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Angeln auf Rügen: Alternativen zum Dorsch

Die Insel Rügen galt über Jahrzehnte als das absolute Paradies für Meeresangler in Deutschland. In den frühen Morgenstunden verließen unzählige Kutter die Häfen von Sassnitz oder Schaprode, beladen mit Anglern, die auf massive Dorschfänge hofften. Doch diese Zeiten sind vorbei. Das Ökosystem der Ostsee befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wer heute mit der Erwartung auf die Insel reist, am Abend eine Kühlbox voller Dorsche zu filetieren, wird nicht nur enttäuscht, sondern riskiert auch massive Strafen. Der Fokus an den Küsten hat sich verlagert. Rügen bietet nach wie vor herausragende anglerische Möglichkeiten, erfordert jedoch eine Anpassung der Zielarten und ein Verständnis für die ökologische Realität.

Das strenge Fangverbot für den Ostseedorsch

Die rechtliche Lage ist unmissverständlich: Seit dem 1. Januar 2024 gilt in der westlichen Ostsee für die Freizeitfischerei ein striktes Fangverbot für den Dorsch (Baglimit Null). Diese Maßnahme wurde von der Europäischen Union auch für die Jahre 2025 und 2026 lückenlos verlängert. Das bedeutet für dich als Angler an den Küsten Rügens, dass das gezielte Beangeln dieser Art illegal ist.

Sollte dir beim Brandungsangeln oder beim Spinnfischen auf Meerforelle unbeabsichtigt ein Dorsch an den Haken gehen, bist du gesetzlich verpflichtet, diesen Fisch unverzüglich und so schonend wie möglich in das Wasser zurückzusetzen. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Fisch das alte Mindestmaß überschreitet oder verletzt ist – das Aneignen ist schlichtweg verboten. Die Küstengewässer werden durch die Fischereiaufsicht und die Wasserschutzpolizei streng kontrolliert, und Zuwiderhandlungen werden mit extrem empfindlichen Geldbußen belegt.

Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) 📍 Thierfelderstraße 18, 18059 Rostock 🌐 lallf.de 📞 0385 58861000 📧 poststelle@lallf.mvnet.de

Wissenschaftliche Prognose: Wann kehrt der Dorsch zurück?

Viele Urlauber stellen sich die Frage, ob das Verbot nur eine kurze Schonpause ist. Die wissenschaftlichen Daten zeichnen jedoch ein nüchternes Bild. Forscher betonen, dass der Dorschbestand nicht nur unter dem historischen Fischereidruck leidet, sondern massiv vom Klimawandel getroffen ist. Die Ostsee erwärmt sich überdurchschnittlich schnell, was den sauerstoffliebenden Dorsch in tiefere, oft sauerstoffarme Becken drängt, wo die Reproduktion (der Laich) nicht überlebt.

Zudem hat sich das Nahrungsnetz verschoben. Durch den Einfluss von wärmeliebenden Blaualgen ernährt sich das Zooplankton heute anders, wodurch die Nahrungskette länger und ineffizienter wird. Am Ende dieser Kette kommt schlicht zu wenig Energie beim Dorsch an. Eine Erholung des Bestandes wird wissenschaftlich als ein Prozess betrachtet, der viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern wird. Eine Lockerung des Fangverbots ist daher auf absehbare Zeit extrem unwahrscheinlich.

Thünen-Institut für Ostseefischerei 📍 Alter Hafen Süd 2, 18069 Rostock 🌐 thuenen.de 📞 0381 66099 102 📧 of@thuenen.de

Silber der Ostsee: Das Angeln auf Meerforelle

Mit dem Wegfall des Dorsches hat sich die Meerforelle zum unangefochtenen Leitfisch an Rügens offenen Küsten entwickelt. Besonders im Frühjahr (März bis Mai) und im späten Herbst stehen Spinn- und Fliegenfischer in Wathosen an den Stränden der Halbinsel Wittow oder unterhalb der Kreidefelsen auf Jasmund.

Die Meerforelle gilt als der „Fisch der tausend Würfe“. Du brauchst Ausdauer, warme Kleidung und das Auge für den sogenannten Leopardengrund – eine Mischung aus dunklen Steinen, Tangfeldern und hellem Sand, über dem die Fische auf Beutezug gehen. Wenn der Einschlag in der Rute kommt und ein massiver, silberner Fisch aus dem Wasser springt, ist der Dorsch sehr schnell vergessen.

Plattfisch und Brandungsangeln an der Schaabe

Wenn du einen ruhigen Abend am Strand der aktiven Watfischerei vorziehst, ist das Brandungsangeln die perfekte Alternative. Die langen Sandstrände der Nehrung Schaabe zwischen Glowe und Juliusruh oder der Südstrand von Baabe bieten ideale Bedingungen. Ziel sind hier vor allem Flundern und Schollen.

Sobald im Herbst das Wasser der Ostsee kühler wird, ziehen die Plattfische bis dicht an die erste Sandbank heran. Mit schweren Brandungsruten und Wattwürmern oder Seeringelwürmern als Köder hast du hier exzellente Chancen auf einen schmackhaften Fang. Die Brandungsangelei ist besonders für kleine Gruppen ein geselliges Erlebnis, während man in der Dämmerung auf das Wackeln der leuchtenden Rutenspitzen wartet.

Hecht und Zander in den Rügener Bodden

Der wahre Reichtum Rügens liegt fernab der Brandung in den flachen, geschützten Boddengewässern. Der Wieker Bodden im Nordwesten oder der Große Jasmunder Bodden sind Brackwassersysteme (eine Mischung aus Süß- und Salzwasser), die ein enormes Nahrungsangebot aufweisen. Im Frühjahr ziehen riesige Heringsschwärme zum Laichen in die Bodden und mästen die dort ansässigen Raubfische.

Rügen ist europaweit berühmt für seine kapitalen Hechte, die regelmäßig die Ein-Meter-Marke durchbrechen, sowie für extrem kampfstarke Zander und Barsche. Um diese riesigen Wasserflächen effektiv zu beangeln, empfiehlt sich für Neueinsteiger zwingend die Buchung eines lokalen Angel-Guides mit Boot, da das Werfen vom oft stark beschilften Ufer aus nur an sehr wenigen Stellen Erfolg verspricht.

Die bürokratische Basis: Kosten und Erlaubnisscheine

Egal ob du in der Brandung oder im Bodden angelst, die Papiere müssen stimmen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern macht es Urlaubern glücklicherweise sehr leicht. Wenn du einen regulären Fischereischein deines Heimatbundeslandes besitzt, benötigst du lediglich die Küstenfischereierlaubnis für M-V. Diese ist mit 6 Euro für eine Tageskarte oder 30 Euro für das ganze Jahr extrem fair bepreist.

Wer keinen Angelschein besitzt, profitiert vom urlauberfreundlichen Touristenfischereischein. Dieser kostet 24 Euro, ist für 28 aufeinanderfolgende Tage gültig und wird dir in fast allen Kurverwaltungen der Insel nach einer kurzen schriftlichen Belehrung völlig unbürokratisch ausgestellt. Du musst ihn dann nur noch mit der genannten Küstenfischereierlaubnis kombinieren und bist bereit für das Wasser.

📍 Rügen entdecken

Rügen bietet völlig unterschiedliche Angelreviere, die sich je nach Wind und Zielart drastisch voneinander unterscheiden. Hier findest du die besten Ausgangspunkte für deine Touren ans Wasser:

Regeln und Fakten für das Angeln an der Küste

Was kostet die Angelerlaubnis für die Küstengewässer auf Rügen?

Die allgemeine Küstenfischereierlaubnis für die Küstengewässer in Mecklenburg-Vorpommern kostet für eine Tageskarte 6 Euro, während eine Jahreskarte für 30 Euro erhältlich ist. Dieses Dokument ist zwingend erforderlich, um legal an den Ostseestränden und in den ausgedehnten Bodden der Insel angeln zu dürfen.

Kann ich auf Rügen auch ohne abgelegte Prüfung angeln?

Urlauber ohne regulären Fischereischein können in Mecklenburg-Vorpommern den sogenannten Touristenfischereischein erwerben, der für 28 Tage gültig ist und eine Verwaltungsgebühr von 24 Euro kostet. Dieses Dokument ist direkt bei den örtlichen Kurverwaltungen oder Tourismusinformationen erhältlich und muss vor dem Angeln zwingend mit der regulären Küstenfischereierlaubnis ergänzt werden.

Darf ich einen versehentlich gefangenen Dorsch behalten?

Ein versehentlich gefangener Dorsch muss unabhängig von seiner Größe und seinem physischen Zustand sofort und so schonend wie möglich in das Gewässer zurückgesetzt werden. Das Behalten der Fische ist durch das weitreichende EU-Verbot für die Freizeitfischerei strengstens untersagt und wird bei Kontrollen durch die Aufsichtsbehörden mit empfindlichen Geldbußen geahndet.

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