der Insel. Der Zugang zum Strand ist an mehreren Stellen mit festen Kunststoffmatten oder Holzbohlen ausgelegt, die ein Einsinken der Räder verhindern. An den DLRG-Haupttürmen stehen während der Badesaison von Mai bis September spezielle Strandrollstühle zur Verfügung. Diese Gefährte haben extrabreite Ballonreifen. Einige Modelle sind sogar schwimmfähig (sogenannte Tiralo), sodass du dich direkt in die Ostseewellen schieben lassen kannst.
Gut zu wissen: Die Ausleihe dieser Strandrollstühle ist an den von der DLRG bewachten Stränden in der Regel kostenlos, da dieser Service über deine Kurabgabe finanziert wird. Du hinterlegst lediglich deinen Personalausweis. Da oft nur ein bis zwei Modelle pro Strandabschnitt existieren, solltest du gleich am ersten Urlaubstag bei der örtlichen Rettungsstation die Verfügbarkeit für deine Strandtage klären.
Aufzüge und Steigungen im Südosten
Die geografische Lage im Südosten Rügens bringt steile Küsten mit sich. In Sellin überwindest du die knapp 30 Meter Höhenunterschied hinab zur berühmten Seebrücke problemlos mit einem Fahrstuhl. Unten angekommen, führt ein fester Weg direkt auf die Brücke, und in der Hauptsaison gibt es am Hauptstrand befestigte Strandzugänge. Ähnlich gut gelöst ist es in Göhren. Hier verbindet ein Schrägaufzug das höher gelegene Ortszentrum mit der Strandpromenade am Nordstrand. Unten erwartet dich eine durchgehend gepflasterte Flaniermeile, von der aus rollstuhlgerechte Übergänge in den Sand führen.
Auch das benachbarte Ostseebad Baabe punktet bei der Barrierefreiheit. Die Strandstraße verläuft hier sehr flach bis direkt an den Hauptstrand, wo die Übergänge ebenfalls mit speziellen Matten befestigt sind.
Breite Wege und entspanntes Parken
Wenn du breite, asphaltierte Wege und etwas weniger Trubel suchst, ist Prora eine sehr gute Alternative. Die kilometerlange Anlage wurde aufwendig saniert, und die neuen Promenadenabschnitte sind durchgehend barrierefrei gestaltet. Die Strandzugänge sind flach und mit stabilen Holzstegen versehen, die nah ans Wasser heranreichen.
Insider-Wissen: Prora bietet im Vergleich zu Binz oft die deutlich entspanntere Parkplatzsituation. Die ausgewiesenen Behindertenparkplätze in Strandnähe füllen sich im Hochsommer zwar auch, aber die Wege von den Parkhäusern zum Wasser sind durchgehend breit und fest asphaltiert.
Sanitäre Anlagen und der Euroschlüssel
Ein entscheidender Faktor für den Strandtag ist die sanitäre Infrastruktur. Entlang der großen Promenaden in Binz, Sellin, Baabe und Göhren findest du in regelmäßigen Abständen behindertengerechte Toiletten.
Insider-Wissen: Für fast alle dieser öffentlichen Sanitäranlagen auf Rügen benötigst du den Euroschlüssel. Vergiss nicht, diesen von zu Hause mitzubringen. Falls du keinen besitzt, kannst du ihn oft gegen eine Kaution (meist um die 25 Euro) in den örtlichen Kurverwaltungen für die Dauer deines Aufenthaltes ausleihen.
Ausflüge abseits des Sandes
Manchmal muss es nicht zwingend der Sandstrand sein. Der Rasende Roland, die historische Schmalspurbahn der Insel, nimmt Rollstühle im Packwagen mit. Beachte hierbei jedoch, dass das Ein- und Aussteigen aufgrund der historischen, hohen Stufen die Hilfe des Personals erfordert. Ein lohnendes Ziel im Inselnorden ist der Nationalpark Jasmund. Da die Strände der Kreideküste ausschließlich über steile Holztreppen erreichbar sind, weichst du hier auf den Skywalk am Königsstuhl aus. Dieser schwebende Rundweg ist komplett barrierefrei. Der reguläre Eintritt kostet rund 12 Euro, Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis zahlen einen reduzierten Preis, und eine eingetragene Begleitperson (Merkzeichen B) hat freien Eintritt.
Häufige Fragen zum barrierefreien Urlaub auf Rügen
Kann ich mit dem Rollstuhl am Strand von Rügen ins Wasser?
Ja, an den Hauptstränden von Binz, Sellin, Baabe und Göhren stehen schwimmfähige Strandrollstühle zur Verfügung. Diese werden von den Rettungsschwimmern der DLRG verwaltet und können während der Wachzeiten meist kostenlos gegen Vorlage eines Personalausweises geliehen werden.
Welche Strände auf Rügen sind für Rollstuhlfahrer ungeeignet?
Die Naturstrände der Schaabe, der Strandblock von Prora Nord bis Mukran sowie die steinigen Küstenabschnitte auf der Halbinsel Jasmund und Wittow sind für Rollstuhlfahrer nicht passierbar. Dort verhindern lockerer tiefer Sand, hohe Dünenkämme oder steile, unebene Treppen den Zugang.
Benötige ich einen speziellen Schlüssel für die Strandtoiletten?
Für die meisten behindertengerechten öffentlichen Toiletten auf Rügen wird ein Euroschlüssel benötigt. Du findest diese sanitären Anlagen in allen größeren Ostseebädern direkt an den Strandpromenaden oder in der Nähe der jeweiligen Kurverwaltungen.
Komme ich mit dem Rollstuhl an den Strand der Kreideküste?
Nein, die Strände direkt unterhalb der Kreidefelsen sind ausschließlich über steile und unebene Holztreppen erreichbar. Die barrierefreie Alternative ist der schwebende Skywalk am Königsstuhl, der mit dem Rollstuhl stufenlos befahrbar ist und eine weite Sicht auf die Ostsee bietet.
Waren diese Informationen hilfreich?
Danke für dein Feedback!






